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AUS HAZIMS FEDER

Hazim Hadžić: „Slobodanka, Veljko, die Eier und ich“

(FOTOS: iStockphoto, zVg.)

Die Firma meiner Eltern arbeitet schon seit langem mit der Firma eines gewissen Herrn Veljko in einer Stadt in Bosnien-Herzegowina unweit der serbischen Grenze zusammen. Sie kaufen von ihm regelmäßig Zement.

Mit der Zeit sind die Kontakte enger geworden und inzwischen kennen sich die Mitglieder meiner und Veljkos Familie gut. Seine Frau heißt Slobodanka und sie haben zwei Kinder. Aus Freundschaft werden inzwischen auch regelmäßige Festtagsgrüße geschickt, vor allem zu den religiösen Feiertagen: „Froher Bajram“ und „Frohe Weihnachten“. Jedes Mal, wenn sie ein gemeinsames Geschäft erfolgreich abgewickelt haben, drücken Veljko und Slobodanka meinen Eltern ihren Dank auf ganz besondere Weise aus: Sie nehmen den 40 Kilometer langen Weg auf sich, um uns Eier von ihren eigenen Hühnern, manchmal sogar Wachteleier, Rindsprodukte, Schweinefett und Ähnliches zu bringen.

Wenn ich in Bosnien bin, ist einer der Höhepunkte des Tages das Frühstück: frische Eier, meistens fünf, mit etwas Salz auf gekochter eigener Milch. Ein super Rezept! Und weil ich Feinschmecker bin, verschwinden alle Eier, die wir im Kühlschrank haben – egal, wie viele es sind – innerhalb weniger Tage. Was soll ich machen, wenn ich sie so mag! So war es auch bei meinem letzten Besuch in Bosnien. Mama hat Veljko einen Tag vorher geschrieben, um zu fragen, ob sie nicht zufällig frische Eier zu Hause hätten, denn es ist Winter und die Hühner legen nur wenig. Schon am nächsten Tag kommen zwei volle Sackerl an und noch ein weiteres Sackerl mit einem ihrer Hühner.

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Ich gehe schnell nach draußen, bleibe ein Viertelstündchen und rede mit Frau Slobodanka; sie erzählt mir von ihren Kindern und vom Tod ihrer Mutter, der sie kürzlich getroffen hat. Ich spreche ihr mein Beileid aus. Sie fragt mich nach der Schule, ob ich eine Freundin habe, und ich freue mich, denn ich habe so zu erzählen. Wir schütteln uns die Hand, ich richte ihr Grüße an ihren Mann aus und schleppe die Sackerl ins Haus. Wir haben uns perfekt verstanden, sie und ich.

Ich esse ihre Eier zum Frühstück und sie sind glücklich, weil sie ein gutes Werk vollbracht haben. Keinerlei Barrieren zwischen uns; vor allem keine sprachlichen, die von scheinbar scharfsinnigen Menschen errichtet werden, die auf billige Weise Hass und Konflikte schüren wollen. Sie wissen nicht, wie wichtig diese Eier in meinem Leben sind.