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BEZIEHUNGSKOLUMNE

Erster Nicht-Jugo-Freund: „Ich habe mich noch nie so akzeptiert gefühlt“

Symbolbild (FOTO: iStockphoto)

Šejla Ahmatović schriebt für die „FAZ“ eine Beziehungskolumne über ihren ersten deutschen Freund, mit dem sie seit vier Monaten zusammen ist.

In der Einleitung des Artikels ist zu lesen, dass die Autorin sowohl Deutsche als auch Serbin ist und sich immer dachte, dass ihr Zukünftiger ihre Balkanwurzeln teilen wird. Dann sei jedoch alles anders gekommen. „Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Manchmal sehe ich mich als Deutsche, manchmal als Serbin, manchmal als irgendetwas dazwischen“, beginnt Ahmatović ihre Kolumne.

Eigene Wertvorstellungen vs. Eltern
Ihre Kindheit sei sehr stark von den serbischen Wertvorstellungen ihrer Eltern geprägt worden. Es sei oft darum gegangen, welche Vorstellungen Šejlas Mutter und Vater von ihrem Leben haben und weniger darum, wie sie sich selbst ihre Zukunft vorstellt.

„Sie haben nie zu den strengsten Eltern gezählt, aber ich wusste immer, was man von mir erwartet: gute Schulnoten, ein abgeschlossenes Studium und irgendwann eine Familie. Vorzugsweise sollte ich Juristin werden. Und: jemanden aus meinem Kulturkreis heiraten. Nun bin ich auf dem besten Wege, beide Wünsche nicht zu erfüllen.“

Die Autorin gibt zu, dass es Jahre gedauert habe, bis sie es geschafft hat zu verstehen, dass es okay ist, das Leben nach den eigenen Wünschen zu gestalten. „Was für manche Leute ganz logisch zu sein scheint, war besonders für meine Mutter ‚typisch Deutsch‘ – und damit etwas, das ich nicht war.“

Eltern: „Männer wird es immer geben“
Vor allem dem Thema Dating und Beziehungen im jungen Alter waren Ahmetovićs Eltern nicht besonders wohlgesinnt. Während sich ihre Freunde zum ersten Mal verliebten und auf Verabredungen gingen, soll es im Elternhaus der Autorin nur Sätze, wie „Du bist zu jung für einen festen Freund, Männer wird es immer geben“, oder auch: „Ich arbeite doch nicht so hart, damit du die Schule wegen eines Jungen vernachlässigst“, zu hören gegeben haben. Was für Mutter und Vater jedoch immer feststand: Er sollte aus dem ehemaligen Jugoslawien.

Minuspunkt: Kein Jugo
Diese Wertevorstellungen der Eltern haben Ahmetovićs weiteres Liebesleben später sehr stark geprägt. „Auch später, als ich älter wurde und mehr Dates hatte, war es für mich instinktiv ein Minuspunkt, wenn der andere kein ‚Jugo‘ war.“ Sie selbst betont jedoch, dass sie nie jemanden ablehnen würde, nur weil er keine Balkan-Wurzeln hat. Dennoch hätten sich immer wieder Zweifel in ihr gemeldet, die regelrecht an ihr nagten.

„Kann der andere mich richtig verstehen, mit all meinen Eigenarten und Einstellungen, die zweifelsohne einer strengeren, andersartigen Erziehung geschuldet sind? Wie kommuniziert er mit meiner Familie, die nicht in Deutschland wohnt und oft auch kein oder wenig Englisch spricht?“ Und dann ist es passiert, sie hat sich in einen Deutschen verliebt.

4 Monate mit Deutschem zusammen
Die Autorin ist nun zum ersten Mal mit einem Deutschen ohne Migrationshintergrund zusammen. Allerdings stellte sich heraus, dass nicht nur ihre, sondern auch seine Erwartungen oft zu Problemen führen. „Wann ich denn seine Familie kennen lernen wollen würde? Er fragte das sehr früh. Das überforderte mich. ‚Bei uns macht man das nicht so schnell‘, war mein erster Gedanke.“

Die Beziehung läuft nun bereits seit vier Monaten und Ahmetović schreibt, dass „sie sich wohl noch nie so akzeptiert gefühlt“ habe. „Das ist nicht so traurig, wie es klingt. Aber als Kind von gemischtreligiösen Eltern, das selbst nicht gläubig ist, bin ich immer wieder angeeckt, in meinem eigenen Kulturkreis. Ich bin eben nicht durch und durch Serbin – aber auch nicht durch und durch Deutsche. […] . Deshalb ist ein Freund, der vieles versteht, auch wenn er nicht alles nachvollziehen kann, mir gerade recht. Hauptsache, ich muss mich nicht anpassen, um überhaupt akzeptiert zu werden.“

Herkunft sollte nicht entscheiden, wen man liebt
Erst die Liebe zu einem Deutschen hätte ihr gezeigt, dass sie bis dato gewisse Werte und Verhaltensweisen nicht in Frage gestellt hat, da diese für sie selbstverständlich gewesen seien. Gleiches gelte jedoch auch andersherum für ihren Partner. Auch wenn sie meint, dass Differenzen in interkulturellen Beziehungen womöglich schwerer zu überwinden seien, so würde das Paar immer besser darin werden.

„Den richtigen Mittelweg zu finden, damit beide Partner sich wahrgenommen fühlen – wir werden immer besser darin. Und die Herkunft sollte nun wirklich nicht darüber bestimmen, wen man liebt“, resümierte die Autorin.

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