Intern hat das österreichische Bundesheer Alarm geschlagen. Soldaten erhielten eine dringliche Mitteilung, in der nach Hinweisen auf 21 Personen gesucht wird, die unter diplomatischer Tarnung für russische Geheimdienste tätig gewesen sein sollen. Wie das Portal Heute berichtet, wurde das entsprechende Schreiben intern verteilt.
Emil Brix, langjähriger Direktor der Diplomatischen Akademie Wien und früherer österreichischer Botschafter in Moskau, begrüßt den härteren Kurs gegenüber russischen Vertretern. Das jahrelang praktizierte Wegschauen bei Spionageverdacht sei spätestens mit dem russischen Überfall auf die Ukraine nicht mehr vertretbar gewesen, erklärte Brix im Ö1 Morgenjournal. Der frühere Botschafter vermutet, dass es diesbezüglich „auch einen Druck aus westlichen Ländern“ gegeben habe.
Warnsignale im Detail
Gemeinsam mit der internen Warnung verschickte das Bundesheer eine detaillierte Liste jener Indikatoren, auf die Soldaten achten sollen. Das Schreiben enthält Hinweise auf mögliche nachrichtendienstliche Anwerbung und umfasst die Themenbereiche „Ansprache“, „Anbahnung“, „Kultivierung“ und „Zusammenarbeit“. Die aufgeführten Warnsignale beschreiben, wie eine Anwerbung typischerweise abläuft – schrittweise, zunächst unauffällig, und erst mit der Zeit in konkreteren Bahnen.
Zu den Anzeichen zählen unter anderem ungewöhnliches Interesse eines ausländischen Diplomaten oder Offiziers trotz stark auseinanderliegen der Stellung, zunehmende Fragen nach dienstlichen Angelegenheiten sowie der gezielte Aufbau von Vertrauen über persönliche Themen und Privates. Weitere Warnsignale sind einseitige Erreichbarkeit des Kontakts, erste harmlose Gefälligkeiten gegen kleine Geschenke sowie das Anbieten von Hilfe bei privaten Problemen zur Schaffung persönlicher Abhängigkeit.
In späteren Phasen werden Informationsaufträge konkreter, während Druck und im Extremfall Erpressung mit kompromittierenden Informationen eingesetzt werden können. Konspirative Treffen mit getrennter An- und Abreise, geheime Kommunikation über eigene Mobiltelefone oder spezielle Programme sowie ungewöhnliche Bezahlung in Bargeld oder Kryptowährungen gelten als besonders deutliche Warnzeichen. Als weiteres Indiz gilt die Übergabe des Kontakts an einen angeblichen Freund oder Kollegen.
Meldepflicht bei Verdacht
Das Muster zieht sich stets durch alle Warnsignale: Der Kontakt entwickelt sich stufenweise – von der ersten Ansprache über gezielten Vertrauensaufbau bis hin zu konkreten Informationsaufträgen und im schlimmsten Fall Erpressung. Kein einzelner dieser Punkte muss zwingend auf Spionage hindeuten, doch häufen sich mehrere Anzeichen, steigt der Verdacht erheblich.
Bei einem begründeten Verdacht sieht die vorliegende Information eine Meldung an die Meldestelle Spionage des Verteidigungsministeriums vor. Diese Meldestelle wurde im Jahr 2023 eingerichtet, um Hinweise auf nachrichtendienstliche Aktivitäten zentral erfassen und bearbeiten zu können.