Zwei seltene Himmelsschauspiele treffen auf einmal zusammen – und die Bedingungen könnten kaum besser sein.
Hobbyastronominnen und Hobbyastronomen erwartet am Mittwoch, 12. August 2026, ein außergewöhnlicher Abend: Während kurz vor Sonnenuntergang die stärkste partielle Sonnenfinsternis in Österreich seit 1999 zu sehen ist, steuern nur wenige Stunden später die Perseiden auf ihr jährliches Maximum zu. Und ausgerechnet in diesem Jahr sind die Bedingungen besonders günstig: Es herrscht Neumond und auch das Wetter spielt mit.
Was bei einer Sternschnuppe physikalisch passiert, lässt sich so erklären: Winzige Teilchen aus Staub oder Gestein dringen mit enormer Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre ein. Bei den Perseiden geschieht das mit rund 59 Kilometern pro Sekunde – mehr als 210.000 km/h. Dabei wird die Luft vor dem Teilchen extrem stark komprimiert und erhitzt, Material wird abgetragen und ionisiert – die typische helle Leuchtspur eines Meteors entsteht.
Davon zu unterscheiden ist ein Meteorit: So bezeichnet man einen Teil eines ursprünglich im All befindlichen Gesteins- oder Metallkörpers, der den Flug durch die Atmosphäre übersteht und tatsächlich die Erdoberfläche erreicht. Für Aufsehen sorgte erst Anfang Jänner ein solcher Fall im Burgenland: In Zagersdorf wurde später ein Stein aus dem All bei einer beschädigten Pergola eines Einfamilienhauses gefunden. Verletzt wurde niemand. Ob der Fund eindeutig mit dem im Jänner beobachteten Feuerball zusammenhängt, wurde zuletzt noch wissenschaftlich untersucht.
Kaum größer als ein Sandkorn, oft nur für den Bruchteil einer Sekunde sichtbar – und dennoch üben Sternschnuppen seit jeher eine besondere Faszination auf den Menschen aus. Dazu gehört auch der bekannte Brauch des Wünschens: Der Wunsch soll nur dann in Erfüllung gehen, wenn man ihn während des Aufleuchtens denkt und anschließend niemandem verrät.
Perseiden-Ursprung
Die Perseiden gehen auf Partikel zurück, die der Komet 109P/Swift-Tuttle auf seiner Bahn durch das Sonnensystem hinterlässt. Einmal pro Jahr durchquert die Erde diese Trümmerspur – dadurch nimmt die Zahl der sichtbaren Meteore am Nachthimmel deutlich zu.
Das reguläre Maximum wird 2026 laut International Meteor Organization am 13. August zwischen 04.00 und 06.00 Uhr MESZ erwartet. Der traditionelle breitere Höhepunkt reicht allerdings bereits vom Abend des 12. August bis in die Morgenstunden des 13. August. Unter theoretisch perfekten Bedingungen wird für die Perseiden häufig eine sogenannte Zenitalrate von bis zu 100 Meteoren pro Stunde angegeben. Für 2026 weisen Modellrechnungen allerdings darauf hin, dass die Hintergrundaktivität niedriger ausfallen könnte. Gleichzeitig könnten einzelne alte Staubspuren des Kometen zusätzliche Aktivität verursachen.
In der Praxis liegt die tatsächlich sichtbare Zahl ohnehin deutlich darunter. Die Wiener Volkshochschulen gehen für die Wiener Innenstadt von ungefähr drei bis sechs Perseiden pro Stunde aus, am Stadtrand und in der Umgebung von etwa sechs bis fünfzehn. Wer möglichst viele sehen möchte, sollte deshalb einen dunklen Standort fernab künstlicher Lichtquellen wählen.
Besonders gute Bedingungen herrschen ab dem späten Abend und in der zweiten Nachthälfte. Dann steht der sogenannte Radiant – jener Punkt am Himmel, aus dem die Perseiden scheinbar kommen – zunehmend höher. Ab etwa 22 bis 23 Uhr lohnt sich die Beobachtung besonders, die besten Chancen gibt es Richtung Morgen.
