Während Serbien auf die Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union hinarbeitet, bleiben konkrete Vorteile der schrittweisen Integration oft hinter den Erwartungen zurück. So verzögert sich ausgerechnet zur Hauptreisezeit die Einführung eines integrierten Tag-Systems für serbische Autofahrer an griechischen Mautstellen. Obwohl die serbischen Behörden nach eigenen Angaben ihre Hausaufgaben gemacht haben, stockt die Umsetzung. Nikolina Arbutina von der Straßenverwaltung „Putevi Srbije“ verweist auf die komplexen Strukturen im Nachbarland: „In Griechenland müssen acht verschiedene Straßenbetreiber jeder Systemänderung zustimmen. Wir hoffen, zumindest einen Teil der Sommersaison nutzen zu können, aber Garantien gibt es nicht – alles hängt von der griechischen Seite ab.“
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Parallel dazu laufen Bemühungen, den Warenverkehr zwischen Serbien und der EU zu beschleunigen. Die Lösung soll in sogenannten „grünen Korridoren“ (beschleunigte Zollabfertigungswege) an elf Grenzübergängen liegen. Integrationsminister Nemanja Starovic berichtet von konkreten Fortschritten: „Wir haben bereits ein Memorandum mit Ungarn unterzeichnet und führen derzeit Gespräche zwischen unseren Zollbehörden und den bulgarischen Kollegen. Ähnliche Abkommen streben wir mit Rumänien und Kroatien an.“
Wirtschaftliche Vorteile
Neu sei, dass die Europäische Kommission Finanzmittel für die technische Modernisierung der wichtigsten Grenzübergänge bereitgestellt habe. Die Umsetzung soll in den kommenden Monaten erfolgen. Aleksandar Radovanovic vom Zentrum für regionale Zusammenarbeit der serbischen Wirtschaftskammer betont die wirtschaftlichen Vorteile: „Kürzere Wartezeiten an den Grenzen bedeuten geringere Kosten für Unternehmen und steigende Exporte. Die stärkere Integration mit der EU würde Investitionen fördern, Lieferketten sichern und Just-in-time-Geschäfte ermöglichen, die derzeit durch lange Grenzwartezeiten kaum realisierbar sind.“
Nach Angaben der serbischen Behörden haben die bereits eingeführten beschleunigten Zollabfertigungswege, insbesondere durch das Memorandum mit Ungarn, zu einer spürbaren Reduktion der Wartezeiten für den Warenverkehr geführt. Dies ermöglicht serbischen Unternehmen bereits jetzt wichtige Kostenersparnisse und eine bessere Planbarkeit bei Exporten. Die gezielte finanzielle Unterstützung der EU-Kommission soll die technische Infrastruktur an den Grenzübergängen weiter verbessern und damit die wirtschaftliche Integration Serbiens in den EU-Binnenmarkt vorantreiben.
Ein weiterer Meilenstein steht im Bereich der Telekommunikation bevor. Nachdem die Roaming-Gebühren zwischen den Westbalkanstaaten bereits abgeschafft wurden, soll diese Regelung auf die EU-Länder ausgeweitet werden. Minister Starovic zeigt sich zuversichtlich: „Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, bin ich überzeugt, dass unsere Bürger bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2026 ihre Mobiltelefone in den EU-Mitgliedstaaten ohne Angst vor hohen Roaming-Gebühren nutzen können – genauso wie zu Hause in Serbien.“
Die bereits erfolgte Abschaffung der Roaming-Gebühren zwischen den Westbalkanstaaten hat zu einer deutlichen Entlastung für Privatpersonen und Unternehmen geführt. Grenzüberschreitende Kommunikation im Geschäfts- und Alltagsleben wurde günstiger und unkomplizierter. Die geplante Ausweitung dieser Regelung auf die EU-Länder wird von der serbischen Regierung und der Wirtschaft als wichtiger Schritt gesehen, um die Wettbewerbsfähigkeit serbischer Unternehmen im europäischen Markt weiter zu stärken und die Mobilität der Bürger zu erhöhen.
Langfristige Perspektiven
Mit dem Wachstumsplan der EU (Finanzierungsprogramm für Beitrittskandidaten) hat sich eine neue Perspektive für die Integration des Westbalkans eröffnet. Marko Todorovic vom Zentrum für Europäische Politik relativiert jedoch die kurzfristigen Erwartungen: „Die Bürger werden vielleicht nicht jeden einzelnen Integrationsschritt unmittelbar spüren, aber der schrittweise Eintritt in den EU-Binnenmarkt wird in zehn Jahren definitiv zu einem höheren Lebensstandard führen.“
Beim jüngsten Gipfeltreffen der Westbalkan-Staaten in Skopje, der Hauptstadt Nordmazedoniens, erhielt Serbien mündliche Zusagen, dass die nächsten Mittel aus dem Wachstumsplan bereits im Juli bereitgestellt werden sollen.