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Kristall-Riese im Sinkflug: China-Krise kostet 400 Jobs in Wattens

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Swarovski schrumpft weiter: Der Kristallkonzern streicht in Wattens 400 Stellen. Schwache B2B-Geschäfte und Probleme in China zwingen zu drastischen Maßnahmen.

Der Tiroler Kristallkonzern Swarovski wird seinen Personalstand am Hauptsitz in Wattens bis Ende 2026 deutlich verringern. Rund 400 Arbeitsplätze sollen durch eine Kombination aus Kündigungen, natürlichen Abgängen und Pensionierungen wegfallen. Damit sinkt die Belegschaft am Stammsitz von derzeit 2480 auf etwa 2100 Mitarbeiter. Als Hauptursache für diese Maßnahme nennt das Unternehmen die schwache Entwicklung im B2B-Segment (Geschäft zwischen Unternehmen), das für den Standort Wattens von zentraler Bedeutung ist.

Die Situation am Hauptsitz beschreibt Jerome Dandrieux, General Manager in Wattens, als widersprüchlich. Während das Schmuckgeschäft solide Ergebnisse liefere, leide der für den Standort essentielle B2B-Bereich unter externen Faktoren. “Wir haben keine gute Perspektive in China und in der Luxusindustrie”, erklärte Dandrieux. Auch die Automobilbranche, für die Swarovski zunehmend Komponenten fertigt, durchlaufe aktuell eine schwierige Phase.

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Standort-Anpassungen

“Wir glauben an Wattens”, versicherte Dandrieux trotz der angespannten Lage. Die sinkende Auslastung am Standort erfordere jedoch Anpassungen. Neben dem Personalabbau plant das Unternehmen, die Arbeitszeit aller Beschäftigten um zehn Prozent zu reduzieren und den Drei-Schicht-Betrieb auf zwei Schichten zu verkleinern. Die kostspielige Nachtschicht wird eingestellt. Gleichzeitig kündigte Dandrieux Investitionen von 150 Millionen Euro bis 2023 in den Standort an. Er machte jedoch deutlich: “Wenn wir jetzt nichts machen, werden wir in einem Jahr schwierigere Entscheidungen treffen müssen.”

Der Kristallkonzern hat seine Belegschaft in Wattens bereits in den vergangenen Jahren kontinuierlich verkleinert. Im Jahr 2020 waren 1200 Mitarbeiter vom Stellenabbau betroffen, nachdem zuvor noch 4600 Personen am Hauptsitz beschäftigt waren. Die Personalreduktion während der Corona-Pandemie erregte damals erhebliches Aufsehen und rief auch Reaktionen aus der Landespolitik hervor. Zur Abfederung wurden eine Arbeitsstiftung und ein Sozialplan eingerichtet.

Neue Konzernstruktur

Neben den Personalfragen sorgte bei Swarovski auch die Führungsstruktur und die wirtschaftliche Entwicklung für Schlagzeilen, nicht zuletzt bedingt durch die Coronakrise. Ein teils vor Gerichten und in der Öffentlichkeit ausgetragener Konflikt wurde im Sommer dieses Jahres beigelegt. Die Gesellschafter verständigten sich auf die Bildung eines “integrierten Kristallkonzerns”.

Die neu geschaffene DSW Kristall AG & Co KG fungiert als hundertprozentige Tochtergesellschaft der Schweizer Swarovski International Holding (SIH).