Eine fast 100-jährige Frau, einbetoniert im Keller – und jahrelang glaubte die Nachbarschaft, sie lebe in Wien.
Der mysteriöse Fund einer einbetonierten Frauenleiche in einem Wohnhaus in Münchendorf im Bezirk Mödling beschäftigt die Ermittler weiterhin. Spürhunde hatten die stark verweste Leiche hinter einer Mauer am Kellerabgang aufgespürt. Angesichts des Zustands der Leiche und der Umstände des Funds gehen die Behörden davon aus, dass die Pensionistin bereits seit mehreren Jahren tot sein könnte.
Entdeckt worden war die Tote am 28. Mai in einem Haus im Bezirk Mödling. Bei der Verstorbenen handelt es sich offenbar um eine Pensionistin, die in Kürze ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte. Zur Notöffnung der Tür Ende Mai kam es, nachdem ein Angehöriger der Frau anlässlich des bevorstehenden runden Geburtstags gratulieren wollte. Da auf sein Klingeln niemand reagierte, wandte er sich an die Polizei.
Neue Details
Nun sind neue Details bekannt geworden, die erklären könnten, warum über Jahre hinweg offenbar niemand Verdacht schöpfte. Laut einem Nachbarn sei der Sohn der Frau regelmäßig am Grundstück erschienen – er habe den Garten in Schuss gehalten und den Rasen gemäht, zitiert ihn die „Bild“. Das Anwesen wirkte dadurch nach außen hin gepflegt und bewohnt.
Besonders ins Auge sticht dabei eine Aussage, die der Nachbar laut „Bild“ tätigte: „Ich habe sie vor sechs Jahren zum letzten Mal gesehen. Ihr Sohn kam immer ein- bis zweimal im Monat vorbei und hat den Rasen gemäht.“ Und weiter: „Er erzählte, dass sie im Pflegeheim in Wien lebt.“
Genau diese Aussage könnte für die Ermittler von erheblicher Bedeutung sein. Wenn das Umfeld der Frau tatsächlich davon ausging, dass sie in einer Wiener Pflegeeinrichtung betreut wird, ließe sich damit erklären, weshalb ihr langes Fehlen in Münchendorf niemandem aufgefallen war.
Ihren Hauptwohnsitz hatte die Frau in Wien, in Münchendorf war sie lediglich mit einem Nebenwohnsitz gemeldet. Für die Gemeinde war sie damit keine ständig präsente Person. Auch Bürgermeisterin Doris Kirstorfer kannte sie nicht persönlich. Im Gespräch mit „Heute“ zeigte sie sich dennoch betroffen: „Es ist bedauerlich. So ein Fund ist nichts Alltägliches.“
Sohn gesucht
Dem Dorfgespräch zufolge soll der Sohn Münchendorf bereits vor einiger Zeit verlassen haben und möglicherweise im Ausland leben. „Ihr Sohn hat früher im Ort sehr zurückgezogen gelebt“, heißt es beim örtlichen Wirtshaus.
Jener Nachbar gab laut „Bild“ an, den Sohn der Verstorbenen seit rund zwei Wochen nicht mehr gesehen zu haben. Medienberichten zufolge sucht die Polizei ihn nun im Ausland. Er gilt als zentrale Auskunftsperson – von einem Gespräch mit ihm erhoffen sich die Ermittler wesentliche Informationen über das Leben der Frau und die Umstände der vergangenen Jahre bis zum Fund.
Ungeklärt ist nach wie vor, wann und auf welche Weise die Frau ums Leben kam und wer sie in die Mauer einbetoniert hatte. Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen. Gleichzeitig besteht der Verdacht auf Sozialleistungsbetrug: Es könnte sein, dass der Tod der Pensionistin gezielt verschwiegen wurde, um ihre Pension sowie mögliche weitere Leistungen wie Pflegegeld weiterhin beziehen zu können.