Die Karierten und der Faschist: Vom WM-Sieger der Herzen zum Negativbeispiel

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Die Karierten und der Faschist: Vom WM-Sieger der Herzen zum Negativbeispiel

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Links posiert Rakitić mit seinem "König" Thompson und rechts feiert die Nationalmannschaft ihre Rückkehr nach Kroatien - sind diese beiden Bilder überhaupt vereinbar? (FOTO: Instagram-Screenshot, Željko Grgić/Pixsell)

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Es hätte die Feier des Jahrzehnts sein sollen. Die Atmosphäre im Bus, mit welchem die kroatische Nationalmannschaft durch die Straßen Zagrebs fuhr, war feucht fröhlich und alle waren glücklich.

Die ganze Nation befand sich spätestens nach den Finalspielen der „Feuerigen“ im Ausnahmezustand und extremen Fußballfieber. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich mehr als 120.000 Menschen sich am Trg bana Jelačića, dem Hauptplatz der kroatischen Hauptstadt versammelten, um ihre WM-Helden zu feiern. Insgesamt 550.000 Menschen sollen lt. kroatischer Polizei an den Feierlichkeiten in Zagreb und Velika Gorica, wo sich der Flughafen befindet, teilgenommen haben.

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Das WM-Spiel zwischen Serbien und der Schweiz hat mal wieder die dunklen Seiten der Balkancommunity in der Diaspora ans Tageslicht gebracht. Ein Verhalten, dass einfach nicht tolerierbar ist.

Alles war perfekt und genau so wie man sich die Feier anlässlich der Rückkehr der kroatischen Spieler vorgestellt hätte – wenn da einer der wohl umstrittensten Sänger des Balkans seinen Auftritt gehabt hätte. Dieser schockte nicht nur regionale, sondern auch internationale Medien wie den britischen „Guardian“. Auch Krešo Beljak, dem Vorsitzenden der Kroatischen Bauernpartei (HSS) stieß Thompson in Verbindung mit der großen Feier übel auf: „Dieser faschistische Müll muss mir den Tag verderben….aber er wird es nicht.“ Danach folgen Worte, die ich persönlich nicht unbedingt so schreiben würde, aber das ist wieder ein anderes Thema.

Modrić und Co luden Thompson ein
Bereits im Vorfeld wurde darüber berichtet, dass die kroatischen Kicker, allen voran Luka Modrić, sowie Trainer Zlatko Dalić den Wunsch äußerten, dass Marko Perković Thompson bei der Feier in Zagreb ein paar Lieder für die Nationalteamspieler trällert, zu welchen sie ihre Siege bei der WM in Russland feierten.

Die Politik stellte sich zuerst quer und wollte den Auftritt des umstrittenen Sängers bei dieser Feier nicht erlauben. Dann gestern doch die Wende, Thompsons Manager, Denis Pletikosa meldete sich zu Wort: „Thompson wird an der Feier anlässlich der Rückkehr der ‚Feurigen‘ teilnehmen und singen. Es war der Wunsch der kroatischen Fußballer, dass er sie empfängt. Die Organisatoren haben ihn nicht eingeladen und in das Programm für den großen Empfang eingeplant. Allerdings hat der HSN (kroatische Fußballverband – Anm.d.Red.) Druck ausgeübt und den Auftritt ermöglicht.“

Auch wenn diese Nachricht nicht bereits im Vorfeld öffentlich gemacht worden wäre, so wäre Marko Perković Thompsons Anwesenheit im Partybus der „Feurigen“ mit Sicherheit nicht unbemerkt geblieben. Vor allem nachdem einige der Kicker Erinnerungsfotos mit dem Sänger machten und diese auf ihren Social Media-Profilen veröffentlichten.

Nationalismus in der WM-Garderobe
Bereits während der WM sorgten die kroatischen Kicker mit Videos von ihren Siegesfeiern für Furore. So tauchte unter anderem ein Video von Dejan Lovren und Šime Vršaljko auf, in welchem sie Lauthals „Bojna čavoglave“ (Bataillon Čavoglave) von Thompson trällerten.

