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Hitzewelle

Adria-Alarm: 35 Grad werden bald der neue Normalfall

Adria-Alarm: 35 Grad werden bald der neue Normalfall
(FOTO: iStock)
4 Min. Lesezeit |

Kroatiens Klima verändert sich rasant: Wo früher kühle Nächte Erholung brachten, herrscht heute drückende Hitze – und die Prognosen für die Zukunft sind alarmierend.

Die Temperaturen in Kroatien steigen kontinuierlich an und bestätigen damit die Prognosen der Klimamodelle, die bis 2070 einen Anstieg von 2 bis 2,4 Grad vorhersagen. Diese Erwärmung zeigt sich in allen Jahreszeiten, tritt jedoch besonders deutlich im Sommer zutage. Nicht nur die Durchschnittstemperaturen klettern nach oben, auch die Tiefstwerte und Höchstwerte des Tages erreichen neue Rekordmarken.

„Im Sommer erleben wir eine deutliche Zunahme warmer und heißer Tage sowie warmer Nächte, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad sinkt“, erklärt Sara Ivasic von der Abteilung für Klimawandel und Biometeorologie des kroatischen Wetterdienstes DHMZ gegenüber der Nachrichtenagentur Hina. Der Wandel ist besonders in Kontinentalkroatien spürbar: Während in den 1990er Jahren warme Nächte praktisch nicht vorkamen, zählt man in den vergangenen zehn Jahren bereits bis zu zehn pro Jahr.

An der Adriaküste ist die Situation noch ausgeprägter. In Dubrovnik und Split wurden 2004 sogar 91 Prozent aller Sommernächte als „warm“ eingestuft. Was einst als ungewöhnliches Wetterphänomen galt, ist mittlerweile klimatischer Alltag geworden.

Dramatische Temperaturprognosen

Nach dem moderaten Emissionsszenario (RCP4.5) werden die kroatischen Sommer zwischen 2041 und 2070 deutlich heißer ausfallen als im Vergleichszeitraum 1981 bis 2010. Für die Adriaküste sowie Zentral- und Ostkroatien rechnen Klimatologen mit einem Anstieg der sommerlichen Höchsttemperaturen um 2,0 bis 2,2 Grad, während in Istrien und im Bergland sogar Anstiege zwischen 2,2 und 2,4 Grad erwartet werden.

„Das bedeutet konkret: Ein heute als heiß empfundener Tag mit 33 Grad würde künftig bei etwa 35 Grad liegen – und das nicht als Ausnahme, sondern als Normalfall“, verdeutlicht Ivasic die Prognose.

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Zentralkroatien muss sich auf 7,5 bis 10 zusätzliche warme Tage pro Sommer einstellen. Im Landesinneren Dalmatiens werden 5 bis 10 weitere warme Tage erwartet, während an der Küste der Anstieg sogar 10 bis 17,5 Tage betragen könnte. Parallel dazu werden auch die Nächte wärmer: Die Anzahl der warmen Nächte dürfte an der Adria um etwa 22 Prozent und in Zentralkroatien um 20 bis 22 Prozent zunehmen.

„Diese Zunahme warmer Nächte verringert die Möglichkeit zur nächtlichen Abkühlung und Erholung erheblich, was sowohl für Menschen als auch für die Natur zu verstärktem Hitzestress führt“, warnt die Klimatologin.

In der Fachsprache gelten Tage mit Temperaturen ab 25 Grad als „warme Tage“. Von „warmen Nächten“ sprechen Meteorologen, wenn die Temperatur einen bestimmten Schwellenwert nicht unterschreitet. In städtischen Gebieten wird die Hitzebelastung durch den sogenannten Wärmeinseleffekt zusätzlich verstärkt.

Die drückende Sommerhitze wird nicht nur durch die Wetterlage beeinflusst, sondern auch durch typisch städtische Faktoren wie Baumaterialien, Verkehr und Klimaanlagen. Beton und Asphalt speichern tagsüber die Sonnenwärme und geben sie nachts nur langsam wieder ab. Dadurch können Städte bis zu 10 Grad wärmer sein als das Umland – mit erheblichen Folgen für die Gesundheit der Stadtbewohner.

Wirtschaftliche Folgen

Die Klimamodelle zeigen für Kroatien auch Veränderungen bei Niederschlagsmengen und deren jahreszeitlicher Verteilung. Im Sommer wird landesweit mit weniger Regen gerechnet, wobei der stärkste Rückgang von 15 bis 20 Prozent an der Küste, in Mitteldalmatien und im Bergland erwartet wird. Weniger Sommerniederschlag bedeutet auch mehr trockene Tage.

Deren Anzahl könnte besonders im Gebirge und im Landesinneren Dalmatiens ansteigen – um bis zu 5 bis 7,5 Prozent mehr trockene Tage pro Jahr. Im Sommer wird dieser Trend am deutlichsten ausgeprägt sein. Somit werden trockene Sommer mit längeren regenfreien Perioden künftig zur Regel.

Diese klimatischen Veränderungen werden direkte Auswirkungen auf Alltag und Wirtschaft haben. In der Landwirtschaft könnte der Temperaturanstieg zwar die Vegetationsperiode verlängern, doch der sommerliche Niederschlagsmangel gefährdet die Erträge traditioneller Kulturen. Zudem verstärken höhere Bodentemperaturen die Verdunstung, wodurch wertvolle Bodenfeuchte verloren geht.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird auch das Waldbrandrisiko nicht nur in Dalmatien, sondern auch in den kontinentalen Landesteilen zunehmen. Für den Tourismus könnte die Hochsaison an Attraktivität verlieren, während Frühling und Herbst zu bevorzugten Reisezeiten für Urlaub und Outdoor-Aktivitäten werden könnten.

„Die von Klimamodellen vorhergesagten Veränderungen – wärmere Sommer, häufigere warme Nächte, Niederschlagsmangel mit vermehrten Dürreperioden – sind keine Zukunftsszenarien mehr. Es ist ein Prozess, der bereits begonnen hat“, betont Sara Ivasic.

„Kroatiens Bevölkerung muss sich an die neuen klimatischen Bedingungen anpassen – von der Modernisierung der Landwirtschaft über effizientere Bewässerungssysteme und besseres Wassermanagement bis hin zu Lösungen gegen Hitzewellen in Städten.“