Wien trifft Rom: Bundespräsident Van der Bellen reiste in den Vatikan – mit einer hochrangigen Delegation und einem brisanten Gesprächsthema im Gepäck.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist am Donnerstag zu einem offiziellen Besuch im Vatikan eingetroffen und dort zu Gesprächen mit Papst Leo XIV. zusammengekommen. Der österreichischen Delegation gehörten neben Van der Bellens Ehefrau Doris Schmidauer auch Europaministerin Claudia Bauer von der ÖVP, Verkehrsminister Peter Hanke von der SPÖ sowie Angelika Ritter-Grepl, die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung, an.
Laut einer Mitteilung des Vatikans empfing Papst Leo XIV. den Bundespräsidenten am Donnerstagvormittag zunächst in einer Privataudienz. Danach traf Van der Bellen mit dem vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sowie dem päpstlichen Außenminister, Erzbischof Paul Richard Gallagher, zusammen. Im Zuge der als freundschaftlich beschriebenen Gespräche seien die engen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Österreich gewürdigt worden, heißt es in der Erklärung.
Themen der Audienz
Inhaltlich standen Migration, das Verhältnis zwischen den Religionen sowie aktuelle Konfliktherde weltweit im Mittelpunkt der Unterredungen. Dabei sei auch dem Wunsch Ausdruck verliehen worden, dass die internationale Gemeinschaft bei der Suche nach friedlichen Lösungen eine stärkere Rolle übernehmen solle. Die Präsidentschaftskanzlei in Wien hatte bereits im Vorfeld des Besuchs angekündigt, dass insbesondere die Lage im Nahen Osten einen zentralen Gesprächspunkt zwischen Van der Bellen und dem Papst bilden werde.
Für den Bundespräsidenten war es die dritte Papst-Audienz insgesamt – nach offiziellen Begegnungen mit Papst Franziskus in den Jahren 2017 und 2021 – und zugleich das erste Treffen mit dem seit nunmehr zehn Monaten amtierenden Kirchenoberhaupt Leo XIV. Van der Bellen selbst hatte noch am Mittwochabend vor Journalisten in Rom seine persönliche Haltung dazu erläutert: „Ich bin selber nicht katholisch, sondern protestantisch, aber ich schätze die Rolle des Papstes sehr.“ Päpste seien stets um Frieden in der Welt bemüht und würden nicht umsonst als Brückenbauer bezeichnet.
Kultureller Rahmen
Nach Abschluss der diplomatischen Gespräche im Apostolischen Palast besichtigte Van der Bellen den Petersdom sowie das Petrusgrab. Der Bundespräsident hält sich insgesamt zwei Tage in der italienischen Hauptstadt auf. Bereits am Mittwochabend hatte er gemeinsam mit seinem italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella die Ausstellung „Von Wien nach Rom. Meisterwerke der Habsburger aus dem Kunsthistorischen Museum“ eröffnet.
Im römischen Museo del Corso werden nach Angaben der Veranstalter erstmals in Italien mehr als 50 Meisterwerke aus den Sammlungen des Wiener Kunsthistorischen Museums gezeigt.
Die Schau umspannt vier Jahrhunderte europäischer Malerei und ist bis zum 5. Juli zu sehen.