Abgesehen von der Tatsache, dass der Song mit dem faschistischen Ustascha-Gruß „Za dom – spremni“ (Für die Heimat – bereit) beginnt, so sieht man im Video „nur“ wie die zwei Kicker die Textzeile „Za dom braćo, za slobodu, borimo se mi.“ („Brüder, für die Heimat, für die Freiheit, kämpfen wir“). Weiter geht es im Text mit Drohungen gegen Serben: „Hört ihr serbischen Freischärler, ihr Tschetnik-Banden, Unsere Hand erreicht euch noch in Serbien!“

Das ist übrigens nicht das einzige nationalistische Lied von Thompson, dass gerne unter kroatischen Kickern und den Fans geträllert wird. Nationalistisch ist vielleicht sogar zu gelinde ausgedrückt, eigentlich müsste man revisionistisch und faschistisch zu diesem Schund sagen, den dieser Sänger bisher so produzierte…

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Nach gestrigen WM-Finale gewann der gebürtige Linzer Mateo Kovačić mit dieser Geste nicht nur die Herzen aller Fußballfans in Österreich, sondern der gesamten Welt.

Ob das wohl ein gutes Beispiel für die kroatische Jugend ist, die unbestritten ein Problem mit Nationalismus hat? Wohl eher nicht, aber was solls – es ist der Balkan, dort ist anscheinend alles erlaubt…

Rakitić spuckt Đoković direkt ins Gesicht
Der „Đoker“ bekannte sich nach dem Ausscheiden Serbiens bei der WM dazu, dass er nun die kroatische Nationalelf unterstützt. Aus den eigenen Reihen hagelte es heftige Kritik gegen den Tennisstar. Vladimir Đukanović, von der Serbischen Fortschrittspartei (SNS) twitterte: „Nur Idioten können Kroatien unterstützen. Novak schäme dich!“ (KOSMO berichtete)

Ivan Rakitić reagierte auf die negativen Worte innerhalb Serbiens und sagte über Đoković: „Hut ab vor ihm. Ich bin für ihn in Wimbledon. Ich würde gerne sehen, dass er am Sonntag das Finale spielt, damit wir beide ein großartiges Spiel haben können, und ich würde ihn gerne gewinnen sehen. In erster Linie, sind wir Menschen. Und wir müssen versuchen, die Geschichte hinter uns zu bringen“, betonte Rakitić.

Stigo je kralj..!?? jedan jedini.!!! Idemo hrvatska ??

Ein Beitrag geteilt von Ivan Rakitic (@ivanrakitic) am

Und dann, was kommt dann? Der liebe Ivan, der in der Schweiz als Sohn einer Migrantenfamilien geboren und aufgewachsen, dessen Mutter aus Bosnien-Herzegowina, einem multi-ethnischen Staat stammt, postet ein Bild zusammen mit dem Ustascha-Sänger. Dem nicht genug, kommentierte der darunter: „Der König ist da…!?? der einzig Wahre.!!! Gemma Kroatien ??.“

Bravo du Vollhorst, damit hast du genau jenen serbischen Stimmen, die Đoković für seine sportliche Geste rügten, eigentlich nur Recht gegeben. Und nicht nur das. Du hast damit auch gezeigt, dass der „Versuch, die Geschichte hinter sich zu bringen“ nichts als nur leere Worte sind.

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Die kroatische Nationalelf musste beim gestrigen Halbfinale gegen England bereits in der 5. Minute ein Gegentor verkraften. Voller Motivation und Kampfgeist zogen sich die „Feurigen“ hoch und glichen in der 68. Minute, mit einem Tor durch Perišić, aus.

Und was bleibt unterm Strich?
Damit hat der Balkan mal wieder bewiesen, dass viele dort einfach nicht begreifen, wie weitreichend und negativ solche Aktionen für das gesamte Image des Landes Kroatien bzw. die gesamte Region sind.

Anstatt, dass man nach einer erfolgreichen WM, bei der man als Außenseiter bis ins Finale kam und zum Sieger der Herzen gekürt wurde, diese gebührend und skandallos feiert und somit ein noch positiveres Bild von Kroatien in die Welt schickt, lädt man Faschisten zur Feier ein.

Bravo Hrvati, oder soll ich besser sagen karierte Negativbeispiele? Ihr habt es mal wieder geschafft aus einer schönen Sache einen Haufen S***ße zu machen….

Bilder und Videos von der großen Party in Zagreb findet ihr auf der zweiten Seite!

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