Als Handwerker verkleidet, mit Pistole bewaffnet – fünf Männer stehen vor Gericht, ihre Familien weinten auf den Zuschauerrängen.
Fünf Angeklagte – nahezu alle ohne Beschäftigung, ein Teil von ihnen mit erheblichen Schulden belastet – standen am Dienstag wegen schweren Raubes vor Gericht. Das Vorgehen falscher Handwerker und angeblicher Installateure ist den Behörden seit Längerem bekannt, doch diese Gruppe soll die kriminellen Methoden auf eine neue Eskalationsstufe gehoben haben. Mehrere Dutzend Familienangehörige erschienen zur Verhandlung, darunter auch Kinder – in den Zuschauerreihen flossen Tränen.
Den Beschuldigten werden nicht nur Betrugsdelikte vorgeworfen, die in separaten Verfahren behandelt werden, sondern auch schwerer Raub – ein Vorwurf, der mit empfindlichen Haftstrafen verbunden ist. Anwalts-Veteran Elmar Kresbach versuchte zunächst, eine der beiden inkriminierten Taten zu relativieren: „So einen patscherten Überfall habe ich noch nie gehabt.“ Die Verdächtigen hätten allenfalls versucht, einen älteren Mann zu überfallen, seien dann aber zurückgewichen – „für den Rücktritt vom Versuch müssten sie eigentlich Straffreiheit bekommen“, so sein Argument.
Der Verteidiger des Erstangeklagten, Michael Babic von der Kanzlei Rast/Musliu, wählte einen anderen Ansatz: Sein Mandant bereue die Tat und bekenne sich schuldig. „Ja, es gab einen Plan, aber der war nicht sehr gut“, räumte er ein.
Gescheiterter Überfall
Am 18. April verschaffte sich ein als Installateur verkleideter Komplize Zutritt zur Wohnung eines Opfers. Sein Vorhaben, die Eingangstür offenzuhalten, scheiterte – das Opfer bemerkte die Manipulation und schloss die Tür erneut ab. Kurz darauf tauchten die übrigen Männer maskiert und mit einer Pistole bewaffnet auf, gelangten jedoch nicht in die Wohnung und ergriffen schließlich die Flucht. Da die Gruppe zu diesem Zeitpunkt bereits unter polizeilicher Beobachtung stand, folgte die Festnahme kurz darauf.
Überfall auf Seniorin
Ein weiteres schweres Verbrechen wird einem 19-jährigen Mitglied der Gruppe zur Last gelegt. Gemeinsam mit einem Komplizen soll er im Dezember 2025 eine 88-jährige Frau in ihrem Haus in Langenzersdorf überfallen haben. Auch in diesem Fall diente die Verkleidung als Handwerker als Vorwand für den Zutritt. Die betagte Frau wurde anschließend überwältigt, geschlagen und mit einem Leintuch gefesselt, während sein Begleiter das Haus nach Bargeld und Wertgegenständen durchsuchte – mit nahezu keinem Ergebnis.
„Es tut ihm sehr leid“, erklärte sein Verteidiger. Sein Mandant kämpfe seit geraumer Zeit mit einer Spielsucht. Außerdem betonte der Anwalt: „Er hat das Opfer nicht geschlagen.“ Die Privatbeteiligtenvertreterin entschuldigte das damals schwer verletzte Opfer für sein Fernbleiben. „Sie hat sich von dem Vorfall bis heute nicht erholt“, sagte die Juristin. Ein Urteil steht noch aus. Die Unschuldsvermutung gilt.