Nach mehrfachen Verzögerungen und monatelangem Warten kommt eines der bedeutendsten Eisenbahnprojekte Kroatiens endlich in die Umsetzungsphase. Die kroatische Bahninfrastrukturgesellschaft HŽ Infrastruktura hat nun bekannt gegeben, dass der spanische Konzern Comsa den Zuschlag für den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Hrvatski Leskovac und Karlovac erhalten hat.
Im Ausschreibungsverfahren, das im November 2024 startete, gingen insgesamt fünf Angebote ein. Das Konsortium Dogus – BK Montaža hatte mit 225,9 Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer) das niedrigste Preisangebot vorgelegt. Höhere Offerte kamen von Comsa, dem indischen Unternehmen Afcons Infrastructure Limited, dem türkischen Baukonzern Cengiz Insaat sowie Strabag.
Obwohl der Projektwert ursprünglich auf 255 Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer) geschätzt wurde, belief sich das letztlich erfolgreiche Angebot von Comsa auf 278,8 Millionen Euro netto bzw. 348,5 Millionen Euro brutto. Trotz des höheren Preises wurde dieses Angebot nach einer erneuten Prüfung als wirtschaftlich vorteilhafter bewertet.
Vergabeverfahren-Kontroverse
Diese Entscheidung folgte auf einen Einspruch bei der Staatlichen Kommission für die Kontrolle öffentlicher Vergabeverfahren (DKOM), die Ende 2025 die vorherige Zuschlagsentscheidung vom Juni desselben Jahres aufgehoben hatte. Damals sollte der Auftrag an das türkische Unternehmen Dogus Insaat ve Ticaret A.S. und den Partner BK Montaža aus Zagreb gehen.
Die Kontrollkommission begründete die Aufhebung mit Unregelmäßigkeiten im Bewertungsverfahren. Unter anderem wurden bei der Prüfung finanzieller Referenzen inflationäre und hyperinflationäre Effekte berücksichtigt, obwohl die Ausschreibungsunterlagen dies nicht vorsahen. Dadurch seien laut DKOM die Grundsätze der Gleichbehandlung und Transparenz verletzt worden.
Gegen diese Entscheidung der Kommission ist zwar keine direkte Beschwerde möglich, allerdings kann ein Verwaltungsstreitverfahren vor dem Hohen Verwaltungsgericht eingeleitet werden. Gleichzeitig kann gegen die neue Entscheidung von HŽ Infrastruktura innerhalb von zehn Tagen Beschwerde bei der DKOM eingelegt werden – ob davon Gebrauch gemacht wird, bleibt abzuwarten.
Projektumfang
Das Großprojekt umfasst insgesamt 44 Kilometer Bahnstrecke und beinhaltet sowohl die Sanierung der bestehenden Infrastruktur als auch den Bau eines zweiten Gleises. Hinzu kommen neue Brücken und Viadukte, elektroenergetische Anlagen, die Modernisierung von Bahnhöfen und Haltestellen sowie fünf neue Gebäude für das Personal von HŽ Infrastruktura in Karlovac.
Die Bauarbeiten sollen innerhalb von 36 Monaten abgeschlossen werden. Nach Fertigstellung werden Züge auf diesem Streckenabschnitt mit bis zu 160 km/h verkehren können.
Das Gesamtvorhaben ist in elf Etappen unterteilt, von denen nur zwei direkt mit der Rekonstruktion und dem Ausbau der Bahnstrecke selbst zusammenhängen. Der Baukonzern Strabag hat bereits acht Etappen abgeschlossen, die hauptsächlich den Bau von Über- und Unterführungen umfassten.
Die verbleibenden Arbeiten sollen nun von den neu ausgewählten Auftragnehmern übernommen werden, nachdem Strabag zu einem früheren Zeitpunkt den Vertrag mit HŽ Infrastruktura teilweise gekündigt hatte. Nach Abschluss aller Baumaßnahmen wird die neue zweigleisige Strecke zwischen Hrvatski Leskovac und Karlovac für Geschwindigkeiten bis 160 km/h ausgelegt sein.
Das Projekt wird durch EU-Mittel im Rahmen des Programms für Wettbewerbsfähigkeit und Kohäsion 2021-2027 kofinanziert.
Nach derzeitigem Stand ist mit einer Fertigstellung nicht vor 2028 zu rechnen.