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Kokain-Hochburg: Balkanland ist Europas erster Narco-Staat

(FOTOS: iStockphotos)

Der Balkanstaat versorgt seit Jahren unter anderem Deutschland mit Cannabis und Kokain – zum Leid der Bevölkerung.

In den 1990ern wurde Albanien von einer schweren Wirtschaftskrise erschüttert. Der Balkanstaat war jedoch bereits vom Jugoslawienkrieg geschwächt. Viele junge Albanerinnen und Albaner sahen den Drogenhandel als einzigen Ausweg aus diesem Netz aus Armut und Korruption. Mittlerweile hat sich das Land zum ersten Narco-Staat Europas entwickelt. Und das, obwohl Albanien NATO-Mitglied ist und kurz vor Beitrittsverhandlungen mit der EU steht.

In einer Reportage sprach VICE mit zwei Kokainschmugglern aus einem heruntergekommenen Vorort von Albaniens Hauptstadt Tirana. Sie waren gerade von einem Ausflug nach Deutschland zurückgekommen. Wie viele ihrer Kollegen sind Artin und Luli von Cannabis auf Kokain umgestiegen. Das bringe mehr Geld und der Stoff sei leicht zu beschaffen. Sie verdienen etwa 20.000 Euro, wenn sie ein Kilo Kokain in die reichen Länder Europas schaffen. Und der Markt wächst: „Du musst die Tour nach Deutschland, Italien oder England machen, wenn du hier was erreichen willst. Kokain ist richtige Arbeit“, erzählt Artan.

Der Drogenhandel hat in Albanien eine weitreichende Geschichte. Mittlerweile hat sich das Land zum ersten Narco-Staat Europas entwickelt. Nach der Definition des Internationalen Währungsfonds ist ein Narco-Staat ein Land, „in dem alle rechtmäßigen Institutionen von der Macht und dem Reichtum des illegalen Drogenhandels durchdrungen sind“. Klassische Beispiele sind Venezuela, Guinea-Bissau und Afghanistan. Aber auch Albanien steht knietief im Drogengeld.

Koks zu Kampfpreisen
Albanien ist Europas größter Produzent von illegalen Outdoor-Cannabis. 2017 beschlagnahmte die Polizei dort 68 Tonnen Gras. Seinen Titel als Narco-Staat verdiente Albanien allerdings erst durch den Kokainhandel. In den vergangenen zehn Jahren haben sich albanische Gangs zu wichtigen Akteuren im europäischen Kokaingeschäft entwickelt. Mit verhältnismäßig reinem Stoff zu Kampfpreisen versorgen sie seit 2012 reiche europäische Länder mit Koks.

Albanische Schmuggler haben direkte Schmuggelrouten von Südamerika und Europas großen Kokainumschlaghäfen in Belgien und den Niederlanden. Im Februar 2018 beschlagnahmte die albanische Polizei in der Hafenstadt Durrës 613 Kilogramm Kokain. Sie waren in einer Ladung kolumbianischer Bananen versteckt.

Das tödliche Geschäft mit den Drogen
Seit das Drogengeschäft in dem Balkanstaat an Bedeutung gewonnen hat, werden immer häufiger Albaner mit Verbindungen zum organisierten Verbrechen in Südamerika getötet. 2017 wurde etwa der Kosovo-Albaner und mutmaßliche Kokainhändler Remzi Azemi in Guayaquil (Ecuador) an einer Straßenkreuzung erschossen, als er in einem gepanzerten Auto unterwegs war. Im Vorjahr wurde Ilir Hiri, ein anderer Albaner mit mutmaßlichen Kontakten zum Drogengeschäft, in derselben Stadt ermordet.

Doch wie konnte Albanien überhaupt zu einem Narco-Staat heranwachsen?
Im Gegensatz zu anderen Staaten sind die Drogenbosse in Albanien bestens mit der politischen Elite vernetzt und beeinflussen maßgeblich die Entwicklung des Landes. Nicht selten stecken sie sogar mit den Strafverfolgungsbehörden unter einer Decke. Das Geld aus dem Drogengeschäft spielt in Albaniens politischem System eine große Rolle. Stimmen sichert man sich dort nämlich immer noch am besten gegen Geld. Aus diesem Grund hat der britische Geheimdienst auch Einheiten nach Tirana entsandt, um die krummen Geschäfte im Auge zu behalten. Gegenüber VICE verriet ein Mitglied des britischen Teams, dass man eindeutige Beweise dafür hätte, dass die albanische Polizei Informationen direkt an die Banden weitergebe.

Quellen und Links: