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TRADITION

Café Museum: Im Kaffeehaus haben Sorgen keinen Platz

(Foto: commons.wikimedia/Loimo)

Im Café Museum haben sich früher Genies wie Gustav Klimt, Egon Schiele und Otto Wagner getroffen. Wo sich einst bekannte Schriftsteller, Maler und Komponisten austauschten, lässt sich nun gemütlich Kaffee trinken.

Das im Jahr 1899 eröffnete Café Museum zählte zum beliebten Treffpunkt von zahlreichen Berühmtheiten. Die Maler Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka, die Schriftsteller Joseph Roth, Karl Kraus, Georg Trakl, Elias Canetti, Hermann Broch, Franz Werfel, Robert Musil und Leo Perutz, die Komponisten Alban Berg, Franz Lehar und Oscar Straus sowie der Architekt Otto Wagner gaben sich hier die Klinke in die Hand.

Für die ursprüngliche Innenausstattung war der Architekt Adolf Loos verantwortlich. Er gestaltete das Café betont schlicht, was zur Zeit seiner Eröffnung als revolutionär galt. Marmortische mit Holzfüßen, Korbstühle, Glühlampenfassungen an Stromdrähten mit Glühlampen, Röhren, die sowohl als Gasleitungen als auch als Kleiderstangen genutzt wurden, sowie Spiegel zur Raumvergrößerung bildeten das Interieur.

Das Café Museum war Treffpunkt zahlreicher Berühmtheiten.
(Foto: Adisa Begic)

Nach 70 Jahren Bestand wies die Loos-Einrichtung Abnützungserscheinungen auf, weshalb der Architekt Josef Zotti mit der Neugestaltung des Cafés beauftragt wurde. Von 1930 bis 1931 gestaltete er das Café tiefgreifend um. Er installierte halbrunde Sitzlogen aus rotem Kunstleder entlang der Wände und kreierte so einen gemütlichen Wohnzimmercharakter, was im Kontrast zum bisher kühl wirkenden Innenraum stand. 2003 wurde das Café an die ursprüngliche Gestaltung von Alfred Loos umgebaut.

Martin Gartner ist Oberkellner im Café Museum. (Foto: Adisa Begic)

Diese Rekonstruktion des Kaffeehauses kam bei den Gästen jedoch nicht an. Ende 2009 musste das Café Museum geschlossen werden. „Es fehlte schlicht an Gemütlichkeit und Atmosphäre, die Gäste haben sich hier nicht mehr wohlgefühlt“, erzählt Ober, Martin Gartner.  Seit acht Jahren arbeitet er im Café. Herr Gartner fällt in seinem schwarzen Anzug mit Fliege unter seinen Kollegen auf. Einige der Kellner tragen weiße Anzüge. „Die sind noch in der Ausbildung“, erklärt Gartner. Zu seinen Aufgaben als Ober zählen neben der Aufnahme der Bestellungen, den Überblick zu Wahren und den Kontakt mit den Gästen zu pflegen.

Nach Neuübernahme und gelungenem Umbau 2010 präsentierte sich das Café Museum im neuen Licht. Bequeme rote Sofas, eine gut gefüllte Kuchenvitrine und eine große Auswahl an aktuellen Tageszeitungen. Insgesamt haben etwa 200 Gäste Platz im heutigen Kaffeehaus. Seit 2011 finden im Café Museum auch regelmäßig Kaffeehauslesungen mit Publikumsgesprächen statt, ganz in der Tradition eines Künstlertreffpunktes.

„Wenn die Gäste bei uns durch die Tür kommen, sollen sie ihre Probleme vergessen und ihren Kaffee genießen können“, sagt Gartner. Das Café Museum bietet alles was von einem traditionellen Wiener Kaffeehaus auch erwartet wird. Die große Auswahl an Kaffeevariationen erfüllt jeden (Kaffee)Wunsch: Von den Klassikern wie Mokka und Melange, über Caffe Latte und Cappuccino, bis hin zu den Spezialitäten wie Salon Einspänner, Fiaker und Überstürzter Neumann. Zusätzlich stehen auch noch heiße Schokoladen und Tees von Demmer auf der Karte. „Wir versuchen unser Angebot zu erweitern, aber jeden Trend machen wir nicht mit“, sagt Gartner.

Nach Neuübernahme und gelungenem Umbau 2010 präsentierte sich das Café Museum im neuen Licht. (Foto: Adisa Begic)

Dass die Kellner in den Wiener Kaffeehäusern unfreundlich sind, widerlegt Ober Martin Gartner. Mit seiner aufmerksamen Art, entspricht er nicht dem „grantigen“ Stereotyp. „Wir legen Wert auf Umgangsformen. Es gehört dazu die Gäste zu fragen, wie es ihnen geht. Oft sind diese überrascht und antworten nicht immer“, schmunzelt Martin Gartner. Das Publikum ist eine gute Mischung aus Touristen und Einheimischen.