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Mondhotel

Größer als Eiffelturm: Kanadier planen gigantische LED-Mondkugel

Größer als Eiffelturm: Kanadier planen gigantische LED-Mondkugel
Foto: iStock
5 Min. Lesezeit |

Eine gigantische Mondkugel mit 4.000 Hotelzimmern soll den Weltraumtourismus revolutionieren. Das kanadische Designteam sucht nach Investoren für ihr Milliardenprojekt.

Ein neues Megaprojekt folgt auf The Line. Das kanadische Designunternehmen verfolgt dabei ehrgeizige Ziele. „Moon wird die Brücke zum Weltraumtourismus schlagen und ein atemberaubendes, lebensveränderndes Erlebnis bieten. Durch die Verbindung von Weltraum, Technologie, Umwelt und Wohlbefinden wird MOON ein riesiges, globales Publikum begeistern“, erklärt eine der Gründerinnen der Firma auf ihrem LinkedIn-Profil. Die Fertigstellung ist für 2032 geplant, wobei das Projekt auch als Ausbildungsstätte für Astronauten dienen soll. Während die Liste gescheiterter Megaprojekte stetig wächst – zuletzt wurde bekannt, dass The Line in Saudi-Arabien voraussichtlich nicht realisiert wird – entstehen weiterhin neue Konzepte für spektakuläre Bauvorhaben. Aktuell wirbt ein kanadisches Designbüro für sein Projekt namens The Moon.

Gigantische Dimensionen

Den aktuellen Planungen zufolge soll The MOON mit einem Durchmesser von 271 Metern und einer Höhe von 312 Metern das weltgrößte Sphärengebäude werden. Wie New Atlas berichtet, würde die Kugel damit deutlich größere Dimensionen als The Sphere in Las Vegas aufweisen und nahezu die Höhe des Eiffelturms erreichen. Zum Vergleich: The Sphere in Las Vegas misst im Durchmesser 157 Meter bei einer Höhe von 112 Metern. Die Designfirma sucht derzeit noch nach einem Auftraggeber und nennt als potenzielle Standorte Australien, Brasilien, China, Ägypten, Indien, Polen, Spanien, Thailand, die USA oder die Vereinigten Arabischen Emirate.

Die Außenfassade des ungewöhnlichen Bauwerks soll mit einem riesigen Bildschirm ausgestattet werden, auf dem mondähnliche Animationen zu sehen sein werden. Diese sollen die Mondoberfläche simulieren und den Besuchern das Gefühl vermitteln, auf dem Erdtrabanten zu wandeln. Wie einer der Gründer in einem Video erläutert, soll zum Komplex auch eine authentische Mondbasis gehören, in der künftige Astronauten für Weltraummissionen trainieren können. Im Inneren ist nach den bisher bekannten Plänen ein Hotel mit 4.000 Zimmern vorgesehen, was es gemessen an Größe und Zimmerkapazität zu einem der weltweit größten Hotelprojekte machen würde.

Das Erdgeschoss soll zusätzlich ein Kongresszentrum, Veranstaltungsflächen und ein kleineres Boutique-Hotel beherbergen. Laut einer veröffentlichten Visualisierung würde das Gebäude von einer ringförmigen Wolkenkratzeranlage umgeben sein, deren Dach mit Solaranlagen bestückt ist – eine Gestaltung, die stark an das Apple-Hauptquartier in Cupertino erinnert. Ergänzt würde der Komplex durch weitere Gebäude, Wasserflächen, Grünanlagen und Verkehrswege, wobei der „Mond“ als zentrales Element in der Mitte thronen soll.

Vergleich mit The Sphere

Eine Umsetzung von MOON wäre ein äußerst kostspieliges und ambitioniertes Unterfangen. Ein Vergleichsprojekt existiert bereits mit The Sphere in Las Vegas: Die 2023 eröffnete kugelförmige Veranstaltungshalle des Design-Studios Populous ist sowohl innen als auch außen vollständig mit LED-Bildschirmen verkleidet. Für den Bau der massiven Stahlbetonkuppel musste einer der größten Kräne der Welt eingesetzt werden. Allein das Dach bringt ein Gewicht von 13.000 Tonnen auf die Waage.

