Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Patientendrama

Keine Patienten aus NÖ“ – Witwe enthüllt Hospiz-Skandal

Keine Patienten aus NÖ“ – Witwe enthüllt Hospiz-Skandal
(istockphoto: Hospiz)
3 Min. Lesezeit |

Zwischen Wien und Niederösterreich tobt ein Gesundheitsstreit mit tragischen Folgen. Eine trauernde Witwe berichtet, wie ihrem sterbenden Mann ein Hospizplatz verwehrt wurde.

Der Konflikt um die Versorgung von niederösterreichischen Patienten in Wiener Krankenhäusern flammt regelmäßig auf. Zuletzt verschärfte die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner die Debatte, indem sie mit der Klage eines abgewiesenen Patienten aus dem Bezirk Mistelbach den Druck auf die Bundeshauptstadt erhöhte.

Ein aktueller Fall wirft nun ein Schlaglicht auf die Unklarheiten bei der Anwendung der Gastpatienten-Regelung. Laut Informationen von „Heute“ soll das Caritas Socialis Hospiz am Rennweg in Wien-Landstraße einen todkranken Patienten abgelehnt haben, weil dieser seinen Wohnsitz in Niederösterreich hatte.

Die Ehefrau des Betroffenen, Caroline R., schildert die Situation: „Bei meinem Mann Paul wurde im Mai 2024 ein Gehirntumor diagnostiziert.“ Der zweifachen Mutter aus dem Bezirk Gänserndorf wurde bald klar, dass sie für den 42-Jährigen einen Palliativplatz benötigen würde. „Ich habe Paul dann im Herbst 2024 im CS Hospiz am Rennweg angemeldet, das kannte ich vom Hörensagen“, berichtet sie. Die Einrichtung verfügt über zwölf Palliativbetten und ist dem Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien angeschlossen.

Caroline R. erkundigte sich mehrfach beim Hospiz nach dem Status der Anmeldung: „Ich habe nie irgendeine Information erhalten, dass er nicht genommen werden kann.“ Als sich der Gesundheitszustand ihres Mannes Mitte Dezember 2025 drastisch verschlechterte, musste er ins Landesklinikum Hainburg eingeliefert werden.

Überraschende Absage

„Nachdem ich dem dortigen Palliativteam mitgeteilt habe, dass Paul einen Platz im Hospiz am Rennweg hat, haben sie zwecks der Überstellung angerufen. Es wurde mitgeteilt, dass sie im Hospiz seit einer Woche keine Patienten mehr aus Niederösterreich aufnehmen dürfen. In dem Moment wusste ich nicht, was ich machen soll. Er war in einem Akut-Spital, benötigte aber eine Palliativ-Betreuung“, erinnert sich Caroline R.

Glücklicherweise konnte das Palliativteam in Hainburg einen alternativen Platz im Hospiz Mistelbach finden: „Am 30. Dezember wurde mein Mann überstellt, am 11. Jänner starb er. Das Team dort war sehr einfühlsam, im Nachhinein war es die beste Entscheidung“, reflektiert die Niederösterreicherin, die nun mit viel administrativem Aufwand konfrontiert ist: „Da muss man durch, es lenkt aber auch ab.“

Neben ihrer Trauer empfindet die Witwe auch Verärgerung: „Es wäre wünschenswert gewesen, wenn sie mir vorher mitgeteilt hätten, dass es für meinen Mann keinen Platz gibt. Gerade in so einer Situation erhofft man sich Unterstützung. Ein rechtzeitiger Anruf hätte die Situation für alle ein bisschen erleichtert.“

Offizielle Stellungnahmen

Auf Nachfrage von „Heute“ stellte das Büro des Wiener Gesundheitsstadtrats Peter Hacker (SPÖ) klar: „Die Gastpatienten-Regelung betrifft planbare Behandlungen und Operationen in den Wiener Krankenhäusern. Akutfälle, aber auch palliative Behandlungen sind davon nicht betroffen.“ Man bedauere, „dass wir jetzt erst von diesem Fall erfahren haben, insbesondere, da im Dezember Vertreter der betroffenen Institutionen beim Stadtrat waren und von diesem oder ähnlichen Fällen nichts berichteten.“

Eine Sprecherin der Caritas Socialis untersuchte den Vorfall und erklärte: „Wir erhielten den Anruf, dass sich die Situation von Herrn R. verschlechterte und er von Niederösterreich auf der Palliativstation in Wien aufgenommen werden sollte. Zur Zeit des Anrufs waren alle Bettenkapazitäten ausgeschöpft und eine sofortige Aufnahme nicht möglich. Das Ziel der Palliativstation in Wien ist es, schwerpunktmäßig die Betreuung der Wienerinnen und Wiener sicherzustellen.“

Ob tatsächlich die Aussage gefallen sei, dass Paul R. aufgrund seines Wohnsitzes in Niederösterreich nicht aufgenommen werden könne, ließe sich nicht mehr rekonstruieren.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen