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KEVIN SPACEY

Hollywoodstar spielt Franjo Tuđman in neuem Propagandafilm

(FOTOS: Screenshot)

Der rechte „Hrvatski Tjednik“ durfte als einziges Medium mit dem Hollywood-Schauspieler Kevin Spacey sprechen. Dieser dreht derzeit einen Film über den ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tuđman unter der Regie von Jakov Sedlar.

Unbemerkt reiste Spacey bereits vor einigen Wochen nach Zagreb, um an den Dreharbeiten teilzunehmen. Der umstrittene Schauspieler erklärte gegenüber „Hrvatski Tjednik“, dass er bereits seit acht Monaten an diesem Projekt arbeite. „Das ist mein üblicher Arbeitsprozess. Tudjman war eine faszinierende Person, definitiv die wichtigste Person bei der Gründung Ihres Landes“, so Spacey und fügte hinzu, dass es nicht lange gedauert habe, ehe ihn Sedlar vom Projekt überzeugte.

Spacey schwärmt von Tuđman
Spacey sagte, es habe nicht lange gedauert, bis Regisseur Sedlar ihn überzeugt habe, die Rolle des Franjo Tuđman anzunehmen. „Wir sind Freunde und ich weiß, dass er nicht versuchen würde, mir etwas Böses anzutun. Er sprach sehr ehrlich und mit viel Leidenschaft über Tuđman; es war ihm wichtig, dass ich seinen Freund Franjo spiele, und wir waren uns schnell einig.“ Auf Bitten von Journalisten versuchte er zu beschreiben, was er für Tuđman empfand.

Franjo Tuđman: Für die einen eine Vaterfigur,
für die andere ein Unheilsengel

KOMMENTAR: Während Tuđman für viele als Vater der Nation und erster
und wahrer moderner Kroate gilt, der seinem Volke Freiheit gab,
so brachte er mindestens genauso viel Unheil über all jene,
die seine Vision nicht teilten oder nicht Teil „seines kroatischen Volkes“ waren.

„Aufgrund seiner verfügbaren Interviews und Videos ist klar, dass er ein sehr leidenschaftlicher Mann war, der an seine Ideen und an sein kroatisches Volk geglaubt hat. Ich denke, er gehört zu dieser alten Generation von Politikern, die Staatsmänner und keine Administratoren waren, die dachten, dass das Volk einen Anführer braucht, dem es folgen konnte, und er tat alles dafür. Ich liebe seine aufrichtige Leidenschaft, die vielen Politikern heute fehlt“, schwärmte der Hollywood-Star.

Über seine Probleme zu Hause in den USA mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs wollte er in dem Interview nicht sprechen. Er sei davon überzeugt, dass das Gericht eine faire Entscheidung treffen wird. Zusätzlich zu diesen Vorwürfen wurde Spacey im Jahr 2020 verurteilt, rund 27 Millionen Euro an das Medienunternehmen MRC, den Produzenten der Fernsehserie House of Cards, in der er die Hauptrolle spielte, wegen Verstoßes gegen seine Richtlinien zur sexuellen Belästigung zu zahlen.

Propagandafilm eines rechten Regisseurs?
Obwohl Spacey denken mag, dass die Rolle von Tudjman es ihm ermöglichen wird, seine herausragenden schauspielerischen Talente zu zeigen und wieder einige Anerkennung zu erlangen, gibt es viele Gründe, warum er seine Karriere nicht durch die Teilnahme an diesem Propagandafilm wiederbeleben wird.

Regie für den Film über Tuđman, der eine Kombination aus Dokumentarfilm und Fiktion sein wird, führt Jakov Sedlar. Eines der Anzeichen dafür, dass dieser Film wahrscheinlich ein Stück nationalistischer Propaganda ist, kam aus der Ankündigung des Films von Regisseur Jakov Sedlar für „Hrvatski Tjednik“, in der er sagte, dass es „eine Schande wäre, den 100. Jahrestag des Geburtstages nicht zu feiern des Vaters des kroatischen Staates“. Sedlar ist bereits in der Vergangenheit mit rechter Ideologie aufgefallen.

Tudjman, der 1990 an die Macht kam, bleibt innerhalb und außerhalb Kroatiens eine umstrittene Figur. Diejenigen, die ihn positiv sehen, konzentrieren sich auf seine Rolle bei der Gründung eines unabhängigen kroatischen Staates und seine Teilnahme an den Friedensgesprächen von Dayton 1995, die den Bosnienkrieg beendeten.

Kritiker verweisen jedoch auf seine Rolle im kroatisch-bosniakischen Konflikt von 1993-94. Er verhalf unter anderem dem selbsternannten kroatischen Kleinstaat Herceg Bosna zu seiner Gründung. Die Staatsführer dieses Kleinstaates wurden später wegen Kriegsverbrechen verurteilt. Tuđman wird außerdem oftmals eine schlechte Behandlung der kroatischen Serben, extremer Nationalismus, Korruption, Betrug und eine autokratische Herrschaft über Kroatien nachgesagt.

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