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COVID-19

„Dramatische Entwicklung“: Anschober richtet „flammenden Appell“ an Bürger

(FOTO: BKA/Dragan Tatic)

Gesundheitsminister Anschober zog im Rahmen der wöchentlichen Ampel-Pressekonferenz eine erste Bilanz nach dem Lockdown und gab Prognosen für die kommenden Wochen.

Die Gesamtlage sei in Europa eine dramatische, betonte Anschober. Europa befinde sich in der Akutkrise und verzeichnete weltweit die höchsten Anstiege an Neuinfektionen. „Wir haben ein Land, dass vergleichsweise gut unterwegs ist. Das ist unser Nachbar Deutschland. Am dramatischsten ist die Situation ist Frankreich“, erklärte der Gesundheitsminister.

„Dramatische Entwicklung in Österreich“„Die zweite Welle ist gewaltiger und dynamischer“, betonte Anschober und bezeichnete die Entwicklung in Österreich als dramatisch. In den vergangenen 24 Stunden wurden 6.464 Neuinfektionen gemeldet. Etwas mehr als eintausend Fälle weniger als gestern. „Der gestrige Höchstwert geht zum Teil auch auf Nachmeldungen aus den Bundesländern zurück“, fügte der Gesundheitsminister hinzu.

Deutliche Zuwächse gibt es auch bei den Todeszahlen. „Bisher haben wir in Österreich vergleichsweise wenig Todesfälle gehabt“, so der Gesundheitsminister. Insgesamt verstarben in Österreich 1.340 Personen mit dem Coronavirus. Gestern wurde ein Zuwachs von 41 Todesfällen verzeichnet.

Auch bei den Intensivbetten gehe der Trend nach oben. Derzeit seien 421 Intensivbetten belegt, ein Plus von 14 im Gegensatz zum Vortag. In den letzten sieben Tagen stieg die Anzahl an Covid-Patienten, die einer intensivmedizinischen Behandlung bedürfen, um 64 Prozent. „Wir wissen, wenn dieser Trend so anhält, dann würden wir uns in der zweiten Novemberhälfte in Richtung Kapazitätsgrenzen bewegen“, warnte Anschober.

„Triage-Situation unbedingt verhindern“
Bezüglich einer Bilanz über den Lockdown erklärte Anschober, dass man erst nach rund 10 Tagen etwas über die Wirksamkeit sagen könnte. „Ich möchte die Gelegenheit nützen, einen flammenden Appel an die Bürger zu richten“, fügte er hinzu. Wenn wir die Situation nicht unter Kontrolle bekommen, würde es zu Triage-Situation kommen.

Dies bedeutet, dass Ärzte aufgrund einer Überbelastung auswählen müssen, welche Patienten wie behandelt werden. „Wir wollen alles tun, um das zu verhindern und dazu brauchen wir die Bevölkerung“, betonte Anschober und appellierte, den Schutz wieder an die erste Stelle zu stellen.

Nur noch ein Drittel der Fälle nachvollziehbar
Die Sprecherin der Corona-Kommission Daniela Schmied erklärte, dass in der Siebentages-Inzidenz eine „relevante Steigerung“ zu sehen ist. Während man in der Kalenderwoche 39 jeden zweiten Infektionsfall nachverfolgen konnte, so sei dies nur noch in einem Drittel der Fälle möglich. Die Ages setzte nun alle daran, diesen Wert wieder zu erhöhen. Auch der Altersdurchschnitt nimmt zu. Derzeit liegt dieser bei 43 Jahren.

Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich, erinnerte daran, dass von 100 Personen eine so schwer erkrankt, dass sie auf einer Intensivstation behandelt werden müssen. Sechs weitere müssen auf einer Normalstation versorgt werden. Covid-Intensivpatienten werden durchschnittlich 12,6 Tage behandelt. Auf den Normalstationen beläuft sich diese Zahl auf 10,4 Tage. Mitte November wird ein Belag von 3.500 Patienten im Spital prognostiziert. 750 Personen werden in Intensivstationen prognostiziert.

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