Die Grippewelle schlägt härter zu als im Vorjahr – mit bereits 782 Krankenhauspatienten sprengt sie alle Vergleichswerte. Ärzte schlagen Alarm.
Die aktuelle Grippewelle übertrifft bereits jetzt die Höchstwerte der Vorsaison deutlich. Mit 782 hospitalisierten Patienten und 38 Intensivfällen liegen die Zahlen um 79 bzw. neun Fälle über dem Höhepunkt des Vorjahres. Das Gesundheitssystem gerät dadurch an seine Kapazitätsgrenzen, wobei Experten mit einem weiteren Anstieg rechnen. Diese beunruhigenden Daten stammen aus dem Dashboard für Schwere Akute Respiratorische Infektionen (SARI).
Auch das Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien bestätigt den kontinuierlichen Anstieg der Influenza-Aktivität. Fast alle europäischen Länder verzeichnen derzeit überregionale Virusaktivität mit mittlerer bis stark steigender Tendenz, wobei laut MedUni Wien hauptsächlich der Influenza-Subtyp A(H3N2) für diese Entwicklung verantwortlich ist.
Überlastete Gesundheitseinrichtungen
In Wien übersteigt die Zahl der Grippe-bedingten Krankenhausaufenthalte den Höchstwert der vergangenen Saison bereits um etwa 25 Prozent, wie die Ärztekammer betont. „Auch die Ordinationen der Wiener Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner sind derzeit völlig überrannt und am Limit“, erklärt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien.
Eine weitere Verschärfung der Situation ist wahrscheinlich. „Erfahrungsgemäß steigen insbesondere nach den Weihnachtsferien, wenn der Schul- und Kindergartenbetrieb wieder aufgenommen wird, die Erkrankungszahlen noch einmal deutlich an“, warnt Kamaleyan-Schmied.
Angesichts dieser Entwicklung fordert die Medizinerin bessere diagnostische Möglichkeiten: „Vor diesem Hintergrund wäre es besonders wichtig, dass wir Ärztinnen und Ärzte im Verdachtsfall testen könnten.“ Zwar existieren entsprechende Influenza-Tests, diese müssen jedoch von den Patienten selbst finanziert werden. Zudem sei der Einsatz von CRP-Schnelltests in den Praxen durch die Krankenkasse stark reglementiert.
Um gesund durch den Winter zu kommen, empfiehlt die Gesundheitskasse regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, häufiges Händewaschen und das Tragen einer Maske bei Krankheitssymptomen.
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Steigende Krankenstände
Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) verweist auf die steigenden Krankenstandszahlen bei Grippe, grippalen Infekten und Covid-19. „Erfahrungsgemäß kommt es insbesondere nach Feiertagen und Urlaubsphasen zu zusätzlichen Erkrankungen“, teilte die ÖGK kürzlich mit. In der vergangenen Woche wurden 5.871 Personen wegen Influenza krankgeschrieben – deutlich mehr als im Vergleichszeitraum 2025 mit 3.339 Fällen.
Bei den grippalen Infekten lagen die Zahlen mit 68.602 allerdings noch unter dem Vorjahresniveau (74.609). Insgesamt befanden sich in der letzten Woche 225.538 Menschen österreichweit im Krankenstand, während es in der zweiten Kalenderwoche 2025 noch 264.683 Personen waren.
Betrachtet man alle SARI-Fälle – darunter Covid-19, Influenza, Pneumokokken-Pneumonie, RSV und weitere schwere Atemwegserkrankungen wie akute Bronchitis oder Lungenentzündungen durch andere Erreger – wurde Ende Dezember bereits der Höchststand der vergangenen Saison überschritten.
In der Woche bis zum 28. Dezember wurden landesweit 2.424 Patienten auf Normalstationen behandelt, während 147 Personen intensivmedizinische Betreuung benötigten.