Hinzu kommt dieses Jahr ein außergewöhnlich günstiger Umstand: Am 12. August herrscht Neumond. In Wien tritt die exakte Neumondphase um 19.36 Uhr ein. Der Mond erhellt den Nachthimmel daher nicht und stört die Beobachtung der Perseiden praktisch überhaupt nicht. Gleichzeitig ist genau dieser Neumond die Voraussetzung dafür, dass wenige Stunden zuvor die Sonnenfinsternis stattfinden kann.
Dass zwei derart markante astronomische Ereignisse auf denselben Tag fallen, ist ungewöhnlich. Für die Perseiden braucht es weder Teleskop noch Fernglas – das bloße Auge ist sogar am besten geeignet. Wichtig ist lediglich, den Augen rund 20 bis 30 Minuten Zeit zu geben, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Helle Handy-Displays sollte man möglichst vermeiden; wer Licht benötigt, kann beispielsweise eine schwache Rotlichtlampe verwenden.
Fast 90 Prozent der Sonne verdeckt
Für die Beobachtung der Sonnenfinsternis gelten hingegen völlig andere Regeln: Ein direkter Blick in die Sonne ist ausschließlich mit einer geeigneten Sonnenfinsternisbrille oder einem entsprechenden Spezialfilter sicher. Normale Sonnenbrillen bieten keinen ausreichenden Schutz.
In Wien beginnt die partielle Sonnenfinsternis um 19.22 Uhr. Danach schiebt sich der Mond immer weiter vor die tief stehende Sonne. Das Maximum wird gegen 20.13 bis 20.14 Uhr erreicht – praktisch zeitgleich mit dem Sonnenuntergang. Nach Angaben von GeoSphere Austria und dem Planetarium Wien werden dabei in Österreich maximal rund 89 Prozent der Sonne bedeckt.
Damit handelt es sich um die stärkste Verfinsterung der Sonne in Wien seit dem 11. August 1999. Anders als damals ist die Finsternis in Österreich diesmal allerdings nur partiell. Total wird die Sonne am 12. August unter anderem in Teilen Grönlands, Islands und Spaniens verfinstert.
Wer das Ereignis beobachten möchte, braucht vor allem einen Standort mit möglichst freiem Blick zum westlichen Horizont. Gerade in Wien gibt es dabei einen Haken: Weil die Sonne während der stärksten Phase bereits extrem tief steht, können Gebäude, Bäume oder Gelände den Blick deutlich früher versperren. Selbst bei Beobachtungen der Wiener Volkshochschulen wird die Sonne an manchen Standorten bereits vor dem rechnerischen Maximum nicht mehr sichtbar sein.
Für die Perseiden gilt anschließend das Gegenteil: Statt freier Sicht nach Westen braucht es vor allem einen möglichst großen, dunklen Himmelsausschnitt. Der Radiant liegt im Bereich des Sternbildes Perseus im Nordosten, die Meteore selbst können jedoch praktisch überall am Himmel auftauchen.
Wetteraussichten
Auch das Wetter dürfte am Mittwochabend kaum zum Spielverderber werden. GeoSphere Austria erwartet für die Sonnenfinsternis im Großteil des Landes nahezu perfekte Beobachtungsbedingungen. Der Abend soll überwiegend wolkenfrei und sternenklar verlaufen.
Damit stehen die Chancen gut, zunächst die verfinsterte Sonne knapp über dem Westhorizont und wenige Stunden später die ersten Perseiden zu sehen. Lediglich lokale Hindernisse wie Berge, Gebäude oder einzelne Wolken können die Sicht einschränken.
Wer in der Nacht auf Donnerstag keine Gelegenheit hat, muss dennoch nicht ganz auf Sternschnuppen verzichten. Die Perseiden sind bereits seit Mitte Juli aktiv und bleiben noch bis weit in den August hinein sichtbar. Auch in den Nächten unmittelbar vor und nach dem Maximum können zahlreiche Meteore beobachtet werden.
Weitere bekannte Sternschnuppenschauer folgen im Laufe des Jahres – darunter etwa die Lyriden im April und die besonders ergiebigen Geminiden im Dezember. Die Kombination aus nahezu 90-prozentiger Sonnenfinsternis, mondloser Perseiden-Nacht und gutem Wetter macht den 12. August 2026 in Österreich dennoch zu einem der außergewöhnlichsten Astronomie-Abende des Jahres.