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Die besten Jugo-Redewendungen und woher sie stammen


Bacati peglu.“ („Das Bügeleisen werfen.“)
„Das Bügeleisen wirft“ man am Balkan, wenn man sich übergibt und der Ursprung dieser Redewendung liegt in den alten Bügeleisen aus Eisen. In diese wurde heiße Kohle gefüllt, um die Bügelfläche zu erhitzen. Dies hatte jedoch den Nachteil, dass es zu starker Rauchbildung kam. Diesen Kohlerauch atmete man während des Bügelns ein und in vielen Fällen verursachte dieser starke Übelkeit, weshalb man nicht selten das Bügeleisen schnell „wegwerfen“ musste, um sich zu übergeben.

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„Neće grom u koprive.“ („Der Blitz schlägt nicht in Brennnesseln ein.“)
Dieser Satz wird vor allem verwendet, wenn die Chance, dass etwas eintrifft ziemlich gering bzw. etwas gar unwahrscheinlich ist. Woher kommt jedoch die Verbindung zwischen dem Blitz und der Brennnesseln?

Linguisten sind der Meinung, dass die Brennnesseln im mythologischen Zusammenhang mit dem slawischen Donnergott Perun stehen. Wenn früher der Blitz in die Erde eingeschlagen hat, dann brach dort nicht selten ein Feuer aus. Das Gefühl des Verbrennens ist ähnlich dem Schmerz, wenn man sich an einer Brennessel „verbrennt“, weshalb ein Blitz in diese Pflanze höchstwahrscheinlich gar nicht einschlagen wird.

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Viele verbinden mit Ekavica Serbisch, Ijekavica mit Bosnisch bzw. Kroatisch und mit der Ikavica Dalmatien. Diese Definition stimmt per se nicht, denn der Grund für die Trennung der Aussprachen geht auf das Altkirchenslawische zurück.


„Obrao si bostan.“ („Du hast eine Wassermelone gepflückt.“)
Diese Phrase verwenden wir, wenn jemand etwas Schlimmes erlebt, fehschlägt oder gar verunglückt. Auf den ersten Blick wirkt diese Redewendung komplett unlogisch, was jedoch daran liegt, dass man früher „Obrao si zelen bostan“ („Du hast eine grüne Wassermelone gepflückt“) gesagt hat.

Damit ist es klar, dass es sich um eine unreife Frucht handelt. Wenn also jemand eine unreife Melone pflückt, so macht er etwas nicht so, wie man es allgemein für richtig hält, weshalb dieser Mensch oftmals auch nicht gut davon kommt.

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Der gebürtige Wiener hatte seine ersten Berührungspunkte mit Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien bereits im Teenageralter. Ihre Sprache faszinierte ihn sehr schnell und die Liebe zum Balkan führte ihn bis zum Abschluss des Studiums der Slawistik (B/K/S). Heute ist er ein hervorragender Kenner der Balkangeschichte, der südslawischen Sprachen sowie der kleinsten kulturellen Nuancen der bosnischen, kroatischen und serbischen Dialekte. Mit einem kritischen Blick auf dem Balkan, schreibt er seine Texte aus einer besonderen, transslawischen, internationalen Perspektive, und seine Kritik lässt niemanden unberührt.