Hinter der Fassade einer albanischen Familie verbarg sich ein internationales Drogennetzwerk. Nun steht die Gruppe vor Gericht – mit Kokain und Cannabis im Millionenwert.
Eine albanische Auswanderer-Familie steht im Zentrum schwerwiegender Vorwürfe: Über Jahre soll sie systematisch illegale Waren nach Deutschland und Österreich geschmuggelt haben. In Wien wurde nun Anklage gegen die mutmaßliche Drogenhändlergruppe erhoben. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, etwa 32 Kilogramm Kokain und 65 Kilogramm Cannabis mit einem Gesamtumsatz von mehr als 2,5 Millionen Euro vertrieben zu haben.
Die Ermittler identifizierten einen 32-jährigen Hauptbeschuldigten aus dem Bezirk Gänserndorf als Leiter der österreichischen Operationen, während dessen 27-jähriger Bruder offenbar als Finanzverwalter fungierte und sämtliche Einnahmen nach Albanien transferierte. Bei einer aufwändigen Hochzeitsfeier in Albanien im Jahr 2021 wurde auch die 35-jährige Lebensgefährtin des jüngeren Familienmitglieds in die kriminellen Geschäfte eingeweiht. Die Anklageschrift dokumentiert unter anderem, wie sie einmal einen Bargeldbetrag von 10.000 Euro in Servietten eingewickelt erhielt.
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Familiäres Drogennetzwerk
Die Kokainlieferungen stammten offenbar von einem 48-jährigen Verwandten aus Duisburg, der als Drahtzieher der Organisation agierte. Die Ermittlungsgruppe mit dem Codenamen „La Familia“ – eine Arbeitsgruppe bestehend aus Organisationseinheiten des österreichischen Innenministeriums und deutschen Ermittlungsbehörden – konnte durch entschlüsselte Nachrichten auf kryptografisch gesicherten Mobiltelefonen die Aktivitäten des Netzwerks detailliert nachverfolgen.
Polizeilicher Zugriff
Die koordinierten Einsätze erfolgten am 26. und 28. Mai 2025 in Wien und Niederösterreich sowie Deutschland, als Einsatzkräfte versteckte Drogenlager in konspirativen Wohnungen aushoben. Dabei wurden insgesamt zehn Personen festgenommen und 9 Kilogramm Kokain, 64 Kilogramm Cannabiskraut sowie 44.265 Euro Bargeld sichergestellt. Die Ermittlungen wurden unter Leitung des Landeskriminalamts Niederösterreich in enger Abstimmung mit dem Bundeskriminalamt und deutschen Behörden durchgeführt.
Die sieben in Österreich festgenommenen Verdächtigen befinden sich derzeit in Untersuchungshaft in der Justizanstalt Wien-Josefstadt, während ein in Deutschland gefasster Beschuldigter in Auslieferungshaft gehalten wird. Die Verteidigung der Angeklagten übernehmen die renommierten Rechtsanwälte Philipp Wolm und Mirsad Musliu. Bislang haben sich die Beschuldigten nicht zu den Anschuldigungen geäußert. Im bevorstehenden Gerichtsverfahren in Wien müssen sie mit empfindlichen Freiheitsstrafen rechnen.
Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.