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REPORTAGE

Gabriella, Berislav und Ivona – unsere Helden der Corona-Krise

Ivona Jurisic (23)
Elementarpädagogin

Ivona Jurišić (FOTO: KOSMO)

Umkreist von Kindern, winkt uns Ivona durch das Fenster freundlich zu, als wir darauf warten, dass sie ihre Schicht beendet. Die junge Elementarpädagogin arbeitet seit 2,5 Jahren im Kindergarten „Leo“. Damals war sie gerade aus Steiermark nach Wien gezogen. Die leidenschaftliche Pädagogin erzählt uns, wie es für sie und die Kinder während der Krise war. „Am Anfang hatte ich keine Ängste aber je mehr vom Coronavirus berichtet wurde, desto mehr Angst ich bekam. Zuerst war alles irgendwie viel zu entfernt von mir und meinem Umfeld. Aber als ich Menschen mit Schutzmasken und Handschuhen auf der Straßen gesehen habe, habe ich begonnen, mir Sorgen zu machen und viel über das Thema nachzudenken“, gestand Ivona.

Große Ängste hatte sie nicht primär um ihren Freund, mit dem sie zusammenwohnt oder um sich. In erster Linie ging es ihr um ihre Eltern, das ganze Personal im Kindergarten, sowie, natürlich, um die Kinder. „Mein Freund hat auch während der Krise gearbeitet und hat viel mit Kunden zu tun. Insofern waren wir beide gleich gefährdet. Ich hatte mehr Angst um unsere Eltern als um uns. Ehrlich gesagt, mache ich mir immer noch Sorgen, denn es gab schon Fälle, dass sich die Eltern oder die Pädagogen durch die Kinder ansteckten“, so die 23-Jährige. Manche Kolleginnen fürchteten sich mehr vor einer Ansteckung als die anderen. „Nichtdestotrotz haben wir uns gegenseitig unterstützt und ermutigt und somit haben wir die Situation erfolgreich überstanden. Wir hatten Glück, dass die Kindergartenleitung sehr schnell auf die neue Situation reagiert hat und uns alles notwendiges zur Verfügung gestellt – Schutzmasken und Desinfektionsmittel. Außerdem waren sie ständig für jede unserer Frage da und haben Hilfe geleistet, wo wir sie brauchten. Trotz meiner Ängste bin ich froh, dass ich die Kinder und ihre Eltern während der Krise unterstützen konnte“, erzählt die junge Elementarpädagogin stolz.

„Ich bin froh, dass ich die Kinder und ihre Eltern während der Krise unterstützen konnte“

Die größte Herausforderung war, den Kindern die Situation zu erklären und auf ihre Sicherheit aufzupassen. „Man musste auf Vieles achten wie z. B. nicht so viel mit den Kindern in Kontakt zu treten, Hände ständig zu waschen oder zu desinfizieren. Es war schwierig, den Kindern zu erklären, was Corona eigentlich ist. Viele Kinder wussten schon von Zuhause, dass Corona ein Virus ist und dadurch konnte ich das Thema mit ihnen etwas vertiefen. Sie haben sich von alleine die Hände gewaschen, sobald sie den Kindergarten betreten haben, aber auch zwischendurch regelmäßig. Auf der anderen Seite gab es viele, die gar kein Wissen über das Virus hatten und nicht genau wussten, warum ich sie dazu auffordere, ständig Hände zu wachen, warum ihre Eltern eine Schutzmaske tragen, warum man den Abstand halten muss, oder warum sie ihre Großeltern nicht mehr sehen können.“ Warum man regelmäßig Hände waschen soll und warum das so wichtig ist, hat Ivona den Kindern auf viele verschiedene Arten spielerisch erklärt – mit Bildkarten, mit Büchern, die man online bestellen kann, mit Spielen. „Es war auch eine große Herausforderung, die Balance zwischen der Wissensvermittlung über Corona und Panikverbreitung zu finden.“

„Es war schwierig, den Kindern zu erklären, was Corona eigentlich ist.“

Auf die Frage, was sie aus der Situation gelernt hat, antwortete sie: „Man schätzt die Zeit mit der Familie viel mehr. Meine Eltern wohnen drei Studen von mir entfenrt und ich fahre fast jedes Wochenende zu ihnen. Jetzt, wo ich meine Eltern fast zwei Monate nicht gesehen habe, habe ich schon angefangen nachzudenken, dass ich mehr Zeit mit anderen Personen in meinem Leben statt mit ihnen verbringe. Und sie werden immer älter.“