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Preis-Explosion

Fast doppelt so teuer: Wiener Jahreskarte wird drastisch erhöht

Fast doppelt so teuer: Wiener Jahreskarte wird drastisch erhöht
FOTO: iStock
3 Min. Lesezeit |

Die Wiener 365-Euro-Jahreskarte steht vor einer deutlichen Preiserhöhung. Im Zuge der aktuellen Haushaltsverhandlungen erwägt die Stadtregierung, den Tarif ab 2027 auf bis zu 510 Euro anzuheben – umgerechnet etwa 1,40 Euro täglich.

Bei monatlicher Zahlungsweise könnte der Preis sogar auf 546 Euro steigen, was monatliche Kosten von 45,50 Euro bedeutet, statt der bisherigen 33 Euro.

Die Stadtverwaltung verweist auf wachsende Kostenbelastungen und angespannte Budgetsituation. Das vergünstigte Ticket verursacht jährliche Zuschüsse von rund 200 Millionen Euro. Eine maßvolle Tarifanpassung könnte Mehreinnahmen von etwa 80 Millionen Euro generieren und damit die städtischen Finanzen spürbar entlasten. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) erklärte: „Wir müssen überall sparen.“ Sowohl die Jahreskarte als auch das Parkpickerl (Parkausweis für Anwohner) seien „Teil der Gespräche“.

Finanzielle Zwänge

Der garantierte Preis von 365 Euro bleibt nur noch bis Ende 2026 bestehen. Die finale Entscheidung soll im Sommer während einer Budget-Abstimmung der Stadtregierung fallen. Der finanzielle Handlungsdruck ist erheblich. Nach Informationen der Tageszeitung „Heute“ erscheint eine Erhöhung zwischen 100 und 150 Euro politisch am realistischsten. Eine Verdoppelung auf über 700 Euro wäre zwar unter Inflationsgesichtspunkten nachvollziehbar, aber kaum durchsetzbar.

Die Wiener Grünen initiieren eine Petition zum Erhalt des 365-Euro-Tarifs. Parteivorsitzende Judith Pühringer betont: „Gerade Menschen mit wenig Einkommen trifft eine Teuerung hart.“ Dennoch erkennt auch die Opposition die erhebliche finanzielle Belastung der Stadt an.

Erfolgsmodell Jahreskarte

Derzeit nutzen mehr als eine Million Menschen die Jahreskarte – eine höhere Zahl als die der Pkw in Wien. Im vergangenen Jahr wurden 873 Millionen Fahrten registriert, durchschnittlich 2,4 Millionen täglich. Das Konzept hat sich also bewährt. Allerdings bleibt bei einer Preiserhöhung offen, wie viele Nutzer abwandern werden.

Ein Rückgang der verkauften Jahreskarten könnte die finanziellen Vorteile für die Stadt schmälern und mehr Personen zur Nutzung des Autos bewegen.

Historische Entwicklung und Inflationsfaktor

Vor Einführung des 365-Euro-Tickets im Jahr 2012 lag der Preis für die Wiener Jahreskarte bereits bei 449 Euro. Inflationsbereinigt müsste der aktuelle Preis laut Berechnungen sogar bei etwa 725 Euro liegen. Die langjährige Preisstabilität hat wesentlich zum Erfolg des Tickets beigetragen und dazu geführt, dass mittlerweile mehr Menschen in Wien eine Jahreskarte besitzen als ein Auto.

Auswirkungen auf Nutzerzahlen

Erfahrungen aus anderen europäischen Städten zeigen, dass Preiserhöhungen im öffentlichen Verkehr zu einem moderaten Rückgang der Fahrgastzahlen führen können. In Zürich sank nach einer deutlichen Tarifanhebung die Zahl der Jahreskartenbesitzer zunächst, stabilisierte sich aber nach Anpassungsphasen wieder auf hohem Niveau.

Für Wien rechnen Experten damit, dass eine Erhöhung um 100 bis 150 Euro zwar zu einem leichten Rückgang der Jahreskartenverkäufe führen könnte, der Großteil der Nutzer jedoch dem öffentlichen Verkehr treu bleiben dürfte – vor allem aufgrund fehlender Alternativen und der weiterhin vergleichsweise günstigen Konditionen im europäischen Vergleich.

Politische Reaktionen

Neben den Wiener Grünen hat sich mittlerweile auch die FPÖ für den Erhalt des 365-Euro-Tickets ausgesprochen. Beide Parteien verweisen auf die soziale Bedeutung des günstigen Tarifs und haben eine gemeinsame Petition gestartet, um politischen Druck auf die Stadtregierung auszuüben. Besonders kritisieren sie, dass die geplante Preiserhöhung Menschen mit geringem Einkommen überproportional belasten würde.

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KO KOSMO-Redaktion
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