Start News Panorama Jasenovac-Gedenkfeier: Opfergemeinden nahmen nicht teil (GALERIE)
22. APRIL 1945

Jasenovac-Gedenkfeier: Opfergemeinden nahmen nicht teil (GALERIE)

Jasenovac-Gedenkfeier-2018

Vergangenen Sonntag fand die offiziell staatliche Gedenkfeier für die Opfer des Konzentrationslagers Jasenovac statt. Die jüdische und serbische Gemeinde, sowie antifaschistische Organisationen blieben jedoch fern.

Das KZ Jasenovac wurde von 1941 bis 1945 von den Ustascha geleitet. Während dieser Zeit wurden überwiegend Serben, Juden, Roma und Gegner des Unabhängigen Staates Kroatien inhaftiert und ermordet. Der offizielle Gedenktag, der 22. April, erinnert an einen Fluchtversuch, der sich 1945 ereignete. Als die Ustascha begannen, das Lager zu zerstören und die Gefangenen zu töten, ergriffen zahlreiche Häftlinge die Flucht. Von insgesamt 600 Inhaftierten überlebten nur 90.

Bereits zum dritten Jahr in Folge standen die Feierlichkeiten anlässlich des Gedenktages unter keinem guten Stern. Während die jüdische Gemeinde bereits vor einer Woche eine eigene Gedenkfeier organisierte, gedachten serbische und antifaschistische Organisationen den Opfern einen Tag vor den offiziellen Staatsfeierlichkeiten. Die Opferorganisationen kreiden der kroatischen Regierung und deren Behörden eine Relativierung der faschistischen Ustascha-Bewegung an, weshalb für sie eine Teilnahme an der Gedenkfeier nicht in Frage komme.

Weniger Teilnehmer und keine Reden
Traditionell zieht am Gedenktag eine Kolonne durch die Gedenkstätte in Jasenovac. Jedoch sei diese am Sonntag laut lokaler Medienberichte deutlich kleiner gewesen als jene beim Gedenken durch die serbischen und antifaschistischen Organisationen am Vortag.

Während an den Feierlichkeiten am Samstag, die vom Verband der antifaschistischen Kämpfer und kroatischen Antifaschisten (SABA) und dem Serbischen Volksrat (SNV) organisiert wurde, rund 1.500 Menschen teilnahmen, waren es am Sonntag laut Medien rund 200 bis 300 Personen. Darunter befanden sich unter anderem Ministerpräsident Andrej Plenković, Parlamentspräsident Gordan Jandroković und mehrere Minister.

Während der gesamten Gedenkfeier wurden keinen Reden gehalten. Nach einer Schweigeminute traten ein Ensemble des kroatischen Nationaltheaters, sowie andere Künstler auf.

Plenković äußerte sich nach der Zeremonie gegenüber Journalisten, dass im Vorfeld alles darangesetzt wurde, um mehrere Gedenkfeiern zu vermeiden. „Dies ist für die kroatische Gesellschaft nicht gut. Wir arbeiten daran, die Spaltungen zu überwinden. Die Regierung hat klare Schritte gemacht und ich glaube, dass wir den Dialog und das Verständnis weiterbringen können, damit wir eine einheitliche Gedenkfeier haben werden“, so der kroatische Premier.

„Der Kampf geht weiter“
So lauteten die Worte des SABA-Vorsitzenden, Franjo Habulin während seiner Rede im Rahmen der Gedenkfeier. Er kritisierte, dass vor allem die Jugend im besten Falle ein verzerrtes und nicht vollständiges Bild von den Geschehnissen während des Zweiten Weltkrieges in Kroatien hätten.

„Solange die Lügen über das Ustascha-Regime wiederholt werden und immer lauter sind, stehen wir in der Pflicht, die Wahrheit zu wiederholen. Solange die Behörden nicht ein für alle Mal eine klare, dezidierte und unveränderliche Position gegenüber Nazismus, Faschismus und der Ustascha-Bewegung einnehmen, werden die Antifaschisten der offiziellen Feier fernbleiben“, fügte Habulin hinzu.

Diesen Worten schloss sich der Vorsitzende des Serbischen Volkrates, Milorad Pupovac an und unterstrich, dass eine endgültige Lösung für den umstrittenen Ustascha-Grup „Za dom – spremni“ („Für die Heimat – bereit“) gefunden werden muss. Es dürfe keine Ausnahmen geben: weder für diejenigen, die ihn aus Unwissenheit in Stadien rufe, noch für jene, die den Gruß mit Absicht verwenden.

Kolinda im Alleingang
Wie auch schon im Jahr davor, nahm die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarović nicht an den offiziellen Feierlichkeiten des Staates Kroatien teil. Am Freitag stattete sie dem KZ Jasenovac alleine einen Besuch ab.

Sie hinterließ auch eine Nachricht im Kondolenzbuch der Gedenkstätte, in welcher sie betont, dass die Republik Kroatien alle in diesem Lager geschehenen Verbrechen aufs Schärfste verurteilt und dass die Erinnerung an die Opfer und Geschehnisse für immer in Ehren gehalten werden würden.

Ustascha-Zwischenfall
In der Stadt kam es laut regionalen Medien zu einem Zwischenfall, an jener Stelle, wo im Vorjahr die Gedenktafel für die Kroatische Verteidigungskräfte (Hrvatske obrambene snage – HOS) abmontiert wurde.

Zwei Männer hielten eine Flagge der paramilitärischen Truppe, die zu Beginn des Kroatien- und Bosnienkriegs, neben den regulären Verbänden der Kroatischen Armee (HV) und des Kroatischen Verteidigungsrats (HVO) bestand.

HOS-Fahne-in-Jasenovac
(FOTO: TANJUG/HINA/Tomislav PAVLEK)