Zwischen Tierschutz und Tradition: Wiener Fiakerpferde werden nun wissenschaftlich untersucht. Messgeräte und Gesundheitschecks sollen Klarheit über Belastungen bei Hitze bringen.
Wissenschaftliche Untersuchung
Die Debatte um Fiakerpferde bei Hitze mündet nun in wissenschaftliche Untersuchung. Der Einsatz von Fiakerpferden während der Sommermonate sorgt seit langem für Kontroversen zwischen Tierschutzorganisationen und Vertretern der Fiakerbetriebe. Tierschützer drängen seit Jahren auf Fahrverbote und eine Herabsetzung der Hitzefreigrenze für die Tiere. Nach aktueller Gesetzeslage müssen Kutschenfahrten ab einer Temperatur von 35 Grad eingestellt werden. Als Reaktion auf diese anhaltende Diskussion haben Stadt und Bund im vergangenen Sommer eine Studie zum Thema „Pferdenutzung in Zeiten des Klimawandels“ angekündigt, deren praktische Testphase nun beginnt.
Die wissenschaftliche Erhebung stattet die Fiakergespanne mit speziellen Messgeräten aus und folgt einem detaillierten Untersuchungsprotokoll. Über einen Zeitraum von zwölf Monaten werden systematisch Daten zum Gesundheitszustand der Pferde unter verschiedenen Wetterbedingungen erfasst. Die Veterinärmedizinische Universität Wien übernimmt die Durchführung der Untersuchung. Das Forschungsprojekt soll belastbare Erkenntnisse zu den Effekten von Umweltfaktoren auf Fiaker- und Sportpferde liefern und könnte als Grundlage für künftige Anpassungen der Arbeitsbedingungen dieser Tiere dienen.
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Umfassende Datenerhebung
An der Studie nehmen zwölf Pferde aus dem Fiakerbetrieb Carmen Blantz teil, die sowohl während ihrer Arbeitseinsätze im Stadtgebiet als auch in ihrer Stallumgebung beobachtet werden. Die Untersuchungen erstrecken sich über alle vier Jahreszeiten mit mehrtägigen Beobachtungsphasen an den Standplätzen, während der Fahrten und im Stall, um ein umfassendes Bild der Auswirkungen unterschiedlicher Umwelt- und Wetterbedingungen auf die Tiere zu gewinnen.
Bei sämtlichen Untersuchungen ist eine Tierärztin der Veterinärmedizinischen Universität Wien anwesend. „Neben Blut-, Speichel- und Schweißproben wird auch regelmäßig die innere Körpertemperatur gemessen, um die Belastung der Tiere zu beurteilen“, erklärt Studienleiterin Jessika Cavalleri vom Klinischen Zentrum für Pferde. Die Forscher dokumentieren zudem das Verhalten der Pferde während der Fahrten und zeichnen die Routen mittels GPS auf.
Die an der Studie teilnehmenden Kutschen sind durch eine spezielle Kennzeichnung erkennbar. Die Pferde werden zusätzlich mit Sensoren und Videoüberwachung ausgestattet, um eine lückenlose Dokumentation ihres Verhaltens und ihrer körperlichen Reaktionen zu gewährleisten.
Rechtlicher Rahmen
In Wien ist der Fiakerbetrieb bei Temperaturen ab 35 Grad Celsius generell untersagt. Diese Regelung basiert auf dem österreichischen Tierschutzgesetz und den damit verbundenen Verordnungen für gewerbliche Tierhaltung. Tierschutzorganisationen kritisieren diese Grenze als zu hoch und verweisen auf strengere Limits in anderen europäischen Städten, wo bereits bei niedrigeren Temperaturen Fahrverbote erlassen werden.
Die Ergebnisse der laufenden Studie könnten eine wissenschaftliche Grundlage für mögliche Nachschärfungen der bestehenden Regelungen schaffen. Stadt und Bund haben bereits angekündigt, die Erkenntnisse der Untersuchung in zukünftige tierschutzrechtliche Bestimmungen einfließen zu lassen.