Ein Pilot, ein Arzt, ein Finanzexperte – und Hunderttausende Euro weg. Die Steiermark erlebt eine Betrugswelle mit System.
In der Steiermark verzeichnen die Behörden eine deutliche Häufung von Internetbetrugsfällen, wobei die Vorgehensweisen der Täter von Fall zu Fall variieren.
Besondere Aufmerksamkeit erregte zuletzt ein sogenannter Love Scam (Liebesbetrug), bei dem eine 50-jährige Steirerin von einem erfundenen Piloten um rund 77.000 Euro gebracht wurde. Drei weitere Steirerinnen wurden Opfer ähnlicher Maschen: Die Täter nahmen über soziale Medien und Online-Plattformen Kontakt auf, bauten durch Gewinnversprechen und erfundene Schicksalsgeschichten gezielt Vertrauen auf und brachten die Frauen so dazu, Geld zu überweisen.
Hohe Schadenssummen
Eine 27-Jährige aus dem Bezirk Hartberg-Fürstenfeld verlor mehr als 6.000 Euro, nachdem sie über Instagram für vermeintlich lukrative Kapitalanlagen geworben worden war. Eine 74-jährige Grazerin überwies 173.000 Euro an einen angeblichen Finanzexperten aus Deutschland. Noch höher war der Schaden bei einer 65-jährigen Grazerin: Sie schickte mehr als 237.000 Euro in bar an Adressen in Wien und Italien, weil sie einem Mann vertraute, der sich als Militärarzt ausgab.
Kriminalpolizeiliche Daten belegen das Ausmaß des Problems: Wurden 2016 in der Steiermark noch 1.045 Anzeigen wegen Internetbetrugs erstattet, waren es 2025 bereits 4.332. Die Aufklärungsquote lag zuletzt bei 31,9 Prozent – ein Wert, der zeigt, vor welchen Herausforderungen die Ermittlungsbehörden bei der Verfolgung dieser Delikte stehen.
Laut Bundeskriminalamt wurden in Österreich im Jahr 2025 insgesamt 31.001 Fälle von Internetbetrug angezeigt, was einem Rückgang von 2,4 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Im Jahr 2024 waren es noch 31.768 Fälle gewesen, bereits ein Minus von 6,8 Prozent gegenüber 2023.
Polizeilicher Appell
Die Polizei appelliert an die Bevölkerung, bei Online-Bekanntschaften und Investitionsangeboten im Netz besondere Wachsamkeit walten zu lassen. „Überweisen oder versenden Sie kein Geld an Personen, deren Identität Sie nicht zweifelsfrei überprüfen können“, so die Polizei. Verdächtige Kontakte sollten mit Vertrauenspersonen besprochen, Beweise gesichert und im Zweifelsfall Anzeige erstattet werden.