Besucher der außergewöhnlichen Eventlocation erleben eine immersive 4D-Umgebung, die sogar Wind- und Dufteffekte erzeugt. Im Inneren bedeckt ein gewaltiger LED-Bildschirm von SACO Technologies eine Fläche von 15.000 Quadratmetern. Da neben Sportveranstaltungen wie MMA-Kämpfen auch Konzerte – unter anderem von den Backstreet Boys und U2 – stattfinden, stellte die Akustik eine besondere Herausforderung dar. Eine Lösung bietet der schalldurchlässige Bildschirm, der eine nahtlose Tonübertragung ermöglicht.

Der Innenbildschirm besteht aus 64.000 LED-Modulen in hunderten verschiedenen Formen, die perfekt in die Kuppelstruktur integriert wurden. Aufgrund der gekrümmten Oberfläche kam eine spezielle Technik namens „Adaptive Pixel Pitch“ zum Einsatz. Diese variiert den Abstand zwischen den einzelnen LED-Modulen so, dass überall ein gleichmäßiges Bild entsteht und Verzerrungen durch die Krümmung ausgeglichen werden. Die Außenhülle der Sphere ist mit 1,23 Millionen LED-Modulen bestückt, die jeweils 20 Zentimeter voneinander entfernt sind und insgesamt 580.000 Quadratmeter abdecken.

Dort werden je nach Saison oder aktuellen Veranstaltungen verschiedene Animationen gezeigt. Die Baukosten der Sphere werden auf 2,3 Milliarden Dollar beziffert. Dies gibt einen Anhaltspunkt für die zu erwartenden Kosten des „Mondhotels“ – es würden Milliardensummen benötigt.

Fragwürdige Umsetzbarkeit

Abgesehen von der Visualisierung finden sich auf der offiziellen Website derzeit keine weiteren Informationen zum MOON-Projekt. Die Darstellung erweckt den Eindruck, als hätte man einen KI-Chatbot mit Bildern vom Mond, The Sphere in Las Vegas, dem Apple-Hauptquartier in Cupertino und der Expo 2025 in Osaka gefüttert und aufgefordert: „Erstelle mir daraus ein Hotel-Konzept“. Angesichts dieses eher oberflächlichen Entwurfsstadiums erscheint die von den Planern laut New Atlas angegebene Fertigstellung bis 2032 bemerkenswert optimistisch.

Das Unternehmen gibt nur wenig über sich preis: Auf Facebook wurden aus dem Team etwa Tom Middleton vorgestellt, der hauptberuflich als Soundtherapeut und Schlafexperte tätig ist. Zudem wird der Co-Gründer Michael R. Henderson erwähnt, zu dem online kaum seriöse Informationen verfügbar sind. Immerhin versuchen sie in einem Video von Gulf News, ihre Vision zu erläutern. Die zweite Gründerin, Sandra G. Matthews, verfügt über ein öffentliches LinkedIn-Profil.

Dort beschreibt sie ihr „Designbüro“ als 2000 gegründetes Unternehmen, das aus der „Vision von 2 kanadischen Unternehmern“ entstanden sei. Aus ihrem Profil geht hervor, dass die Firma nicht selbst als Bauherr auftreten will, sondern lediglich die Idee in verschiedenen Weltregionen vermarkten möchte – darunter in Asien, im Nahen Osten, in Süd- und Nordamerika sowie in Europa.

Das Team hat bereits in der Vergangenheit versucht, das ungewöhnliche Konzept zu verkaufen, bislang offenbar ohne Erfolg. In einem früheren Artikel des ubm magazins wurde ein ähnliches Projekt beschrieben. Damals war von einer 305 Meter hohen Kugel mit 224 Metern Durchmesser die Rede. Das spektakuläre Bauvorhaben wurde seinerzeit als „Mondkugel“ mit bis zu 5.000 Hotelzimmern und exklusiven Eigentumswohnungen beworben. Erwähnung fand auch ein angeblich „weit fortgeschrittenes“ Projekt in den Vereinigten Arabischen Emiraten, das jedoch bisher keine konkreteren Formen angenommen hat.

Nun unternimmt das kanadische „Designbüro“ offenbar einen erneuten Anlauf und hofft, mit einer einzigen computergenerierten Darstellung endlich Investoren für sein Multimilliarden-Dollar-Projekt zu gewinnen.

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KO KOSMO-Redaktion
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