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Universitätsskandal

Einladung von Ex-Al-Kaida-Mitglied sorgt für Kritik an Uni Wien

Einladung von Ex-Al-Kaida-Mitglied sorgt für Kritik an Uni Wien
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Ein Vortrag an der Uni Wien entfacht einen politischen Sturm – im Zentrum: ein Mann, dessen Geschichte Terrorverdacht, Folter und Freispruch vereint.

Die Österreichische Hochschüler_innenschaft der Universität Wien hat den mauretanischen Autor und Ex-Guantanamo-Häftling Mohamedou Ould Slahi zu einem Vortrag eingeladen. Slahi gilt als ehemaliges mutmaßliches Mitglied der Terrororganisation Al-Kaida, wurde jedoch später von einem Untersuchungsgremium entlastet. Die Einladung sorgt in der österreichischen Innenpolitik für scharfe Reaktionen: Sowohl FPÖ als auch ÖVP üben heftige Kritik an der ÖH Wien und fordern Konsequenzen.

„Es ist ein unfassbarer Skandal, dass ausgerechnet an einer österreichischen Universität einem Mann eine Bühne geboten werden soll, der selbst Verbindungen zur Terrororganisation Al-Kaida hatte. Die Bundesregierung möge ein Einreiseverbot verhängen“, forderte der Wiener FPÖ-Landtagsabgeordnete Leo Lugner. Die FPÖ kündigte zudem parlamentarische Anfragen an.

Harald Zierfuß, Obmann des ÖVP-Rathausklubs Wien, warf der ÖH Wien vor, einer „linken Agenda“ zu folgen, indem sie „Terroristen zum Dialog einlädt“ statt „echte Vertretungsarbeit für Studenten zu leisten“. Ähnlich positionierte sich die ÖVP-nahe Studierendenvertretung Aktionsgemeinschaft: „Wer ehemaligen Al-Kaida-Mitgliedern eine Bühne bietet und das als Menschenrechtsdiskurs verkauft, hat den politischen und moralischen Kompass verloren“, erklärte AG-Bundesobmann Laurin Weninger.

Die ÖH der Universität Wien erklärte, die Veranstaltung solle sich mit Menschenrechten und dem „War on Terror“ befassen und bedeute nicht, biografische Aspekte einzelner Personen unkritisch zu übernehmen.

Slahis Vergangenheit

Für Slahi ist es nicht der erste Auftritt in Österreich: Bereits vor rund zwei Jahren trat er in Graz auf. Sein Buch wurde unter dem Titel „Der Mauretanier“ verfilmt. Wie der „Standard“ über seine persönliche Geschichte berichtete, reiste Slahi 1990 von Deutschland nach Afghanistan, leistete dort Al-Kaida den Treueschwur, absolvierte eine Ausbildung in einem Al-Kaida-Camp und kämpfte bis 1992 im Jihad gegen den damaligen kommunistischen Präsidenten Mohammad Najibullah.

US-Behörden sahen in Slahi eine Person mit direkten Verbindungen zu Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden: Er soll mit dessen Cousin telefoniert haben, der dafür bin Ladens Telefon genutzt haben soll. Die amerikanische Seite vermutete zudem, dass Slahi die Terrororganisation bis ins Jahr 2001 weiter unterstützt habe – was er selbst stets bestritt. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde er in Mauretanien festgenommen und in das Gefangenenlager Guantanamo überstellt, wo er von 2002 bis 2016 ohne formelle Anklage inhaftiert blieb. In seinem Guantanamo-Tagebuch dokumentierte Slahi, dass er während dieser Zeit gefoltert wurde.

Freilassung & Gegenwart

Ein US-Bundesrichter ordnete 2010 seine Freilassung an, doch die US-Regierung legte Einspruch ein, sodass die Entscheidung nie rechtskräftig wurde. Erst eine Untersuchungskommission empfahl später seine Entlassung und bescheinigte ihm eine Entlastung – 2016 wurde er schließlich freigelassen.

Heute lebt Slahi als Schriftsteller in den Niederlanden. Gegen eine Einreisesperre nach Deutschland geht er juristisch vor: Diese geht auf einen Sozialbetrugsfall zurück, in dem er 1999 zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde, weil er zu Unrecht Sozialleistungen bezogen haben soll.

Ende 2000 wurde er aus Deutschland ausgewiesen.

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KO KOSMO-Redaktion
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