Serbien und die Ukraine – eine Verbindung, die kaum jemand kennt. Ana Brnabic rückt ein oft übersehenes Kapitel ins Licht.
Ana Brnabic, Präsidentin der Nationalversammlung Serbiens, hat in einem Interview mit dem Brüsseler Sender Euronews die Unterstützung ihres Landes für die Ukraine seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 verteidigt. Serbien habe in diesem Zeitraum mehr als 60 Millionen Euro an Hilfsleistungen bereitgestellt. „Wir waren das einzige Land am Westbalkan, das in den härtesten Wintermonaten Elektroausrüstung an die Ukraine geliefert hat – weil wir ähnliche Stromnetzsysteme haben – sowie Generatoren und Ersatzteile.“
„Selbst wenn diese am Markt nicht erhältlich waren, haben wir der Ukraine Ausrüstung aus unseren eigenen Reserven geschickt. Auf diese Weise – und viele wissen das nicht, besonders in der Europäischen Union – hat sich eine sehr enge Verbindung zwischen Serbien und der Ukraine entwickelt“, so Brnabic gegenüber dem Sender.
Diplomatische Kontakte
Darüber hinaus verwies sie auf die diplomatischen Kontakte zwischen Belgrad und Kiew. Präsident Aleksandar Vucic und sein ukrainischer Amtskollege Wolodymyr Selenskyj stünden in regelmäßigem Austausch. „Sie haben gesehen, dass die Kommunikation zwischen Präsident Vucic und Präsident Zelenski außerordentlich regelmäßig ist; sie stehen in ständigem Kontakt. Ähnlich sieht auch meine Kommunikation mit dem Präsidenten der Werchowna Rada der Ukraine, Ruslan Stefancuk, aus“, erklärte Brnabic.
Klare Absage
Besonders deutlich wurde die Parlamentspräsidentin beim Thema Russland. Serbien sei kein verlängerter Arm Moskaus, sondern ein eigenständiger Staat mit einer fast tausendjährigen Geschichte. „Wir Serben sind keine ‚kleinen Russen‘; Serbien ist ein autonomes, unabhängiges und souveränes Land.“
„Ja, traditionell haben wir gute Beziehungen zur Russischen Föderation – Russland war eines der wenigen Länder, die die NATO-Bombardierung Serbiens 1999 verurteilt haben –, und diese Verbindungen bestehen auch heute. Aber das ist keine Beziehung ohne Meinungsverschiedenheiten: Die Russische Föderation hat Serbien oft kritisiert, weil wir in den Vereinten Nationen für die Verurteilung der russischen Aggression gegen die Ukraine gestimmt haben und weil wir Kiew Hilfe und Unterstützung leisten“, sagte Brnabic.
Serbien stimmte am 2. März 2022 in der UN-Generalversammlung der Resolution A/RES/ES‑11/1 zu, die den russischen Angriff auf die Ukraine als Aggression verurteilte und den sofortigen Abzug aller russischen Streitkräfte aus der Ukraine forderte.