Soziale Medien als Frühwarnsystem, neue Partnerschaften, Strukturreformen: Die EU setzt bei Migration auf einen neuen Ansatz.
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner hat in einem Gespräch mit dem „Kurier“ ein europäisches Frühwarnsystem angekündigt, mit dem Migrationsentwicklungen künftig früher erkannt werden sollen. Dabei sollen unter anderem Entwicklungen und Mobilisierungsversuche in sozialen Medien stärker beobachtet und EU-Agenturen wie Europol und Frontex eingebunden werden. Parallel dazu bereitet die EU-Kommission ein neues Mandat für Frontex vor.
Frühwarnsystem geplant
Brunner unterstrich, dass die von der Kommission vorgeschlagene Europol-Reform dabei zusätzliche Möglichkeiten schaffen könnte. „Da würde uns auch die von uns vorgelegte Reform von Europol helfen“, sagte Brunner. Insbesondere Entwicklungen, Desinformation und Mobilisierung über soziale Medien sollen früher erkannt werden, um auf mögliche Migrationsbewegungen schneller reagieren zu können.
Die Europäische Kommission hatte am 24. Juni 2026 einen Gesetzgebungsvorschlag zur Stärkung des Europol-Mandats vorgestellt. Vorgesehen sind unter anderem ein schnellerer und sichererer Informationsaustausch, eine eigene sichere Cloud-Infrastruktur, ein European Police Shared Data Space sowie Europol-Supportbüros in den Mitgliedstaaten. Nach der Migrationskrise in Ceuta wurde bei einem Sondertreffen der EU-Innenminister am 4. August zudem eine frühere Erkennung von Migrationsbewegungen durch die Beobachtung von Entwicklungen in sozialen Medien diskutiert.
Kooperation mit Drittstaaten
Parallel dazu intensiviert die EU ihre Zusammenarbeit mit Drittstaaten. Mit Marokko laufen derzeit Verhandlungen über ein strategisches Partnerschaftsabkommen, das sowohl die Förderung legaler als auch die Eindämmung irregulärer Migration zum Ziel hat. Brunner brachte die Stoßrichtung der EU-Politik auf den Punkt: „Kampf gegen illegale Migration, aber auch Unterstützung der legalen Migration, die wir für unsere Arbeitsmärkte brauchen.“
Für Oktober kündigte Brunner Reisen nach Pakistan und Bangladesch an, um dort über die Zusammenarbeit bei Migration und Rückführungen zu sprechen. Den sogenannten östlichen Korridor, der von Bangladesch und Pakistan über die Golfstaaten nach Ägypten und Libyen und von dort weiter in Richtung EU führt, bezeichnet Brunner als eine zentrale Migrationsroute nach Europa.