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Beitrittsprozess

EU-Beitritt: Albanien als erstes muslimisches Land vor dem Sprung

EU-Beitritt: Albanien als erstes muslimisches Land vor dem Sprung
(Foto: iStockphoto)
4 Min. Lesezeit |

Während Albanien als „Frontrunner“ der EU-Beitrittskandidaten gilt, offenbart ein genauerer Blick auf das Land neben Fortschritten auch erhebliche Herausforderungen.

Die EU-Erweiterung schreitet trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten in Europa kontinuierlich voran, wobei Albanien derzeit besondere Aufmerksamkeit erhält. Das Land befindet sich wie Montenegro, Serbien und Nordmazedonien seit Jahren in Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union. Im EU-Parlament wurde am Mittwoch ein Fortschrittsbericht zu Albanien präsentiert, der beim SPÖ-EU-Delegationsleiter Andreas Schieder auf große Zustimmung stieß: „Albanien wird nicht umsonst als ,Frontrunner‘ (Spitzenreiter) unter den EU-Beitrittskandidaten bezeichnet. Das Land bewegt sich mit großen Schritten auf das Beitrittsziel 2030 zu, auch wenn noch viel zu tun bleibt. Insbesondere wenn man die politischen Entwicklungen über die letzten Jahrzehnte in Albanien betrachtet, sind die Reformbemühungen des Westbalkanlandes beeindruckend.“

Nach Schieders Einschätzung hat Albanien „in Bereichen wie Justiz, Korruptionsbekämpfung und Umweltschutz bemerkenswerte Fortschritte erzielt.“ Dennoch müsse der selbständige „Beitritts-Frontrunner“ sein Wirtschaftsmodell diversifizieren, neue Arbeitsplätze schaffen und das Sozialsystem verbessern. Schieder betont zudem die Notwendigkeit einer „umfassenden und inklusiven Wahlreform“.

Doch wie ist die tatsächliche Situation in diesem als Vorreiter bezeichneten Land? Geografisch punktet Albanien mit seiner Lage an der Adria und dem Ionischen Meer, verfügt über 427 Kilometer Küstenlinie und erstreckt sich über 28.748 Quadratkilometer, auf denen etwa 2,4 Millionen Menschen leben.

Bemerkenswert ist, dass der Islam die vorherrschende Religion in Albanien darstellt. Mit einem Beitritt würde erstmals ein Land mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit Teil der Europäischen Union werden – ein Indiz dafür, dass die traditionell christlich geprägte Wertegemeinschaft der EU ihre Beitrittskriterien erweitert.

Albaniens Herausforderungen

Die Kriminalitätslage stellt eine weitere Herausforderung dar. Das deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) identifiziert organisierte Kriminalität als signifikantes Problem. Auf der BAMF-Website heißt es: „Kriminelle Netzwerke sind in lokale und regionale Strukturen eingebettet und arbeiten teilweise mit der Polizei zusammen. Die Unterwanderung des Staatsapparats durch organisierte Kriminalität zeigt sich am Schutz des Drogenhandels durch Bestechung und Korruption, insbesondere bei der Grenzpolizei.“

Auch die Jugendarbeitslosigkeit von rund 22 Prozent gibt Anlass zur Sorge. Trotz dieser Problematiken wird Albanien von der SPÖ als führender Beitrittskandidat gehandelt.

In ihrem aktuellen Wirtschaftsreformprogramm betont die Europäische Kommission, dass ein EU-Beitritt Albaniens voraussichtlich zu einer stärkeren Integration in den europäischen Binnenmarkt führen und Investitionen sowie Beschäftigungsmöglichkeiten fördern würde. Dennoch bleibt die hohe Jugendarbeitslosigkeit eine zentrale Herausforderung, die gezielte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen erfordert.

Zwischen Hoffnung und Skepsis bewegen sich auch die Stimmen aus der albanischen Zivilgesellschaft. Einerseits wird die EU-Integration als Chance für mehr Rechtsstaatlichkeit und soziale Sicherheit gesehen. Andererseits besteht die Sorge, dass ohne nachhaltige Reformen soziale Ungleichheiten und Abwanderung weiter zunehmen könnten – eine Entwicklung, die das Land bereits seit dem Fall des Kommunismus prägt.

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Weitere Kandidaten

Wenn Albanien tatsächlich die Spitzenposition unter den Beitrittskandidaten einnimmt, lohnt ein vergleichender Blick auf die anderen Anwärter. Besonders die Ukraine genießt die Unterstützung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Das kriegsgebeutelte Land erhielt im Juni 2022 den Kandidatenstatus; die offiziellen Beitrittsverhandlungen begannen im Juni 2024. Der Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Landes soll offenbar zügig mit EU-Mitteln vorangetrieben werden, wobei Ungarn gegenwärtig die Eröffnung weiterer Verhandlungskapitel blockiert.

Moldau, das ärmste Land Europas, zählt ebenfalls zu von der Leyens Prioritäten für die EU-Erweiterung. Die wirtschaftliche Misere soll durch den EU-Beitritt überwunden werden – finanziert durch westliche Gelder. Ein erster Schritt erfolgte am 4. Juli beim EU-Moldau-Gipfel: Von der Leyen bewilligte im Namen der EU eine erste Tranche von 270 Millionen Euro aus dem kürzlich beschlossenen Wachstumsplan, die unter anderem in ein Fernwärmenetz fließen soll.

Auch Georgien erhielt im Dezember 2023 den Status eines EU-Beitrittskandidaten. Das vorderasiatische Land befindet sich in einer geopolitisch komplexen Lage. Es grenzt an die Türkei, Aserbaidschan, Armenien und Russland, wobei letzteres zwei Regionen Georgiens militärisch besetzt hält – eine Konstellation, die für einen EU-Beitritt erhebliche Herausforderungen mit sich bringt.

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KO KOSMO-Redaktion
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