Nach Trumps Rückzug im Grönland-Konflikt zeigt Europa neue Stärke: Die EU investiert massiv in die Arktisregion und öffnet die Tür für das ausgesetzte US-Handelsabkommen.
Die Europäische Union verstärkt ihre strategische Position in der Arktis und reagiert mit neuer Entschlossenheit auf internationale Druckversuche. Nach dem EU-Sondergipfel in Brüssel kündigte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein umfangreiches Investitionspaket für Grönland an, das die bilateralen Beziehungen vertiefen soll. Parallel dazu streben die europäischen Staats- und Regierungschefs eine Wiederbelebung des ausgesetzten Handelsabkommens mit den Vereinigten Staaten an – nachdem US-Präsident Donald Trump von seinen Annexionsplänen für Grönland Abstand genommen hat. Die vorherige Drohung hatte das EU-Parlament zur Aussetzung der Ratifizierung des transatlantischen Handelsabkommens veranlasst und die Androhung von Gegenzöllen auf amerikanische Waren im Umfang von 93 Milliarden Euro nach sich gezogen.
Die Entscheidung Trumps, von den Zöllen abzusehen, erfolgte erst nach der Verstärkung der Militärpräsenz Dänemarks und Frankreichs auf Grönland.
Verteidigungsstrategie Arktis
Die Kommissionspräsidentin unterstrich die Notwendigkeit, die Verteidigungsausgaben der Gemeinschaft gezielt für arktistaugliche Ausrüstung einzusetzen und betonte die Bedeutung der Kooperation mit Partnern wie Großbritannien, Kanada, Norwegen und Island. EU-Ratspräsident Antonio Costa bekräftigte die Bereitschaft der Union, sich gegen jegliche Form von Nötigung zu wehren und ihre Interessen konsequent zu vertreten.
Während des Gipfeltreffens wurde zudem der Wille bekundet, das Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten voranzutreiben, wobei eine Entscheidung über dessen vorläufige Anwendung noch aussteht.
Europäische Einigkeit
Mehrere Regierungschefs äußerten ihre Zufriedenheit über den Kurswechsel Trumps im Grönland-Konflikt. Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron hoben die Wirksamkeit des geschlossenen europäischen Auftretens hervor. Macron versicherte die Bereitschaft Europas, bei erneuten Drohungen alle verfügbaren Instrumente einzusetzen.
Die militärische Abhängigkeit Europas von den USA im NATO-Rahmen bleibt jedoch ein sensibles Thema. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen machte die Grenzen im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten deutlich.
Der amerikanische Finanzminister Bessent rät den Europäern zur Zurückhaltung im Grönland-Konflikt, während das Europäische Parlament in Straßburg das Handelsabkommen suspendierte. Für die EU verlief die Woche turbulent: Nach anfänglichen Drohungen Trumps mit Strafzöllen demonstrierte Europa Handlungsfähigkeit, was schließlich zu einer Einigung in der Grönland-Frage führte – allerdings mit Belastungen für die transatlantischen Beziehungen.