Nach dem Alaska-Gipfel zeichnet sich ein brisanter Friedensplan ab: Putin bietet minimale Zugeständnisse, während die Ukraine große Gebiete aufgeben müsste.
Russland wäre bereit, kleinere besetzte Gebiete in der Ukraine aufzugeben, während Kiew umfangreiche Territorien im Osten des Landes abtreten müsste – so lautet der Rahmen eines Friedensvorschlags, über den der russische Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump beim Gipfel in Alaska gesprochen haben. Dies berichten mit Moskaus Überlegungen vertraute Reuters-Quellen.
Das Treffen zwischen beiden Staatschefs fand am 15. August 2025 in Anchorage statt und war die erste persönliche Begegnung zwischen Trump und Putin seit vier Jahren. Mehrere unabhängige Medien bestätigten das Zustandekommen des Gipfels, bei dem beide Präsidenten erstmals seit Kriegsbeginn direkt über eine mögliche Beendigung des Ukraine-Konflikts berieten.
⇢ Ukraine-Gipfel in Alaska: So herzlich begrüßten sich Trump und Putin (VIDEOS)
Trump räumte ein, dass beim Gipfel kein erhoffter Waffenstillstand erreicht wurde. In einem Fox-News-Interview erklärte er jedoch, mit Putin über Gebietsübertragungen und Sicherheitsgarantien für die Ukraine gesprochen zu haben, wobei sie „weitgehend übereinstimmten“. „Ich denke, wir sind einer Einigung sehr nahe“, sagte Trump und fügte hinzu: „Die Ukraine muss zustimmen. Vielleicht wird sie ’nein‘ sagen.“
Nach dem russischen Angebot müsste sich die Ukraine vollständig aus Donezk und Luhansk zurückziehen. Im Gegenzug würde Moskau zustimmen, die Frontlinien in den südlichen Regionen Cherson und Saporischschja einzufrieren. Kiew hat bereits früher jeden Rückzug aus Donezk abgelehnt, wo ukrainische Streitkräfte gut verschanzt sind und die Stadt als wichtige Verteidigungsbarriere dient.
Territoriale Forderungen
Die Quellen geben an, Moskau sei bereit, relativ kleine Gebiete im nördlichen Sumy und nordöstlichen Charkiw – insgesamt etwa 440 Quadratkilometer – zurückzugeben. Zum Vergleich: Die Ukraine kontrolliert etwa 6.600 Quadratkilometer des Donbass (Region Donezk-Luhansk), bestehend aus Donezk und Luhansk, den Russland als sein Territorium betrachtet.
⇢ So kann Trump Putin zum Frieden zwingen!
Putin würde zudem eine formelle Anerkennung der russischen Herrschaft über die 2014 annektierte Krim fordern. Unklar bleibt, ob diese Anerkennung nur von den USA oder von allen westlichen Ländern und der Ukraine kommen sollte. Moskau erwartet außerdem die Aufhebung zumindest eines Teils der Sanktionen, wobei die Quellen nicht bestätigen konnten, ob sich dies auf amerikanische oder europäische Maßnahmen bezieht.
Der Kremlchef würde den NATO-Beitritt der Ukraine blockieren, zeigt sich aber offen für Sicherheitsgarantien. Trump erwähnte gegenüber europäischen Führern am Samstag die Möglichkeit eines „Artikels 5 außerhalb der NATO“ – eine Art Garantie nach dem Vorbild der NATO-Regel, dass ein Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle gilt. Der NATO-Beitritt ist ein strategisches Ziel der Ukraine, das auch in ihrer Verfassung verankert ist.
Weitere Bedingungen
Laut den Quellen würde Russland auch einen offiziellen Status der russischen Sprache in Teilen oder der gesamten Ukraine sowie das Recht der Russisch-Orthodoxen Kirche auf freie Betätigung fordern. Der ukrainische Sicherheitsdienst beschuldigt die mit Moskau verbundene Kirche, die russische Aggression durch Propaganda zu unterstützen und Spione zu verstecken – Vorwürfe, welche die Kirche bestreitet und behauptet, die Verbindungen zu Moskau abgebrochen zu haben. Die Ukraine hat ein Gesetz zum Verbot religiöser Organisationen mit Verbindungen zu Russland erlassen, das jedoch noch nicht in Kraft getreten ist.
Europäische Vorberatungen
Im Vorfeld des Alaska-Gipfels hatten sich europäische Staats- und Regierungschefs bereits in einem virtuellen Gipfel über ihre Positionen abgestimmt. Dabei betonten sie, dass Gebietsabtretungen erst nach einem Waffenstillstand diskutiert werden sollten und forderten umfassende Sicherheitsgarantien für die Ukraine, da eine NATO-Mitgliedschaft weiterhin nicht zur Debatte steht.
Diese Darstellung erschien einen Tag nach dem Treffen zwischen Putin und Trump auf einem Militärstützpunkt in Alaska – dem ersten Treffen des US-Präsidenten und des Kremlchefs seit Kriegsbeginn in der Ukraine. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reist morgen nach Washington, um mit Trump über eine mögliche Beendigung des von Putin im Februar 2022 begonnenen Krieges zu sprechen.
Nach Angaben zweier Quellen basiert Putins Angebot bisher auf Gesprächen zwischen europäischen, amerikanischen und ukrainischen Führern, wobei unklar bleibt, ob es sich um eine Ausgangsposition oder ein praktisch endgültiges Angebot handelt.
Putins Vorstellung einer Vereinbarung schließt einen Waffenstillstand vor Erreichen eines umfassenden Abkommens aus – was im Widerspruch zur Forderung Kiews steht.