Hunderte Lkw gestoppt, tausende Tonnen Fracht blockiert – Bosniens Transportsektor steht unter massivem Druck.
Bosnien und Herzegowina sieht sich seit dem heutigen Morgen mit einer schwerwiegenden Störung im internationalen Güterverkehr konfrontiert. An den Grenzen zur Europäischen Union wurden mehr als hundert Transportfahrzeuge zurückgewiesen; rund zweitausend Tonnen Fracht stecken im Transit fest und können den europäischen Markt vorerst nicht erreichen. Das gab das Konsortium „Logistika BiH“ bekannt.
Die wichtigsten Ausfalltore für den bosnisch-herzegowinischen Güterexport in Richtung EU verlaufen über die Grenzübergänge zu Kroatien im Norden des Landes, entlang der Save. Genau dort stauen sich derzeit die Fahrzeuge, während Rückweisungen den Verkehr zusätzlich blockieren.
Serbiens Vorteil
Das Konsortium weist darauf hin, dass die Routen über Serbien von den Problemen deutlich weniger betroffen seien. Gute nachbarschaftliche Beziehungen hätten Serbien einen gewissen operativen Spielraum verschafft – unter anderem auf der Strecke über den Grenzübergang Bajakovo in Richtung Ungarn. „Serbien hat für seine Transportunternehmen auf dieser Route gewisse Fortschritte oder zumindest vorübergehende Lösungen erwirken können. Wir stellen daher den Institutionen in BiH die Frage: Warum genießen unsere Transportunternehmen und unsere Wirtschaft nicht denselben Schutz?“, heißt es in der Stellungnahme des Konsortiums.
In einem öffentlichen Appell forderten die Vertreter des Sektors rasches Handeln der zuständigen Stellen. Ohne unmittelbare Schritte und direkte Gespräche mit EU-Institutionen sowie den Nachbarländern drohe eine Lage, in der Import und Export ernsthaft ins Stocken geraten und Lieferketten nachhaltig gestört werden – mit spürbaren Folgen für Unternehmen, Beschäftigte und die Gesamtwirtschaft.
Regionaler Widerstand
Bereits zu Monatsbeginn hatte Borjana Kristo, Vorsitzende des Ministerrats von Bosnien und Herzegowina, den Regierungschefs der Westbalkanstaaten vorgeschlagen, gegenüber der EU gemeinsam vorzugehen. Ziel sei eine koordinierte Initiative zur Lösung der anhaltenden Probleme im grenzüberschreitenden Personenverkehr der Region. Kristo verwies dabei auf eine EU-Verordnung, die Fahrern aus Nicht-EU-Ländern nur einen Aufenthalt von 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen im Schengen-Raum gestattet – eine Regelung, die den Transportsektor der gesamten Region seit geraumer Zeit unter Druck setzt. Seit dem 12. Oktober 2025 wird diese Regel durch das Entry/Exit-System (EES) strenger durchgesetzt, was die Kontrollen an den EU-Außengrenzen verschärft hat.
Ende Jänner hatten Transportunternehmer aus den Westbalkanstaaten mit Grenzblockaden gegen eben diese Verordnung protestiert.
Eine Änderung der europäischen Vorschriften, die den rechtlichen Status von LKW-Fahrern aus der Region regeln, brachte der Protest jedoch nicht.