Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Chemikalienskandal

SHEIN-Schock: Giftjacken um 3000-faches über EU-Grenzwert

SHEIN-Schock: Giftjacken um 3000-faches über EU-Grenzwert
Foto: iStock
2 Min. Lesezeit |

Verbotene Chemikalien, falsche Versprechen, ein System dahinter: SHEIN steht erneut unter schwerem Beschuss.

Ein aktueller Nachtest der Umweltschutzorganisation Greenpeace belastet den Online-Modehändler SHEIN erneut schwer: 81 Prozent der erneut bestellten Produkte überschreiten demnach die in der Europäischen Union geltenden Grenzwerte für gefährliche Chemikalien. Besonders gravierend ist der Befund bei Jacken, in denen sogenannte PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) nachgewiesen wurden – Verbindungen, die sich in der Umwelt und im menschlichen Körper kaum zersetzen und mit Immunschäden sowie einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht werden.

Von elf untersuchten Jacken lagen neun über den zulässigen Grenzwerten; bei einem Damenmodell wurde der erlaubte Wert sogar um mehr als das Dreitausendfache überschritten. Die betreffenden Chemikalien sind in der EU bereits verboten oder unterliegen strengen Beschränkungen – dennoch tauchten sie in mehreren SHEIN-Produkten erneut auf.

Mehr zum ThemaVeggie-Burger vor dem Aus: Trilog-Verhandlung heute 5. März

Strukturelles Problem

Dem Nachtest vorausgegangen war eine Erstuntersuchung im Herbst, in deren Folge SHEIN zugesagt hatte, die beanstandeten Artikel aus dem Sortiment zu nehmen. Im Dezember 2025 bestellte Greenpeace 31 dieser Produkte erneut – und stellte fest, dass identische oder nahezu identische Artikel wenige Wochen später wieder im Onlineshop verfügbar waren.

Laut Greenpeace liegt das strukturelle Problem im Geschäftsmodell des Konzerns: SHEIN fungiert als Marktplatz für eine Vielzahl externer Händler, obwohl viele Kundinnen und Kunden davon ausgehen, direkt beim Unternehmen zu kaufen. Da die Ware häufig direkt von Herstellern aus Drittstaaten versandt wird, gelten Konsumentinnen und Konsumenten rechtlich in vielen Fällen selbst als Importeure – und tragen damit die Verantwortung dafür, dass die Produkte den EU-Vorschriften entsprechen. Im ungünstigsten Fall importieren sie auf diesem Weg unwissentlich Waren, die gegen geltendes Recht verstoßen.

Greenpeaces Forderungen

Madeleine Drescher, Konsumexpertin bei Greenpeace Österreich, kritisiert: „SHEIN hat einzelne verbotene Produkte aus dem Shop entfernt, aber kurz darauf landen sie wieder im digitalen Warenkorb. Das ist kein Versehen, das hat System. Während der Konzern am schnellen Klick verdient, tragen Konsumenten das Risiko.“

Greenpeace fordert vor diesem Hintergrund eine deutlich stärkere Haftung für Online-Plattformen sowie ein Engagement der österreichischen Bundesregierung auf EU-Ebene für ein rasches Verbot von PFAS in Textilien.