Friedliche Proteste schlagen in Gewalt um: In mehreren serbischen Städten eskalieren die Demonstrationen gegen Korruption und Misswirtschaft mit brennenden Parteibüros und Polizeieinsätzen.
Unter dem Motto „Serbien lässt sich nicht beruhigen“ kam es auch gestern Abend in mehreren Städten zu teils schweren Ausschreitungen. Besonders betroffen war Valjevo, wo Demonstranten die Räumlichkeiten der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS), der Stadtverwaltung, des Gerichts und der Staatsanwaltschaft attackierten. Die Proteste in Valjevo hatten sich nach Berichten über Polizeigewalt bei einer früheren Demonstration zugespitzt, bei der mehrere Teilnehmer verletzt worden waren.
Eine Gruppe vermummter junger Männer drang in das lokale Parteibüro der SNS ein und verwüstete zudem die Eingänge zum Gebäude der Staatsanwaltschaft und der Stadtverwaltung. Durch den Einsatz von Fackeln und Pyrotechnik entstand ein kleinerer Brand in den SNS-Räumlichkeiten, der einen kurzzeitigen Feuerwehreinsatz erforderlich machte. Obwohl während der Demonstration in Valjevo wiederholt zu Besonnenheit aufgerufen wurde, ignorierten militante Demonstranten diese Appelle.
Auch in Belgrad kam es zu Auseinandersetzungen. In der Nähe der SNS-Zentrale in Novi Beograd setzte die Polizei Tränengas ein und fuhr mit gepanzerten Fahrzeugen auf, nachdem Demonstranten Pyrotechnik und verschiedene Gegenstände auf die Einsatzkräfte geworfen hatten.
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In Novi Sad bewarfen Protestierende die Büros lokaler Parteien und Koalitionspartner der SNS mit Farbbeuteln. Vor dem Gebäude der Serbischen Radikalen Partei wurde die Parteifahne heruntergerissen und verbrannt.
Regierungsreaktion
Innenminister Ivica Dacic sprach von „drastischen Störungen der öffentlichen Ordnung“ und „brutalen Angriffen auf die Polizei“. Nach seinen Angaben wurde ein Mitglied der Gendarmerie verletzt und 18 Personen wurden festgenommen. Zur Anzahl verletzter Demonstranten machte Dacic keine Angaben – unabhängige Medien berichten jedoch von Dutzenden Verletzten durch Handgemenge und Polizeigewalt bei den jüngsten Ausschreitungen. Die schwersten Vorfälle ereigneten sich demnach in Valjevo, Belgrad und Novi Sad, wo die öffentliche Ordnung mittlerweile wiederhergestellt sei.
Präsident Aleksandar Vucic reagierte auf Instagram mit einer unmissverständlichen Warnung: „Die Zeit der Verantwortung kommt.“ Alle Beteiligten der Gewaltakte würden „zur Verantwortung gezogen und für ihre Missetaten bestraft werden“.
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Der Präsident erklärte weiter: „Heute kurz vor Mitternacht verlassen wir das Innenministerium. Ich bin gekommen, um Freunde zu besuchen, den Minister und die Kämpfer, Menschen, die Serbien vor jenen schützen, die es jeden Abend zerstören und niederreißen.“
Vucic fügte hinzu, die Gewalt habe trotz aller negativen Aspekte auch „eine gute Sache“: „Alle Masken sind gefallen, die Menschen sehen alles, ihre Nervosität wird immer größer, die Hysterie immer größer, die Gewalt immer ausgeprägter, weil sie nichts anderes anzubieten haben.
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Die Zeit der Verantwortung kommt, und all diese Menschen, die gebrannt und zerstört haben, werden zur Verantwortung gezogen und für ihre Missetaten bestraft werden.“