800 Euro pro Kind und Jahr – dabei gibt es kostenlose Alternativen, die kaum jemand kennt.
Private Nachhilfe schlägt im österreichischen Familienbudget mit durchschnittlich 800 Euro pro Schulkind und Jahr zu Buche – so eine im Februar 2024 veröffentlichte Erhebung der Arbeiterkammer Salzburg. Dabei existieren zahlreiche kostenfreie Alternativen – von Lernhilfen über Ferienkurse bis hin zu digitalen Übungsplattformen, manche davon ohne jede Voranmeldung nutzbar. Das Problem: Ein Großteil dieser Angebote ist wenig bekannt, und die verfügbaren Plätze sind oft begrenzt.
Österreichweit gibt es eine Reihe von Programmen ohne Teilnahmegebühr. Während sich manche an alle Schülerinnen und Schüler einer bestimmten Stadt richten, sind andere explizit für Familien gedacht, denen die Mittel für kommerzielle Nachhilfe fehlen. Darüber hinaus stehen Lernplattformen und Ferienprogramme zur Verfügung, die einkommensunabhängig genutzt werden können.
Kostenlose Lernhilfen
Zu den umfangreichsten kostenlosen Nachhilfeprogrammen Österreichs zählt die Wiener Lernhilfe. Anspruchsberechtigt sind Kinder, die eine Wiener Volksschule, Mittelschule oder AHS-Unterstufe besuchen. In den Kursen werden die Schülerinnen und Schüler regelmäßig in Deutsch, Mathematik und Englisch begleitet.
Für Kinder, die noch am Anfang ihres Deutscherwerbs stehen, sind ergänzend „Deutsch Start“-Angebote verfügbar. Für die fixen Kurse ist eine Anmeldung durch die Eltern notwendig. Daneben betreiben ausgewählte Volkshochschulen offene Lernstationen, die Kinder während der Öffnungszeiten ohne Voranmeldung aufsuchen können, um Fragen zu Unterrichtsstoff, Hausübungen oder bevorstehenden Schularbeiten zu klären.
Für das Schuljahr 2026/27 sind diese Stationen montags bis donnerstags von 14.30 bis 17.30 Uhr geplant; die genauen Standorte werden noch bekanntgegeben. Eltern sollten zudem eine wesentliche Änderung im Blick behalten: Die bisherige Online-Lernhilfe wird ab dem Schuljahr 2026/27 eingestellt. Die Unterstützung verlagert sich künftig vollständig auf Kurse und Präsenz-Lernstationen.
Die Wiener Lerntafel wendet sich gezielt an Familien, für die kommerzielle Nachhilfe finanziell nicht in Frage kommt. Derzeit werden Volksschulkinder ab der zweiten Klasse aufgenommen. Das Programm umfasst Einzelunterricht, Hausübungsbetreuung, Kleingruppenarbeit, Leserunden sowie vereinzelt Workshops und gemeinsame Ausflüge.
Während des Schuljahres ist das Lernzentrum montags bis freitags von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Nach der Sommerpause im Juli startet die Ferienbetreuung am 1. August und läuft werktags von 10 bis 14 Uhr. Vor der Aufnahme ist ein Informationsgespräch vorgesehen, zu dem Eltern unter anderem einen Einkommensnachweis, die Bestätigung über den Bezug der Familienbeihilfe, Meldebestätigungen sowie das zuletzt ausgestellte Schulzeugnis mitbringen müssen.
Die Caritas unterhält österreichweit 75 Lerncafés, in denen sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 15 Jahren kostenlose Lernbegleitung erhalten. Pädagogische Fachkräfte und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unterstützen bei Hausübungen, Lernstoff sowie der Vorbereitung auf Tests und Schularbeiten. Darüber hinaus werden Deutsch-, Lese- und Lernkompetenzen, Selbstorganisation und soziale Fähigkeiten gezielt gefördert.
In vielen Einrichtungen ist auch eine gesunde Jause Teil des Programms. Die Nachfrage übersteigt das Platzangebot jedoch deutlich: Mit Stand Mai 2026 wurden knapp 2.000 Kinder betreut, während nahezu 1.000 weitere auf einen freien Platz warteten. Eltern sollten sich daher so früh wie möglich beim Lerncafé ihres Bundeslandes melden – und nicht erst dann, wenn eine negative Note bereits unmittelbar droht.
Auch das Österreichische Rote Kreuz stellt kostenlose Lernbegleitung bereit. Pädagoginnen und Pädagogen sowie freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten je nach Standort in Kleingruppen oder im Einzelsetting mit den Kindern. Die Angebote richten sich vorrangig an Familien, die auf kostenfreie Unterstützung angewiesen sind.
Verfügbarkeit, Altersgrenzen und Aufnahmeverfahren variieren jedoch von Bundesland zu Bundesland und von Standort zu Standort. In Wien können etwa Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 15 Jahren Hilfe bei Hausübungen und beim Lernen in Anspruch nehmen. Neben Lernclubs in mehreren Bezirken steht für Schülerinnen und Schüler ab acht Jahren auch eine digitale Lernbegleitung zur Verfügung.
Die Teilnahme muss vorab mit dem jeweiligen Standort abgestimmt werden. In Niederösterreich wiederum erfolgt die Aufnahme in manche Lernhäuser ausschließlich über eine Vermittlung durch die Schule. Eltern sollten daher auch Klassenlehrer und Schulleitung gezielt nach kostenlosen regionalen Lernprogrammen befragen.
