Viktor Orbán, Segler aus Leidenschaft: Der Fidesz-Chef gewährt seltene Einblicke – zwischen Adriabuchten und politischer Zukunft.
Nach seinem Auftritt beim alljährlichen Sommerlager in Băile Tușnad gewährte Viktor Orbán in einem Interview ungewohnt persönliche Einblicke in sein Privatleben. Der Fidesz-Vorsitzende sprach dabei über seine Begeisterung für Kroatien und erläuterte, warum er das Land am liebsten vom Wasser aus erkundet.
Zum Segeln sei er eher durch Zufall gekommen: Ein früherer ungarischer Botschafter, der auch in Kroatien im Einsatz gewesen war, habe ihm nahegelegt, dass sich die eigentliche Schönheit des Landes erst vom Meer aus erschließe. Orbán wollte sich selbst ein Bild machen – und war nach eigenen Worten auf Anhieb fasziniert.
Wildes Camping
„Kroatien ist vom Meer aus unglaublich“, erklärte der frühere Regierungschef. Seither kehrt er regelmäßig mit einem Segelboot an die Adriaküste zurück. Für opulente Großyachten kann der ehemalige ungarische Ministerpräsident dabei wenig übrig bringen – er zieht kleine Segelboote, abgeschiedene Buchten und Nächte abseits der Häfen vor.
Luxuriöse Großjachten erinnerten ihn eher an schwimmende Hotels und brächten ihre Passagiere zu weit vom Wasser weg. Er bevorzuge kleine Segelboote, deren Deck nahe an der Meeresoberfläche liege. Für Orbán ist das Segeln weniger Luxusurlaub als gelebte Einfachheit auf dem Wasser.
Meist seien lediglich drei oder vier Personen an Bord, Freunde und Familienmitglieder würden sich gelegentlich abwechseln. Sobald das Boot in einen Hafen müsse und der Bug den Beton berühre, sei der Urlaub praktisch beendet. Deshalb bleibe die Gruppe möglichst lange auf dem Wasser, ankere an Bojen oder ziehe sich in abgelegene Buchten zurück – eine Form des „wilden Campings auf dem Meer“, wie Orbán es selbst bezeichnete.
Auf seiner persönlichen Wunschliste steht offenbar eine deutlich ambitioniertere Unternehmung: Orbán würde gerne die gesamte Mittelmeerküste entlangsegeln und dabei bedeutende Stätten der griechischen und römischen Kultur vom Wasser aus anlaufen. Vorerst bleibt Kroatien jedoch das Zentrum seiner neu entdeckten Leidenschaft.
Politischer Rückzug?
Politisch denkt der 63-Jährige trotz seiner Wahlniederlage im April 2026 nicht an Rückzug. Bei der ungarischen Parlamentswahl hatte seine Partei Fidesz nach 16 Jahren an der Regierung deutlich gegen die Tisza-Partei von Péter Magyar verloren. Orbán verzichtete in der Folge auf sein Parlamentsmandat, blieb jedoch Parteivorsitzender.
Er räumte ein, den notwendigen Generationenwechsel innerhalb von Fidesz zu spät angestoßen zu haben. Er habe ursprünglich geglaubt, die Partei erst bis 2030 verjüngen zu müssen – rückblickend sei das ein Fehler gewesen. Ein endgültiger Abschied von der Politik kommt für ihn derzeit dennoch nicht infrage.
Er wolle an der Spitze von Fidesz bleiben, solange er dazu in der Lage sei und seine Ratschläge innerhalb der Partei weiterhin gefragt seien. Für die Zeit danach kann sich Orbán ein ruhigeres Leben vorstellen: Neben seiner Familie und seinen sechs Enkelkindern würde er sich gerne stärker der von ihm gegründeten Fußballakademie in Felcsút widmen.
Auch eine Tätigkeit als Universitätsdozent sei für ihn denkbar.