Die Zahlen alarmieren: 350 Prozent mehr Migranten erreichen Kreta über die neue Fluchtroute aus Libyen. Schleuser kassieren tausende Euro für die gefährliche Überfahrt.
Die Fluchtroute von Tobruk (Hafenstadt in Ostlibyen) nach Kreta gewinnt zunehmend an Bedeutung im Mittelmeerraum. Seit Freitag sind nach Informationen der griechischen Küstenwache etwa 750 Migranten auf Kreta angekommen, die ihre Überfahrt von der libyschen Küste aus starteten. Wie der griechische öffentlich-rechtliche Rundfunk unter Berufung auf Behördenangaben berichtet, wurden 430 dieser Menschen südlich der bei Touristen beliebten Insel von Frachtschiffen aufgenommen und anschließend der Küstenwache übergeben.
Laut Statistiken des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR erreichten in der ersten Jahreshälfte insgesamt 16.848 Migranten Griechenland auf dem Seeweg. Davon wurden allein auf Kreta 7.135 Ankünfte dokumentiert. Der für die Küstenwache zuständige Minister Vassilis Kikilias erklärte im griechischen Rundfunk, dass die Zahl der auf Kreta ankommenden Migranten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 350 Prozent gestiegen sei.
Aktuelle Ankünfte
Die jüngsten Entwicklungen zeigen die Dynamik dieser Migrationsroute: Am Freitag erreichten zunächst 44 Personen die Insel Gavdos im Süden Kretas, am Sonntagmorgen folgten weitere 236 Schutzsuchende, die an vier verschiedenen Orten im Süden Kretas anlandeten. Alle Angekommenen gaben übereinstimmend an, ihre Reise in Tobruk begonnen zu haben.
Aus Kreisen der griechischen Küstenwache verlautet, dass im Gebiet um Tobruk vermutlich tausende Menschen auf eine Gelegenheit warten, nach Europa überzusetzen. Für die etwa 300 Kilometer lange Überfahrt von Tobruk nach Kreta verlangen Schleuserbanden nach Angaben der Migranten zwischen 4.000 und 6.000 Euro pro Person, wie kretische Medien berichten.
EU-Reaktion
Angesichts der besorgniserregenden Entwicklungen auf dieser Mittelmeerroute plant EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner, in der kommenden Woche einen Besuch bei der libyschen Regierung in Tripolis (Hauptstadt Libyens). Er wird dabei von den Migrationsministern Griechenlands, Maltas und Italiens begleitet.
Bei einem kürzlichen Aufenthalt in Athen betonte Brunner die Bedeutung dieses Termins in Libyen. Die EU wolle damit demonstrieren, dass sie im Umgang mit dieser von Schleusern genutzten Route für illegale Migration nach Europa geschlossen handelt.