Ein besonders aktuelles Angebot richtet sich an Wiener Kinder, die im Herbst 2026 erstmals die Volksschule besuchen und als außerordentliche Schülerinnen oder Schüler eingestuft wurden. Die Wiener Sommerdeutschkurse erstrecken sich jeweils über zwei Wochen und finden in Gruppen mit maximal zwölf Kindern statt. Deutsch wird dabei spielerisch und anhand von Alltagssituationen geübt.
Die Kurse laufen montags bis freitags von 8.30 bis 11.30 Uhr. Für den dritten Durchgang vom 10. bis 21. August 2026 ist eine Anmeldung noch bis 2. August möglich. Voraussetzung ist, dass das Kind in Wien gemeldet ist, im Herbst schulpflichtig wird und die Volksschule als außerordentlicher Schüler beginnt.
Digitale Angebote
Nicht in jedem Fall ist sofort persönliche Nachhilfe erforderlich. Wenn es lediglich an zusätzlichen Übungen oder verständlichen Erklärungen mangelt, kann die Eduthek des Bildungsministeriums eine sinnvolle erste Anlaufstelle sein. Dort stehen nach Schulstufen und Fächern geordnete Unterrichtsmaterialien und Übungsbeispiele zur Verfügung, die laut Ministerium von einem Redaktionsteam geprüft werden.
Über das ebenfalls vom Bildungsministerium bereitgestellte System eduvidual sind darüber hinaus frei zugängliche Lernstrecken, Aufgaben und offene Bildungsressourcen abrufbar. Kein Abonnement ist erforderlich, und Eltern können gezielt nach dem Thema suchen, das gerade im Unterricht behandelt wird. Bei grundlegenden Verständnisproblemen stößt die Plattform allerdings an ihre Grenzen und ersetzt keine individuelle Erklärung.
Die Lernplattform ANTON hält Übungen in Mathematik, Deutsch, Englisch, Naturwissenschaften, Geschichte, Informatik, Deutsch als Zweitsprache und weiteren Fächern bereit. Die grundlegenden Lerninhalte sind kostenlos und werbefrei nutzbar. Kinder können sowohl im Browser als auch über die App üben und erhalten unmittelbar Rückmeldungen zu ihren Antworten.
Ergänzend gibt es Kurse zur Alphabetisierung und für Deutsch als Zweitsprache sowie Übersetzungshilfen für Kinder, die noch nicht sicher auf Deutsch kommunizieren können. Eltern sollten wissen, dass bestimmte Zusatzfunktionen kostenpflichtig sind – darunter der Offline-Modus, zusätzliche Spiele und erweiterte Lernstandsberichte. Die eigentlichen Lerninhalte und Übungen bleiben laut Anbieter jedoch kostenlos zugänglich.
Lernen muss nicht zwingend klassische Nachhilfe bedeuten. Der A1 digital.campus bietet kostenlose Workshops für Kinder, Jugendliche, Eltern und Pädagoginnen und Pädagogen an. Inhaltlich stehen unter anderem Programmieren, Robotik, Technik, MINT-Themen, kreatives digitales Gestalten sowie der verantwortungsvolle Umgang mit Medien im Mittelpunkt.
Das Programm eignet sich damit besonders für Kinder, die über den regulären Schulstoff hinaus digitale Kompetenzen aufbauen möchten. Welche Workshops aktuell buchbar sind, hängt von Standort und Termin ab, weshalb Eltern das laufende Kursprogramm regelmäßig im Blick behalten sollten. Manche Angebote richten sich an einzelne Kinder, andere an Schulklassen oder Gruppen.
Während Plätze bei der klassischen Kinderuni erfahrungsgemäß rasch vergriffen sind, funktioniert die Kinderuni on Tour deutlich unkomplizierter. Kinder und Jugendliche im Alter von etwa sechs bis 14 Jahren können ohne Voranmeldung vorbeikommen und kostenlos an Experimenten und Forschungsstationen teilnehmen. Aktuell macht die Kinderuni on Tour unter anderem von 28. bis 30. Juli im Lorenz-Bayer-Park, am 31. Juli beim Wasserspielplatz Wasserturm, von 4. bis 6. August im Goethehof, von 11. bis 13. August im Olympiapark und von 18. bis 20. August in der Parkanlage Blériotgasse Station.
Weitere Termine sind bis Anfang September geplant. Im Vordergrund steht dabei nicht das Aufholen schlechter Schulnoten, sondern das Wecken von Interesse an Wissenschaft, Technik, Umwelt und Forschung. Gerade in den Ferien stellt das Angebot eine kostenfreie Alternative zu herkömmlichen Freizeitkursen dar.
Eltern sollten nicht erst dann nach Unterstützung suchen, wenn eine negative Schularbeit unmittelbar bevorsteht. Bei Caritas, Rotem Kreuz und Wiener Lerntafel sind die Plätze begrenzt, teils gelten Einkommensgrenzen oder die Schule muss das Kind aktiv vermitteln. Am unkompliziertesten zugänglich sind digitale Angebote wie Eduthek und ANTON sowie offene Veranstaltungsformate wie die Kinderuni on Tour.
Wer regelmäßige persönliche Lernbegleitung benötigt, sollte dagegen frühzeitig bei Schule, Gemeinde, Volkshochschule, Caritas oder Rotem Kreuz nachfragen. Stand der Informationen: 28. Juli 2026. Anmeldefristen, Kursorte und freie Plätze können sich kurzfristig ändern.