Ein Name, der provoziert – und seit 35 Jahren begeistert. Die Wiener Tschuschenkapelle bringt den Rathausplatz zum Klingen.
Beim Wienliebe Festival am Wiener Rathausplatz dreht sich nicht alles um Austropop und Musical. Am Montag sorgt die Wiener Tschuschenkapelle für einen musikalischen Akzent, der das vielgesichtige Wien in den Vordergrund rückt.
Seit über 35 Jahren versteht sich die Wiener Tschuschenkapelle als klingende Verbindung zwischen unterschiedlichen Kulturen. Ins Leben gerufen wurde die Formation 1989 von Slavko Ninic. Der bewusst provokante Name war von Beginn an mehr als eine bloße Geste: Er greift ein abwertendes Wort auf, kehrt dessen Bedeutung um und formt daraus eine selbstbewusste kulturelle Aussage.
Aus der Beleidigung wird Bühne, Musik, Schmäh – und ein genuines Stück Wiener Identität. Das Wienliebe Festival findet von 23. bis 25. Mai 2026 am Wiener Rathausplatz statt. Auf dem Programm stehen bekannte Namen wie Wolfgang Ambros, Monti Beton mit Johann K., Musicalstars der Vereinigten Bühnen Wien sowie junge Wiener Musikerinnen und Musiker.
Wiener Kultformation
Unter dem Titel „Von Wien nach Sarajevo und zurück“ spannt die Wiener Tschuschenkapelle einen musikalischen Bogen vom klassischen Wienerlied über griechischen Rembetiko bis zur bosnischen Sevdalinka. Hinzu kommen G’stanzln aus Slawonien und weitere Einflüsse aus dem südosteuropäischen Raum. Genau darin liegt die eigentliche Stärke dieser Band: Sie liefert keine folkloristische Postkarte vom Balkan, sondern bildet eine gewachsene Wiener Wirklichkeit ab.
Beim diesjährigen Wienliebe Festival tritt die Kultformation am Montag, dem 25. Mai 2026, von 17.00 bis 17.45 Uhr auf der Wienerlied-Bühne auf – bei freiem Eintritt und mitten im Herzen der Stadt. Musikalisch bewegt sich die Gruppe zwischen Balkanrhythmen, orientalischen Melodien, Wiener Liedtradition und feinem Humor. Ihre Auftritte leben nicht nur von Virtuosität, sondern auch von Kommentaren, Pointen und jener direkten Publikumsnähe, die in Wien genauso daheim ist wie am Balkan.
Mehr als Musik
Für viele Menschen aus der Ex-Yu-Community ist die Tschuschenkapelle deshalb weit mehr als eine Band. Sie verkörpert ein Lebensgefühl, das zahlreiche Menschen in Wien kennen: Man ist hier angekommen und zu Hause, trägt aber Geschichten, Sprachen und Melodien aus anderen Regionen in sich.
Während Wolfgang Ambros am Samstagabend den Wiener Rathausplatz mit Austropop-Klassikern füllen wird, setzt die Wiener Tschuschenkapelle am Montag einen anderen, ebenso wichtigen Akzent. Sie zeigt Wien als Stadt der kulturellen Überschneidungen – nicht als künstliches Integrationssymbol, sondern als lebendige musikalische Tatsache.
Zum aktuellen Ensemble gehören Slavko Ninic, Miroslav Jankech, Johanna Kugler, Maria Petrova und Jovan Torbica.