Schadstoffe, Ergänzungsmängel, enttäuschende Testergebnisse – beim Kinderwagenkauf lauern mehr Fallstricke als gedacht.
Zwölf Kinderwagen hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) gemeinsam mit der deutschen Stiftung Warentest einem eingehenden Prüfverfahren unterzogen. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Lediglich vier Modelle konnten mit der Note „gut“ überzeugen, mehrere Wagen bestanden den Test nicht.
Besonders schwer wiegen die Befunde zur Schadstoffbelastung. In zwei der geprüften Fahrzeuge wurde der Weichmacher DEHP in Konzentrationen nachgewiesen, die den gesetzlich festgelegten Grenzwert überschreiten – betroffen waren ein Sitzbügel sowie ein im Lieferumfang enthaltener Wetterschutz. DEHP zählt zur Gruppe der Phthalate und steht im Verdacht, die Fortpflanzungsfähigkeit zu schädigen – in Babyartikeln ist der Stoff gesetzlich verboten.
Schadstoff-Befunde
Darüber hinaus wurden in mehreren Modellen PFAS nachgewiesen – per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, die Textilien wasser- und schmutzabweisend machen sollen. Für Kinder bestehe „durch den direkten Kontakt zwar nur ein geringes Risiko, da die Stoffe fest im Material gebunden sind“, schränkte der VKI ein. Das eigentliche Problem liege jedoch in der Umweltrelevanz: Bei Herstellung, Nutzung oder Entsorgung können diese langlebigen Industriechemikalien freigesetzt werden.
„Auch wenn von den PFAS-haltigen Materialien im Alltag keine unmittelbare Gesundheitsgefahr für Kinder ausgeht, sind solche Funde aus Umwelt- und Verbraucherschutzsicht kritisch zu sehen“, betonte VKI-Fachmann Christian Undeutsch.
Im Rahmen des Tests wurden neun Kombiwagen für ein Kind sowie drei Modelle für Zwillinge oder Geschwisterkinder unter die Lupe genommen. Neben den vier positiven Bewertungen erhielten drei Modelle ein „durchschnittlich“, eines wurde als „weniger zufriedenstellend“ eingestuft, vier weitere schnitten „nicht zufriedenstellend“ ab. Bei den Einsitzern erzielten mehrere Wagen gute Resultate, während keines der Modelle für zwei Kinder über eine durchschnittliche Gesamtbewertung hinauskam.
„Hauptgründe dafür sind Belastungen mit Schadstoffen sowie ergonomische Schwächen bei der Nutzung durch Babys und Kleinkinder“, berichteten die Konsumentenschützer am Dienstag. Einige Kinderwagen sind nach Einschätzung der Konsumentenschützer für Babys zudem nur eingeschränkt geeignet. So manche Liegewanne sei so knapp bemessen, dass größere Kinder „bereits nach wenigen Monaten mit Kopf und Füßen anstoßen“ – wenn der Wechsel in die Sitzeinheit noch nicht möglich ist, könnte eine mehrmonatige Nutzungslücke entstehen.
Auch bei den Sitzeinheiten zeigten sich Mängel: Rückenlehnen fielen teils zu kurz aus, und die Liegepositionen ließen sich nicht ausreichend flach einstellen – statt einer möglichst ebenen Ruhefläche erlauben manche Sitze lediglich eine leichte Neigung nach hinten.
Kauftipps & Gewicht
Bewertet wurde im Test auch die Handhabung für Erwachsene beim Schieben. Einige Modelle verfügen nur über einen eingeschränkten Verstellbereich oder sogar eine fixe Griffhöhe. „Der Test zeigt außerdem, dass ein hoher Preis keine Garantie für hohe Qualität ist. Einige günstige Modelle schnitten deutlich besser ab als wesentlich teurere Kinderwagen. Umgekehrt fanden sich unter den Schlusslichtern auch Produkte im oberen Preissegment“, sagte Undeutsch.
Wer einen Kinderwagen kaufen möchte, sollte auf eine ausreichend große Liegewanne achten – empfohlen werden mindestens 78 Zentimeter Länge und 35 Zentimeter Breite –, außerdem auf eine möglichst flach verstellbare Sitzeinheit, eine lange Rückenlehne, eine verstellbare Fußstütze, einen höhenverstellbaren Schieber, gute Belüftung und Sonnenschutz, ausreichenden Stauraum, passende Transportmaße sowie einen Regenschutz. Nicht zu unterschätzen ist das Gewicht: Spätestens beim Verladen ins Auto oder beim Tragen über Stufen macht es sich bemerkbar.
Die getesteten Einsitzer bewegen sich zwischen deutlich unter zehn und rund 14 Kilogramm in der Kombination, Zweisitzer bringen es teils auf knapp 23 Kilogramm.
Auch die Zuladungskapazität variiert erheblich: Während manche Modelle nur drei Kilogramm erlauben, sind andere für bis zu zehn Kilogramm ausgelegt.