Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Erdrotation

Klimawandel bremst Erdrotation – Tage werden messbar länger

Klimawandel bremst Erdrotation – Tage werden messbar länger
Foto: iStock
2 Min. Lesezeit |

Der Klimawandel verändert nicht nur Meere und Temperaturen – er greift tief in die Mechanik unseres Planeten ein.

Der Klimawandel hinterlässt seine Spuren nicht nur an Gletschern, Küsten und Wetterphänomenen – er greift mittlerweile in die fundamentale Physik unseres Planeten ein. Wenn Eis schmilzt, gelangt das entstehende Wasser in die Weltmeere und verteilt sich dort neu. Diese Verschiebung von Masse hat eine messbare Konsequenz: Die Erde dreht sich geringfügig langsamer, und die Tage werden minimal länger.

Wissenschafter haben bereits 2024 errechnet, dass sich ein Erdtag derzeit um rund 1,33 Millisekunden pro Jahrhundert verlängert – verursacht durch das Abschmelzen der Polkappen, schwindende Gletscher und den ansteigenden Meeresspiegel. Im Vergleich dazu war dieser klimabedingte Effekt im 20. Jahrhundert noch deutlich schwächer ausgeprägt und bewegte sich zwischen 0,31 und 1,0 Millisekunden pro Jahrhundert.

Blick in die Erdgeschichte

Ein internationales Forschungsteam, an dem auch die Universität Wien beteiligt ist, hat in einer neuen Studie den Blick weit in die Erdgeschichte gerichtet – mehrere Millionen Jahre zurück. Die Studie wurde im Journal of Geophysical Research: Solid Earth veröffentlicht. Als Datenbasis dienten fossile Schalen mikroskopisch kleiner Meeresorganismen, die als empfindliche Archive für vergangene Umweltbedingungen gelten. Minimale Veränderungen in ihrer chemischen Zusammensetzung erlauben Rückschlüsse auf frühere Schwankungen des Meeresspiegels.

Mehr zum ThemaForscher stellen Berechnungen infrage: Meeresspiegel womöglich deutlich höher

Aus diesen Informationen leiteten die Wissenschafter ab, wie sich die Tageslänge über geologische Zeiträume hinweg verändert hat. Das zugrunde liegende physikalische Prinzip lässt sich anschaulich am Beispiel einer Eiskunstläuferin erklären: Streckt sie bei einer Pirouette die Arme aus, dreht sie sich langsamer. Ähnlich wirkt sich die Umverteilung von Wasser auf der Erde aus – mehr Masse weiter außen bremst die Rotation.

Rekordtempo heute

Das zentrale Ergebnis der Studie ist bemerkenswert: Die Verlängerung des Tages schreitet heute schneller voran als je zuvor in den vergangenen 3,6 Millionen Jahren, so die Forscher. Lediglich vor etwa zwei Millionen Jahren war ein vergleichbar starker Effekt zu beobachten – damals allerdings durch natürliche Klimaschwankungen ausgelöst.

Heute ist der Mensch der entscheidende Faktor.

Sollte die globale Erwärmung anhalten, könnte der Klimawandel langfristig sogar den Einfluss des Mondes auf die Erdrotation übertreffen.