Bosnien-Herzegowina: Nationalisten regieren das Land

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Bosnien-Herzegowina: Nationalisten regieren das Land

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Bosnien Wahlen
Die Wahlen in Bosnien haben am Sonntag stattgefunden. (FOTO: zVg.)

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Bei den gestrigen Wahlen in Bosnien-Herzegowina hat Milorad Dodik den für die Serben reservierten Sitz im dreiköpfigen Staatspräsidium gewonnen. Er erhielt 55 Prozent der Stimmen.

Milorad Dodik setzt sich für die Abspaltung der Republika Srpksa von Bosnien-Herzegowina ein. Bei der gestrigen Wahl erhielt Dodik 55 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission unter Berufung auf Teilergebnisse erklärte. Der konservative Šefik Džaferović, der mit nationalistischen Tönen während des Wahlkampfes die Aufmerksamkeit auf sich lenkte, wird künftig die Bosniaken vertreten.

Wahlbeteiligung bei 53 Prozent
Die Kroaten des Landes werden von Željko Komšić repräsentiert, der sich gegen den Rechtsnationalisten Dragan Čović durchgesetzt hat. Während Dodik und Džaferović sich primär für die Rechte ihrer jeweiligen Ethnien einsetzen wollen, strebt Komšić die Umgestaltung des Landes in einen bürgerlichen Staat an. „Ich werde allen Bürgern dienen“, versicherte Komšić. Gewählt wurden nicht nur die drei Mitglieder des Staatspräsidiums, sondern auch das gesamtstaatliche Parlament sowie die Parlamente der beiden Landesteile, berichtet „Standard“. Nach Angaben der staatlichen Wahlkommission lag die Wahlbeteiligung bei 53 Prozent.

Kompliziertes System
„Mein Sieg ist klar wie eine Träne“, kommentierte Dodik das Wahlergebnis. Laut SDA-Chef Bakir Izetbegović habe seine Partei auf allen Fronten gesiegt. Eine genaue Erklärung lieferte Izetbegović jedoch nicht. Džaferović lag unter den bosniakischen Kandidaten mit rund 38 Prozent in Führung. Komšić sicherte sich knapp 50 Prozent der Stimmen, etwa elf Prozent mehr als sein Herausforderer Dragan Čović. Bosnien-Herzegowina wird durch ein komplexes Staatspräsidium regiert, bestehend aus je einem Mitglied der drei Staatsvölker (Muslime, Orthodoxe und Katholiken). Alle acht Monate wechseln sich die Präsidenten ab. Das System geht auf den Friedensvertrag von Dayton zurück, der den Krieg in Bosnien-Herzegowina beendete.

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