Die Donau führt Niedrigwasser – und das hat Folgen, die weit über den Fluss selbst hinausreichen.
Anhaltende Trockenheit und ausbleibende Niederschläge machen sich zunehmend an den Pegelständen heimischer Gewässer bemerkbar. Besonders die Donau verzeichnet derzeit ungewöhnlich niedrige Wasserstände – mit spürbaren Folgen für den Schiffs- und Güterverkehr auf dem Fluss. Eine behördliche Sperre gibt es nach Angaben des staatlichen Wasserstraßenbetreibers viadonau zwar nicht. Dennoch ist die Situation bereits weitreichend: Die DDSG Blue Danube hat ihren Fahrplan vorübergehend auf ein eingeschränktes Angebot reduziert.
Kapitäne entscheiden
Niedrige Pegelstände zwingen Reedereien dazu, ihre Schiffe nur teilweise zu beladen oder den Betrieb auf einzelnen Strecken gänzlich auszusetzen. Die Entscheidung darüber liegt laut viadonau in der Verantwortung der jeweiligen Schiffsführerinnen und Schiffsführer. Johannes Kammerer, Flottenkommandant der DDSG Blue Danube, betont, dass sich kein pauschaler Pegelwert für alle Strecken und Schiffstypen festlegen lasse.
Entlang der österreichischen Donau – etwa in der Wachau oder östlich von Wien – seien Pegelmessstellen installiert, die als Orientierungsgrundlage dienen. „Anhand dieser Pegelwerte in Bezug auf den Tiefgang eines Schiffes kann sich der Kapitän errechnen, ob er einen bestimmten Streckenabschnitt gefahrlos befahren kann oder nicht“, so Kammerer. Auf der Homepage des Unternehmens ist derzeit ein eingeschränkter Fahrplan ausgewiesen.
Die Donau ist nicht das einzige betroffene Gewässer. Der ungewöhnlich trockene Frühling sowie der niederschlagsarme Beginn des Sommers haben auch die Zubringerflüsse der Donau in Mitleidenschaft gezogen – darunter Traun und Enns in Oberösterreich sowie die Ybbs in Niederösterreich.
Hafen Wien ausgerüstet
Für den Hafen Wien hält sich der unmittelbare Schaden trotz des gesunkenen Schiffsaufkommens in Grenzen. Die Kundennachfrage könne weiterhin gut bedient werden, teilte das Unternehmen mit. Möglich mache dies die sogenannte Trimodalität des Hafens: Fällt der Wasserweg als Transportroute teilweise aus, übernehmen Schiene oder Straße den Ausgleich.
„Die großen Logistikcenter, die österreichischen Donau-Häfen überhaupt, sind gut ausgestattet“, erklärte Dieter Pietschmann vom Hafen Wien. Sobald eine Transportmodalität nicht mehr reibungslos funktioniere, werde sie unmittelbar durch eine andere ersetzt. Konkret bedeutet das: Wegen des Niedrigwassers werden Schiffe weniger stark beladen, und insgesamt treffen weniger Frachter in den Häfen ein.
Das Schiff gelte grundsätzlich als günstigstes Transportmittel, so der Hafen Wien – ob auf Bahn oder Lkw umgestiegen werde, entscheide letztlich der Kunde je nach Dringlichkeit der Lieferung.