Vier Steinbrüche im Burgenland wurden wegen Asbestfunden sofort geschlossen. Das krebserregende Material gelangte offenbar als Schotter in den Handel – mit unabsehbaren Folgen.
Im Mittel- und Südburgenland hat ein alarmierender Fund die Behörden zum sofortigen Handeln veranlasst: In vier Steinbrüchen wurde asbestbelastetes Material entdeckt, das als Schotter für verschiedene Zwecke verkauft worden sein soll. Die Gesundheitsgefährdung durch das krebserregende Material veranlasste die zuständigen Behörden, die Betriebe umgehend zu schließen. Betroffen sind ein Steinbruch im Bezirk Oberpullendorf sowie drei weitere im Bezirk Oberwart. Die Bezirkshauptmannschaften haben per Mandatsbescheid die sofortige Einstellung sämtlicher Abbau- und Aufbereitungsarbeiten angeordnet, da das natürlich vorkommende Asbest offenbar gemeinsam mit anderem Gestein abgebaut und anschließend in den Handel gebracht wurde.
⇢ Asbest-Alarm: Behörden schließen vier Steinbrüche wegen Krebsgefahr
Das Land bestätigt die behördlichen Maßnahmen und verweist auf die Grundlage der Entscheidung: „Nach Überprüfungen gemäß § 175 Mineralrohstoffgesetz wurden im Jänner 2025 Material- und Bodenproben entnommen und in einem Fachlabor analysiert. In allen untersuchten Proben konnte Asbest nachgewiesen werden.“ Die Untersuchungsergebnisse lassen eine Gesundheitsgefährdung nicht ausschließen – besonders betroffen seien Arbeitnehmer und Kunden der Steinbrüche.
Die Behörden betonen die Notwendigkeit ihres raschen Eingreifens: „Ein sofortiges Handeln bei noch laufenden Verfahren war unumgänglich, die unverzüglich angeordneten unaufschiebbaren Maßnahmen wegen Gefahr im Verzug alternativlos.“ Die Verwaltungsverfahren würden parallel weiterlaufen. Die Betreiber der Steinbrüche in Pilgersdorf im Bezirk Oberpullendorf, Glashütten bei Schlaining, Bernstein und Badersdorf im Bezirk Oberwart müssen nun ihre Kunden informieren. Vom Land heißt es: „Die Steinbrüche bleiben geschlossen, bis die vollständige Beseitigung der Gefahrenlage behördlich festgestellt wird.“
Gesundheitsrisiko Asbest
Asbest gilt als stark krebserregend, wobei bereits geringe Mengen ausreichen können, um Erkrankungen auszulösen. In den 1970er Jahren als karzinogen eingestuft, ist die Verwendung seit den 1990er Jahren verboten. Die größte Gefahr besteht beim Einatmen von Asbestfasern, die während des Abbaus oder bei der Bearbeitung freigesetzt werden können. Daher erfolgen Sanierungen asbestbelasteter Gebäude unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und zu entsprechend hohen Kosten. Besonders gefährlich sind lungengängige Fasern mit einer Länge über fünf Mikrometer und einer Breite unter drei Mikrometer. In gebundener Form gilt Asbest hingegen als ungefährlich.
Die genaue Verwendung und die Abnehmer des möglicherweise belasteten Materials sind nicht vollständig bekannt. Ein Teil wurde vermutlich zu Streusplitt verarbeitet und an umliegende Gemeinden verkauft. Auch die Verwendung als Schotter für Wege, Einfahrten, Gärten und Friedhöfe wird vermutet. Es ist anzunehmen, dass das Material bereits seit Jahren im Umlauf ist.
Regionale Auswirkungen
Die Entdeckung löst in der Region große Besorgnis aus. Möglicherweise könnten weitere Betriebe betroffen sein. Insidern zufolge sind etwa 500 Arbeitsplätze mit den Steinbrüchen verbunden. In den betroffenen Gemeinden wächst die Verunsicherung: Viele Bürger fragen sich, ob sie mit dem belasteten Material in Kontakt gekommen sind und welche gesundheitlichen Folgen dies haben könnte. Problematisch dabei: Asbestbedingte Erkrankungen treten meist erst Jahre später auf, was einen Nachweis des Zusammenhangs erheblich erschwert.
In einer der betroffenen Gemeinden wird hinter vorgehaltener Hand berichtet, dass es bereits länger Gerüchte über die Gesundheitsgefahren gab. Der vom Steinbruch ausgehende Staub soll angeblich für Erkrankungen verantwortlich sein, auch von Krebsfällen ist die Rede.
Bislang fehlten jedoch konkrete Beweise für diese Vermutungen – die aktuellen Untersuchungsergebnisse deuten nun darauf hin, dass an den Verdachtsmomenten tatsächlich etwas dran sein könnte.