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WIEN

Horror-Nacht: Frau von Party-Veranstalter missbraucht

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(FOTO: iStock/BalkansCat, Bildnachweis:Sam Edwards)

In den pulsierenden Techno-Clubs von Wien, wo die Nacht zum Tag gemacht wird, herrscht eine düstere Realität. Mehrere junge Frauen, die sich auf den Tanzflächen verlieren wollten, haben stattdessen einen Albtraum erlebt. Sie wurden belästigt, missbraucht und körperlich angegriffen. Die Täter sind keine Unbekannten, sondern Personen, die die Wiener Techno-Szene prägen: Veranstalter, Clubbesitzer und Booker.

Ein solcher Vorfall ereignete sich mit einer 23-jährigen Tänzerin, die bei einem Event auftrat. Der Veranstalter, ein bekannter Name in der Wiener Nacht, lockte sie in seine Wohnung, wo es zu einem sexuellen Übergriff kam. Nach der Tat fand sie sich im Krankenhaus wieder, die Polizei wurde informiert und der Mann festgenommen. „Er hat sie während der 70-minütigen Tortur ausgelacht“, berichtet ihr Anwalt Philipp Springer.

Die junge Frau fand Unterstützung bei Frederika „Fredi“ Ferková, die Gründerin des feministischen Party-Kollektivs „Hausgemacht“. Ferková ist bekannt für ihre sexpositiven Partys, bei denen der Schutz der Gäste vor solchen Übergriffen im Vordergrund steht. „Die Betroffene hat sich bei uns gemeldet, weil sie uns vertraut“, sagt Ferková.

Belästigung und aggressives Verhalten

Die 23-Jährige ist jedoch nicht das einzige Opfer. Nach einem Aufruf von Ferková meldeten sich weitere Frauen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. „Es sind inzwischen etwa 30 Frauen, die zum Tatzeitpunkt zwischen 19 und 22 Jahre alt waren“, berichtet Ferková. Die Täter sind fast doppelt so alt wie ihre Opfer. „Diese gehen alle auf die 40 zu, die Frauen sind hingegen fast halb so alt. Die Männer machen das mit System und fühlen sich beschützt“, kritisiert Ferková.

Trotz der Verurteilung des 40-jährigen Veranstalters, bleibt die Situation für die 23-Jährige belastend. Der Mann wird weiterhin gebucht und ein anderer der beschuldigten Männer führt seinen Club weiter, als wäre nichts geschehen. Ehemalige Mitarbeiter berichten von Belästigungen und aggressivem Verhalten. Doch aus Angst um ihre Jobs und wegen der Bekanntheit der Täter, schweigen viele.

Die Männer argumentieren, dass der Konsum von Drogen auf Partys die Grenzen des Erlaubten verwischt. Ein Veranstalter, der beschuldigt wird, einem Mitarbeiter die Nase gebrochen zu haben, behauptet, in einer Szene, in der 80 Prozent Drogen konsumieren, würde viel Unsinn geredet.

„darf nicht weggeschaut werden“

Ferková fordert ein Ende dieser Zustände: „Es darf nicht mehr weggeschaut werden. Es wird Zeit, dass diese Männer weichen und die Nacht sicherer wird“. Doch die Veränderung stößt auf Widerstand. Die 23-Jährige, die den Stein ins Rollen gebracht hat, wurde vom verurteilten Täter verklagt und soll ihm nun Geld bezahlen. „Die junge Frau wurde tatsächlich von dem verurteilten Täter verklagt und soll ihm jetzt Geld bezahlen“, ist Ferková fassungslos. Um sie zu unterstützen, hat der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) einen Spendenaufruf gestartet.

Betroffene von Gewalt finden Hilfe bei folgenden Anlaufstellen: Frauenhelpline: 0800 222 555, Männernotruf: 0800 246 247, Rat auf Draht: 147, Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20, Gewaltschutzzentren: +43 1 585 32 88, Weisser Ring: 0800 112 112.