Wien ist teuer – das weiß jeder. Doch wer wirklich am meisten zahlt, hängt von einer ganz anderen Zahl ab.
Im direkten Städtevergleich liegt Wien unangefochten an der Spitze der Preisskala – Sarajevo bildet das günstigste Ende. Doch sobald man die lokalen Einkommen in die Betrachtung einbezieht, verschiebt sich das Bild erheblich: Ein durchschnittliches Wiener Gehalt übersteigt den errechneten monatlichen Bedarf deutlich, während es in Belgrad und Sarajevo für eine alleinlebende Person mit gemieteter Wohnung rechnerisch nicht ausreicht.
Um die Frage zu beantworten, wie viel ein Monat in einer der vier Städte tatsächlich kostet, wurde ein konkretes Vergleichsmodell herangezogen: eine alleinlebende Person, eine kleinere Wohnung außerhalb des Stadtzentrums, kein eigenes Fahrzeug und ein durchschnittlicher Lebensstil. Die Berechnung setzt sich zusammen aus der durchschnittlichen Miete für eine Zwei-Zimmer-Wohnung außerhalb des Zentrums sowie den von Numbeo ausgewiesenen monatlichen Lebenshaltungskosten ohne Miete. Nicht berücksichtigt wurden dabei private Krankenversicherung, Kinderbetreuung, Kreditraten, größere Anschaffungen oder regelmäßige Reisen.
Kaufkraft entscheidet
Der reine Preisvergleich ergibt eine eindeutige Rangfolge: Sarajevo ist am günstigsten, dahinter folgen Belgrad, Zagreb und Wien. Ausschlaggebend ist jedoch das Verhältnis zwischen Ausgaben und verfügbarem Einkommen. Auf Basis der verwendeten Vergleichsdaten beansprucht der beschriebene Monatsbedarf einer alleinlebenden Person ungefähr 64 Prozent eines durchschnittlichen Wiener Nettogehalts, 83 Prozent eines durchschnittlichen Zagreber Nettogehalts, 112 Prozent eines durchschnittlichen Belgrader Nettogehalts sowie 103 Prozent eines durchschnittlichen Sarajevoer Nettogehalts.
Wien bietet damit trotz der höchsten absoluten Preise die größte lokale Kaufkraft. Besonders gravierend ist die Situation in Belgrad: Zwar liegt die durchschnittliche Miete für eine Wohnung außerhalb des Zentrums dort rund 309 Euro unter dem Wiener Niveau, das durchschnittliche Einkommen fällt jedoch um fast 1.900 Euro geringer aus.
Eine Zwei-Zimmer-Wohnung außerhalb des Wiener Stadtzentrums kostet derzeit im Durchschnitt rund 818 Euro monatlich. Im Zentrum werden im Mittel bereits etwa 1.108 Euro fällig. Zusammen mit den übrigen Lebenshaltungskosten ergibt sich für eine alleinlebende Person ein monatlicher Gesamtbedarf von rund 1.879 Euro.
Auch bei Lebensmitteln und Restaurantbesuchen liegt Wien klar über den anderen Städten. Eine Mahlzeit in einem einfachen Restaurant schlägt mit durchschnittlich 18 Euro zu Buche, ein Cappuccino mit rund 4,67 Euro. Ein Kilogramm Hähnchenfilet kostet im Mittel 12,51 Euro, zwölf Eier 4,21 Euro und ein Kilogramm Tomaten 3,62 Euro.
Beim öffentlichen Verkehr hängt der Preis davon ab, wie lange man in Wien lebt. Das digitale 31-Tage-Ticket kostet seit Anfang 2026 65,20 Euro. Wer dauerhaft in Wien lebt und eine digitale Jahreskarte um 461 Euro kauft, kommt rechnerisch auf nur rund 38 Euro im Monat. Das von Numbeo ausgewiesene durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen liegt in Wien bei rund 2.953 Euro. Der berechnete Lebensbedarf entspricht damit ungefähr 64 Prozent dieses Einkommens.
In Zagreb beträgt die durchschnittliche Miete für eine Wohnung außerhalb des Zentrums rund 579 Euro, im Stadtzentrum steigt sie auf knapp 769 Euro. Gemeinsam mit den weiteren Ausgaben errechnet sich ein monatlicher Bedarf von ungefähr 1.404 Euro – das sind rund 475 Euro weniger als in Wien. Der Preisunterschied bei Lebensmitteln fällt jedoch geringer aus, als viele erwarten würden.
Ein Kilogramm Hähnchenfilet kostet durchschnittlich 11,18 Euro und damit nur geringfügig weniger als in Wien. Zwölf Eier werden mit rund 3,60 Euro angegeben, ein Kilogramm Käse mit knapp 13 Euro und ein Kilogramm Rindfleisch mit gut 15 Euro. Spürbarer ist der Unterschied in Restaurants und Cafés: Eine günstige Mahlzeit kostet in Zagreb im Schnitt zwölf Euro, ein Cappuccino 2,18 Euro und ein halber Liter Bier im Lokal etwa drei Euro.
