Ein Delfin, ein Ball, Dutzende staunende Badegäste – und ein virales Video, das mehr als nur Begeisterung auslöst.
In Maslenica, einem kleinen Ort an der dalmatinischen Küste, sorgte ein Delfin für Aufsehen, der sich unerschrocken ans Ufer wagte und kurzerhand in eine Partie Wasserball mit Badegästen einstieg. Das Tier, das von den Einheimischen liebevoll Oliver genannt wird, schwamm direkt auf die Menschen zu, schnappte sich den Ball und spielte ihn munter zurück – zur hellen Begeisterung der Strandbesucher. Innerhalb kürzester Zeit hatten Dutzende Handys gezückt, und die Aufnahmen verbreiteten sich rasend schnell in den sozialen Netzwerken.
Die Videos zeigen eindrucksvoll, wie geschickt Oliver mit dem Ball umzugehen weiß. Sein unbekümmertes Auftreten machte ihn zum Star des Tages, und die Szenen aus Maslenica begeisterten nicht nur die Anwesenden, sondern auch Tausende Nutzer im Netz. Einheimische berichten, dass sie den Delfin schon seit Jahren in Ufernähe beobachten – seine Vertrautheit mit Menschen ist also keine neue Erscheinung.
Experten mahnen
Genau diese langjährige Gewöhnung an den Menschen dürfte der Grund sein, warum Oliver so sorglos auf Schwimmer und im Wasser treibende Gegenstände zugeht. Doch Experten mahnen zur Vorsicht: Ein solches Verhalten bedeute keineswegs, dass das Tier zahm sei. Im Gegenteil – die Annäherung wilder Tiere an Menschen birgt Risiken für beide Seiten, vor allem dann, wenn der Delfin beginnt, Badegäste oder Boote mit Futter oder Spiel zu verknüpfen.
So charmant die Szenen auch wirken mögen – Oliver ist kein dressiertes Zirkustier, sondern ein kräftiges Meeressäugetier, das jederzeit unberechenbar reagieren kann. Selbst ein gutmütiger Delfin ist körperlich so stark, dass er einen Schwimmer mit einem unbedachten Flossenschlag ernsthaft verletzen könnte. Dass diese Gefahr real ist, zeigt ein Vorfall aus Japan: Am Strand von Suishohama wurden an einem einzigen Tag vier schwimmende Personen bei Interaktionen mit Delfinen verletzt, darunter ein etwa 60 Jahre alter Mann, der durch einen Delfinrammer einen Rippenbruch und Bissverletzungen an den Händen erlitt. Besonders wenn Kinder im Wasser sind, ist erhöhte Wachsamkeit geboten, denn sie können weder schnell genug ausweichen noch die Situation richtig einschätzen.
Klare Richtlinien
Das kroatische Institut Plavi svijet, das sich dem Schutz und der Erforschung von Delfinen widmet, empfiehlt einen Mindestabstand von 50 Metern zu den Tieren – es sei denn, sie nähern sich von sich aus. Delfine sollten weder verfolgt noch berührt, gefüttert oder zum gemeinsamen Schwimmen animiert werden. Das Blue World Institute weist ausdrücklich darauf hin, dass Große Tümmler in Kroatien streng geschützte Tiere sind und jede Form der Störung – einschließlich Füttern, Berühren, Mitschwimmen oder Verfolgen – gesetzlich verboten ist.
Ähnliche Richtlinien gibt auch die amerikanische Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA heraus, die ausdrücklich davor warnt, Meeressäugetiere in freier Wildbahn zu berühren, zu füttern oder in direkten Kontakt mit ihnen zu treten.