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DROGENBOSS

Klement Balili, der Pablo Escobar des Balkans

(FOTO: tvp.info)

Seit zehn Jahren versuchte die griechische Polizei bereits Klement Balili wegen seiner Verbrechen dran zu kriegen. Aufgrund seiner Nähe zur politischen Elite Albaniens konnte er jedoch jahrelang den Behörden entkommen.

Wie KOSMO berichtete, hat der Drogenhandel in Albanien eine weitreichende Geschichte. Mittlerweile hat sich das Land zum ersten Narco-Staat Europas entwickelt, also einem Land, „in dem alle rechtmäßigen Institutionen von der Macht und dem Reichtum des illegalen Drogenhandels durchdrungen sind“. Mit ein Grund: Die Drogenbosse in Albanien sind bestens mit der politischen Elite vernetzt und beeinflussen maßgeblich die Entwicklung des Landes. Das Geld aus dem Drogengeschäft spielt in Albaniens politischem System eine große Rolle. Stimmen sichert man sich dort nämlich immer noch am besten gegen Bares, wie VICE berichtet.

Zahlreiche Politiker in Drogengeschäfte verstrickt
Seit der Regierungsbildung 2013 sind bereits zwei Innenminister von Ministerpräsident Edi Rama aus dem Amt geschieden. Der erste, Saimir Tahiri, wird sich dieses Jahr vor Gericht wegen Drogenhandels und Korruption verantworten müssen. Sein Nachfolger, Fatmir Xhafaj, trat nach 19 Monaten im Amt zurück, als sein Halbbruder in Italien wegen Drogenhandels zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Zwar konnte man Xhafaj selbst keine Beteiligung an den Verbrechen seines Bruders nachweisen, aber nationaler und internationaler Druck brachten Rama vermutlich dazu, sich von dem Minister zu verabschieden.

Doch niemand verkörpert die Verwicklungen der albanischen Elite mit dem organisierten Verbrechen besser als Klement Balili. Der „Pablo Escobar des Balkans“, wie die griechische Polizei ihn nennt, ist ehemaliger Beamter, Luxushotel-Besitzer und Drogenboss. Er soll sich ein penibel organisiertes, transnationales und milliardenschweres Drogenimperium aufgebaut haben, das Länder wie Italien, Griechenland, Großbritannien und Deutschland mit Cannabis und Koks versorgt, wie VICE schreibt.

Der Pablo Escobar des Balkans
Den Grundstein für sein Imperium legte Balili in den 1990ern, als weite Teile Albaniens infolge der Wirtschaftskrise zu rechtsfreien Räumen wurden. Viele Familien hatten ihre kompletten Ersparnisse verloren. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und die niedrigen Löhne förderten die Bildung der albanischen Gangs. Offiziell war Balili in den Bereichen Transport, Tourismus, Fischerei und Sicherheit tätig. 2014 wurde er im Badeort Saranda zum Verkehrsdirektor ernannt. Die Hafenstadt ist auch ein bekannter Drogenumschlagplatz.

Seit zehn Jahren versucht die griechische Polizei bereits Balili wegen seiner Verbrechen dran zu kriegen. Aber immer, wenn sie Fortschritte zu machen schienen, stießen die Beamten bei albanischen Behörden auf Hindernisse. Im Mai 2016 verhaftete die griechische Polizei zwölf Mitglieder von Balilis Gang und beschlagnahmte knapp 700 Kilo Marihuana. Die Griechen stellten einen Haftbefehl für Balili aus, aber die albanische Polizei weigerte sich, eine Kopie davon anzunehmen. Als die Behörden das Dokument schließlich anerkannten, war Balili „verschwunden“.

Drei Monate später soll Balili mit einem hochrangigen Polizeioffizier auf seiner Jacht vor der albanischen Küste fotografiert worden sein. Das war kein Einzelfall: Immer wieder wurde in diesem Zeitraum Balilis grinsendes Gesicht im Hintergrund von Handyvideos und Fotos von Feiern der albanischen Polizeiführung entdeckt.

Balilis Nähe zur politischen Elite ist US-amerikanischen und griechischen Behörden zufolge der Grund für seinen Erfolg als Drogenschmuggler. Albaniens Botschafter zwischen 2014 und 2018, Donald Lu sagte dazu 2016: „Politiker von Links und Rechts haben sich den Interessen von korrupten Geschäftsleuten, Verbrechern und Drogenhändlern gebeugt. Wie sonst lässt sich erklären, dass der Drogenschmuggler Klement Balili noch auf freiem Fuß ist?“

Im Januar 2019 wurde Balili schließlich von der albanischen Polizei verhaftet. Die Regierung präsentierte die Festnahme als großen Coup, dabei hatte sich der Drogenboss gestellt und die Bedingungen seiner Festnahme selbst festgelegt. Das Innenministerium und die Strafverfolgungsbehörden wurden von Balilis Anwälten über dessen Ankunft informiert. Der albanische Polizeichef verhaftete ihn persönlich. Aufgrund einer frischen Verfassungsänderung wurde Balili nicht nach Griechenland ausgeliefert, sondern musste sich in seiner Heimat vor Gericht verantworten.

Im Februar akzeptierte der Strafgerichtshof Balilis Bitte um ein „verkürztes Verfahren“. Für ihn bedeutet das konkret: Seine Strafe wird um ein Drittel gekürzt und er muss während seines Prozesses nicht zu viel über die politische Elite Albaniens, die im Hintergrund seiner Machenschaften agierte, verraten. Am 7. Mai wurde Balili schließlich wegen Drogenhandels, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche zu zehn Jahren Haft verurteilt. Allerdings ist es sehr wahrscheinlich, dass Balili mit einer milderen Strafe davonkommt oder komplett freigesprochen wird. Eine ganze Reihe einflussreicher Albaner sind bereits in Berufungsverfahren Anklagen oder Verurteilungen für schwere Korruptionsvergehen entkommen.

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