Eine reguläre Monatskarte für den öffentlichen Verkehr liegt bei rund 47,78 Euro; einzelne 30-Minuten-Fahrscheine sind bereits ab 53 Cent erhältlich. Das durchschnittliche Nettoeinkommen beträgt laut derselben Datenbasis rund 1.697 Euro. Der errechnete Monatsbedarf verschlingt damit bereits rund 83 Prozent des Durchschnittsgehalts.
Belgrad und Sarajevo
Belgrad hat sich in den vergangenen Jahren merklich verteuert. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung außerhalb des Stadtzentrums kostet durchschnittlich rund 59.800 Dinar, was umgerechnet etwa 509 Euro entspricht. Im Zentrum werden im Mittel fast 86.900 Dinar beziehungsweise rund 740 Euro verlangt.
Die übrigen Lebenshaltungskosten einer alleinlebenden Person werden mit rund 82.200 Dinar beziehungsweise 700 Euro monatlich beziffert. Der Gesamtbedarf beläuft sich damit auf ungefähr 142.000 Dinar oder 1.210 Euro. Restaurants sind nach wie vor günstiger als in Wien und Zagreb: Eine Mahlzeit in einem einfachen Lokal kostet durchschnittlich 1.200 Dinar, also gut zehn Euro. Ein Cappuccino liegt bei rund 321 Dinar beziehungsweise 2,74 Euro, ein Kilogramm Hähnchenfilet bei etwa 731 Dinar oder 6,20 Euro.
Einen besonderen Vorteil bietet der öffentliche Verkehr: Busse, Straßenbahnen und Oberleitungsbusse sind in Belgrad seit dem 1. Jänner 2025 kostenlos. Das entlastet das monatliche Budget bei den Mobilitätskosten, ändert jedoch nichts an der weit größeren Belastung durch die Wohnungsmieten. Das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen wird mit rund 126.300 Dinar beziehungsweise 1.076 Euro angegeben.
Der berechnete Bedarf einer alleinlebenden Person liegt damit etwa zwölf Prozent über dem Durchschnittseinkommen. Allein die Wohnung außerhalb des Zentrums beansprucht rechnerisch rund 47 Prozent des Nettogehalts. Das erklärt auch, warum viele Menschen in Belgrad mit Partnern oder Familienmitgliedern wohnen, Eigentum aus der Familie nutzen oder deutlich weiter außerhalb nach günstigeren Wohnungen suchen müssen.
Unter den vier verglichenen Städten ist Sarajevo in absoluten Zahlen am günstigsten. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung außerhalb des Zentrums kostet durchschnittlich rund 565 KM, umgerechnet knapp 289 Euro. Im Zentrum werden etwa 838 KM beziehungsweise 428 Euro verlangt. Die übrigen monatlichen Lebenshaltungskosten werden mit etwa 1.305 KM beziehungsweise 667 Euro angegeben. Insgesamt ergibt sich damit ein monatlicher Bedarf von ungefähr 1.869 KM oder 956 Euro.
Besonders günstig ist das Essen außer Haus. Eine Mahlzeit in einem einfachen Restaurant kostet durchschnittlich 15 KM beziehungsweise 7,67 Euro, ein Cappuccino knapp vier KM oder rund zwei Euro. Auch Fleisch, Obst und Gemüse sind überwiegend günstiger als in Wien oder Zagreb. Vergleichsweise hoch können dagegen die Wohnnebenkosten ausfallen: Für Strom, Heizung, Wasser, Kühlung und Müll einer 85 Quadratmeter großen Wohnung werden durchschnittlich rund 393 KM beziehungsweise 201 Euro angegeben. Der tatsächliche Betrag hängt stark von Wohnungsgröße, Gebäudezustand, Heizform und Jahreszeit ab.
Eine einfache Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kostet aktuell 2,20 KM, eine reguläre Monatskarte durchschnittlich 60 KM beziehungsweise rund 31 Euro. Das durchschnittliche Nettoeinkommen liegt bei rund 1.820 KM oder 931 Euro. Der berechnete Monatsbedarf übersteigt das Durchschnittsgehalt damit geringfügig.
Für Personen, die ein österreichisches Gehalt, eine österreichische Pension oder ein gut dotiertes internationales Remote-Einkommen beziehen, ergibt sich eine völlig andere Rechnung: Sarajevo und Belgrad können für sie erheblich günstiger sein als Wien. Wer hingegen vor Ort arbeitet und ein lokales Durchschnittsgehalt erhält, profitiert von den niedrigeren Preisen deutlich weniger.
Die verwendeten Werte basieren auf gemeldeten Durchschnittspreisen und stellen weder ein Existenzminimum noch eine verbindliche Haushaltsrechnung dar. Mit einer Wohngemeinschaft, einer eigenen Immobilie und konsequentem Sparen sind niedrigere Ausgaben möglich. Eine zentrale Neubauwohnung, häufige Restaurantbesuche, ein Auto oder Kinder können den monatlichen Bedarf dagegen deutlich in die Höhe treiben.
Stand der Preise und Wechselkurse: 28. Juli 2026.