Gefesselt, geknebelt und in einem Sumpfgebiet entsorgt – das Schicksal der 18-jährigen Ryan Al Najjar erschüttert die Niederlande. Ihre Brüder stehen vor Gericht.
Ryan Al Najjar, eine 18-jährige Teenagerin, wurde in den Niederlanden Opfer eines mutmaßlichen Ehrenmordes. Ihre Brüder Mohamed und Muhanad Al Najjar müssen sich nun vor Gericht verantworten, während ihr Vater Khaled, der als Auftraggeber des Mordes gilt, nach Syrien geflohen ist. Die Staatsanwaltschaft stuft den Fall als Ehrenmord ein – Ryan hatte einen Freund und lebte nach westlichen Werten, was ihre Familie als Schande betrachtete.
Am 22. Mai 2024 verschwand die junge Frau aus dem Familienhaus in Joure. Sechs Tage später entdeckten Ermittler ihre Leiche in einem Sumpfgebiet bei Lelystad, etwa 40 Kilometer nordöstlich von Amsterdam. Der Leichnam wies deutliche Spuren von Gewalt auf: Ryan war geknebelt worden, ihre Hände auf dem Rücken gefesselt, die Fußgelenke mit Klebeband fixiert. DNA-Spuren ihres Vaters unter ihren Fingernägeln deuten darauf hin, dass sie sich verzweifelt gewehrt hatte.
Prozess und Verantwortung
Die angeklagten Brüder streiten im laufenden Prozess jede Beteiligung ab und behaupten, ihr Vater habe allein gehandelt. Khaled selbst übernahm in E-Mails an die niederländische Tageszeitung De Telegraaf die Verantwortung – eine Version, welche die Staatsanwaltschaft für unglaubwürdig hält. Nach Überzeugung der Anklagebehörde habe Khaled seinen Söhnen befohlen, Ryan abzuholen und ins Wasser zu werfen, im vollen Bewusstsein, dass sie dabei sterben würde.
Besonders brisant: Vor ihrem Tod stand Ryan unter polizeilicher Beobachtung und erhielt Schutzmaßnahmen, die jedoch kurz vor dem Mord eingestellt wurden. Die Gründe für diese folgenschwere Entscheidung wurden bislang nicht öffentlich gemacht. Die Brüder wurden kurz nach dem Fund der Leiche festgenommen und befinden sich seither in Untersuchungshaft.
Flucht nach Syrien
Der mutmaßliche Haupttäter Khaled soll sich mittlerweile in Nordsyrien aufhalten und hat seit der Tat erneut geheiratet. Das Justizministerium erklärte, dass eine Auslieferung derzeit nicht möglich sei, da die strafrechtliche Zusammenarbeit mit Syrien nicht funktioniere. Die syrischen Behörden bestreiten diese Darstellung und behaupten, ihr Justizsystem sei wieder voll funktionsfähig.
Der Fall Ryan Al Najjar reiht sich ein in eine beunruhigende Entwicklung von Ehrenmorden in Europa. Experten verzeichnen in den vergangenen Jahrzehnten einen Anstieg solcher Verbrechen. Ähnliche Fälle aus Italien, Schweden und Deutschland verdeutlichen die kulturellen Konflikte und rechtlichen Herausforderungen im Umgang mit dieser Form geschlechtsspezifischer Gewalt.
Ähnliche Fälle aus Italien, Schweden und Deutschland verdeutlichen die kulturellen Konflikte und rechtlichen Herausforderungen im Umgang mit dieser Form geschlechtsspezifischer Gewalt.
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