Ein Detail, das Millionen täglich sehen – doch kaum jemand kennt den Grund dahinter. Apples Anrufbildschirm hat eine überraschende Geschichte.
Wer ein iPhone besitzt, hat es vermutlich schon bemerkt – und sich vielleicht nie wirklich gefragt, warum: Je nachdem, ob das Gerät gerade gesperrt oder in Verwendung ist, sieht der Anrufbildschirm völlig unterschiedlich aus. Liegt das iPhone entsperrt auf dem Tisch oder wird aktiv genutzt, erscheinen beim eingehenden Anruf zwei vertraute Schaltflächen – Grün zum Annehmen, Rot zum Ablehnen. Ist das Gerät hingegen gesperrt, zeigt sich stattdessen ein Schieberegler mit der Aufforderung „Zum Annehmen wischen“.
Der Grund liegt auf der Hand: Tasten lassen sich ungleich leichter versehentlich drücken als ein Wischregler – etwa wenn das iPhone in der Hosentasche liegt, im Rucksack vergraben ist oder man es gerade aus der Handtasche zieht. Apple zeigt die Schaltflächen daher nur dann, wenn das Gerät aktiv genutzt wird und eine unbeabsichtigte Berührung unwahrscheinlich ist. Der Schieberegler hingegen erfordert eine gezielte Geste und ist damit deutlich resistenter gegen ungewollte Eingaben.
Apples Lernkurve
Dass Apple diesen Weg einschlug, war kein spontaner Einfall, sondern das Ergebnis jahrelangen Nutzerfeedbacks. In den ersten fünf iOS-Versionen gab es nur einen einzigen Anrufbildschirm – jenen mit den beiden Tasten. Die Beschwerden ließen nicht lange auf sich warten: Viele Nutzerinnen und Nutzer berichteten, dass sie Anrufe unbeabsichtigt annahmen oder abwiesen, sobald sie ihr iPhone aus der Tasche holten, um zu sehen, wer gerade anrief. Mit iOS 6 reagierte Apple schließlich und führte für gesperrte Geräte die Wischgeste ein.
Die Idee dahinter war freilich nicht neu. Bereits mit dem allerersten iPhone hatte Apple auf das Prinzip „Zum Entsperren wischen“ gesetzt – und das aus gutem Grund. Damals war das sogenannte Butt Dialing (versehentliches Wählen aus der Gesäßtasche) ein weit verbreitetes Ärgernis: Handys wählten selbständig Nummern, weil sie unbemerkt in der Gesäßtasche gedrückt wurden. Als Apple den Touchscreen einführte, befürchteten viele, das Problem würde sich dadurch noch verschärfen. Doch die Wischgeste machte versehentliche Anrufe nahezu unmöglich – und genau diese bewährte Logik übertrug Apple später konsequenterweise auch auf den Anrufbildschirm.
Verstecktes Ablehnungs-Feature
Allerdings könnte man Apple vorwerfen, die Sache etwas zu gut gelöst zu haben: Viele Nutzerinnen und Nutzer wissen schlicht nicht, wie man einen eingehenden Anruf ablehnt, wenn der Wischbildschirm erscheint – ein visueller Hinweis fehlt nämlich völlig.
Die Lösung ist denkbar unscheinbar: Ein doppelter Druck auf die Seitentaste genügt, um den Anruf stumm zu schalten oder abzuweisen.